Zu Diensten!?

Von Mathias Maurer, Februar 2017

Ich wollte doch eigentlich nur tun, was ich wollte und jetzt habe ich den Schlamassel: Kinder, die mich davon abhalten.

Ich wollte doch noch schnell in die morgenfrische Zeitung schauen, da brüllt der Kleinste und will Kakao statt Tee. Ich wollte doch nur noch einen zweiten Kaffee trinken, da fehlt der Schultochter unbedingt der hellgrüne Stift im Mäppchen und ja, die Schulbrote müssen noch geschmiert werden. Währenddessen muss der Große noch beim Physiotherapeuten entschuldigt und die Klavierstunde verlegt werden. Und bevor alle aus dem Haus sind, noch die Waschmaschine anschmeißen und das Mittagessen vorbereiten. Dabei wollte ich nur noch einen Schlückchen Kaffee trinken und einen klitzekleinen Blick in die Zeitung riskieren, da geht das Telefon, das Cello wurde vergessen. Ich bin nur der Diener meiner Kinder, kann mich in Selbstlosigkeit schulen. Ich weiß, ich weiß, Erziehung beginnt bei der Selbsterziehung. Und da soll mich Rudolf Steiners Einsicht, dass Kinder ihre Eltern aussuchen trösten? – Familie? Ich warne Sie! Es ist vorbei mit dem eigenen Leben. Denn es beginnt mit Kindern ein völlig neues.

Es wäre kontraproduktiv, diese zwei Leben gegeneinander – nach dem Motto: Ich will mich selbst verwirklichen oder: Ich tue alles für meine Kinder – auszuspielen. Das schafft nur Verdruss. Denn irgendwann habe ich kapiert: Ich will es so. Ob ich dabei immer voll zurechnungsfähig in Bezug auf meine nervliche Leistungsfähigkeit, erzieherische Kompetenz und die Abschätzung der langfristigen Folgen war, spielt keine Rolle. Ich würde behaupten, gerade diese irrationalen Lücken halten mich von der Durchgeplantheit eines designten Lebensentwurfs ab. Ich garantiere Ihnen: Das hält mental elastisch, körperlich fit und die emotionale Flexibilität lotet ihre Grenzen im Dauer-Eustress-Test aus. – Wenn Sie sich wirklich auf

Kinder einlassen, dann können sich jede Menge Kurse wie intuitives Bogenschießen, transzendentales Bodyyoga oder »Wie denke ich richtig« ersparen. Vor allem lernt man nie aus, weil immer alles anders kommt mit Kindern, als man denkt – Tag und Nacht, im Schnitt mindestens über eine Zeitdauer von 20 Jahren. Wo bekommt man das beruflich schon geboten? Wegen dieser tagtäglich erlebten Tatsache könnte man sich eigentlich von dem Thema Kinderplanung völlig verabschieden, denn Kinder passen nie. Selbst Social freezing wird uns von dieser elementaren Lebenserfahrung nicht abhalten können.

Und eine letzte unsäglich optimistische Empfehlung: Um der Egoität unseres Single-Bewusstseins endgültig die Grundlage zu entziehen: Ein richtige Familie fängt eigentlich erst dann an, wenn alles leicht unüberschaubar wird und mehr Kinder am Tisch sitzen als beabsichtigt. Planung ade, Abenteuer welcome.