Beuys

Von Ute Hallaschka, Mai 2017

Der Regisseur Andres Veiel ist anwesend zur Voraufführung seines Films: »Beuys«. Die Frage warum er darin kategorisch jeden Bezug zur Anthroposophie ausgespart hat, beantwortet er ausweichend mit dem Verweis auf die vielfältige Quellenlage. Man hätte ja dann auch auf Nietzsche und Novalis verweisen müssen …

Das ist natürlich Quatsch, denn Beuys zitiert in einigen Szenen konkrete Gedanken und Wortlaute Rudolf Steiners, wie beispielsweise »Geld darf keine Ware sein.« Auf Nachfrage muss der Regisseur, leicht verärgert, Haltung zeigen: das sei eben seine Entscheidung gewesen und dafür könne man den Film kritisieren. Damit lässt sich leben. Es ist jedoch nicht der einzige Kritikpunkt.

Irgendwie ist diese Dokumentation in Schieflage geraten. Man spürt der Machart an, dass es ein Denkmal werden sollte. Kommentarlos montiertes Archivmaterial, eingebaute Stillesequenzen, die wie in meditativer Technik die Bilder in einen Nachraum erweitern sollen. Versetzt mit kurzen Interviews von Freunden und Weggefährten. Doch es funktioniert nicht. Die Collage bleibt beliebig und am Ende wirkt es wie ein Blick ins Poesiealbum der Geschichte.

Vielleicht hat der Respekt vor dem Original und der Originalität von Beuys’ Schaffen zu einer Art »noli me tangere« in der Dokumentation geführt. Aber ein Kino ist eben kein Museum. Ein darin gezeigter Film hat eine andere Konnotation als Kunstwerk. Zumal Beuys Werk ja ebenfalls filmisch vorliegt. Hier wäre ein anderer Gestaltungszugriff nötig gewesen. Die umfassende Bandbreite und Radikalität des Künstlers zu zeigen, dazu braucht es eine Aussage. So bleibt es beim »Film im Film«, der dem, was wir in Beuys’ Werken sehen und verstehen können, eigentlich nichts hinzufügt. Traurig vor allem für jüngere Zuschauer, die nicht dabei waren als der politische Künstler und Gedankenprovokateur ans öffentliche Werk ging. Beuys gehört zu den Gründungsmitgliedern der Grünen, er ist eine Figur der Zeitgeschichte. Interessant sind die Interviewpassagen, aber auch darin wird der Zuschauer ärgerlich allein gelassen. Nur Bruchteile von Sekunden die Namen eingeblendet, keine Information, um wen es sich jeweils handelt.

Immerhin eine Erfahrung lässt sich machen: die pure Beschwörung der eigenen Begeisterung ergibt noch lange kein Erlebnis für der anderen. Letzterer will wirklich eingeweiht, sprich beteiligt werden. Das erfährt man als Zuschauer in diesem Film leider nicht. Schade drum!

BEUYS. Ein Film von Andres Veiel, Deutschland 2017 | www.beuys-der-film.de