Der Mensch im Mittelpunkt

Von Rüdiger Dietrich, Februar 2017

Wie ich zum Leser der »Erziehungskunst« wurde und warum ich mich jetzt schon im dritten Jahr jeden Monat auf diese Lektüre freue.

Es begann in der Praxis eines homöopathischen Arztes, der die Zeitschrift, neben dem »Stern« zur Lektüre ausliegen hatte. Nachdem ich zunächst zum »Stern« gegriffen hatte, wählte ich die mir bis dato unbekannte »Erziehungskunst«. Ich habe es auf vier gelesene Artikel gebracht und festgestellt, dass mich während dieser Wartezeit die »Erziehungskunst« deutlich mehr interessiert hat.

Dasselbe passierte dann ein halbes Jahr später mit einer anderen Ausgabe. Nun begann ich mich zu wundern, warum ich quasi jeden Artikel lesen konnte und nie den Eindruck hatte, dass es vergeudete Zeit war. Oder dass ich das Gefühl hatte, mehr Fragen als Antworten nach dem Lesen eines Artikels zu haben. Ein Pluspunkt, der mir bereits damals auffiel, war, dass die Leserbriefe einen wohltuend unüblichen Umfang hatten. Gedanken zu komplexen Themen konnten auch komplex dargelegt werden.

Ein Jahr später gab es eine dritte Runde. Diesmal war ich, ob desselben Ergebnisses, sehr erstaunt und beschloss mittels eines ausgeliehenen Exemplars, dem Phänomen, dass ich quasi jeden Artikel interessant und lesenswert fand, auf den Grund zu gehen. Nach einiger Zeit wusste ich dann die Antwort: Jeder Autor scheint mir ernsthaft daran interessiert, den behandelten Inhalt plausibel und verständlich zu beschreiben. Weiterhin atmete durch jeden Text, dass der Mensch in seiner Vielfältigkeit im Mittelpunkt steht und nicht das Geld oder die Technologie oder sonstige Ersatz- und Scheinziele. Dass seine Entwicklung aus dem Blickwinkel der Anthroposophie betrachtet wird, bot und bietet mir Nahrung für weiterführende Gedanken. Daraufhin bin ich zum Abonnent der »Erziehungskunst« geworden und dieses Wunder – jeden Artikel lesenswert zu finden – setzt sich fort. Nur einen einzigen Artikel fand ich nach ca. 25 Heften oberflächlich und unplausibel – »Amerika ist an allem Schuld«. Bei diesem wurde der Antiamerikanismusforscher Tobias Jaecker im Februar 2016 interviewt. Was für eine bemerkenswerte Bilanz!

Ich wünsche mir für die Zukunft eine »Erziehungskunst« mit Artikeln, die weiterhin der realen Wirklichkeit entsprechen und die Dinge beim Namen nennen (ich möchte an dieser Stelle auch mal ausdrücklich den von mir geschätzten Henning Köhler erwähnen). Und letztlich wünsche ich der »Erziehungskunst«, das sie weiterhin unabhängig bleibt und der Anthroposophie – na ja uns allen –, dass das Modell der sozialen Dreigliederung stärker in das gesellschaftliche Bewusstsein rückt, intensiv diskutiert und schließlich realisiert wird!

Zum Autor: Rüdiger Dietrich lebt in Jena und ist promovierter Biochemiker. Er ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und imkert in seiner Freizeit.

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