Die Kunst des Hörens

Von Walter Siegfried Hahn, Oktober 2012

Nach dem 2010 in der Edition Zwischentöne erschienenen Buch »Hörwege entdecken« von Reinhild Brass ist nun im selben Verlag ein Film gleichen Titels von Gerburg Fuchs herausgekommen. Ihm gelingt in angenehm kurzen zwanzig Minuten eine erstaunlich ausführliche Geschichte rund um das Hören in unserer Zeit.

Der Film beginnt mit einer kurzen Darstellung von Hörsituationen, wie wir sie heute alle kennen: Verkehr, Signale, überlaute Töne. Der allgegenwärtige Krach führt nicht selten zu sozialem Rückzug. Denn Hören ist der Sinn, der uns mit Mensch und Welt am stärksten verbindet. Manchem sensiblen Menschen ist das alles viel zu viel, was auf ihn eindringt.

Das Institut für Audiopädie in Witten, das als Herausgeber zeichnet, versteht sich denn auch als Zentrum einer Kunst des Hörens. Dort kann man das Hören entwickeln, Musikins­trumente bauen, Sprache und Bewegung in ihrem Zusammenhang mit Ohr und Musik kennenlernen und entsprechende Aus- und Fortbildungen machen.

Der Film zeigt die Arbeit von Reinhild Brass und ihren Kollegen sowie die des Pädagogen Wolfgang Auer und der Instrumentenschmiedin Britta Stolze. In meditativer Stille reihen sich die Bilder aneinander: Klangschmieden (und zwar im wahren Sinne des Wortes), Interviews, hörende Kinder und Erwachsene, durch Hören inspirierten Menschen. Man lernt, dass das Material den Klang beeinflusst, dass Hören zentral zum Menschsein gehört, dass Eisen und Bronze Polaritäten sind, dass Musik und Bewegung zusammengehören, ja, Musik Bewegung ist.

Wer ein Ohr hat für die Wichtigkeit des Hörens oder wer sich einen ersten Eindruck von der Arbeit des Instituts für Audiopädie machen will, ist mit der DVD gut beraten. Der Film macht Lust auf Hören.

Gerburg Fuchs: Hörwege entdecken, 20 Min., EUR 12,–, Edition Zwischentöne, Forststr. 15, Weinheim 2012