Ganztagsbetreuung – muss das sein?

Von Helena von Hutten, Noémi Schrodt, Juni 2017

Vertragen sich die menschenkundlich begründeten waldorfpädagogischen Ansichten mit einer Betreuung von 8-16 Uhr (oder sogar länger) von immer kleineren Kindern? Passt das Konzept der flächendeckenden Gruppen- und Fremdbetreuung zu den Grundsätzen der Waldorfpädagogik?

Unserer Meinung nach gar nicht. Umso verwunderter beobachten wir, wie immer mehr Waldorfkindergärten ihr Angebot für die ganz Kleinen erweitern. Wir sind zwei junge Mütter von insgesamt fünf Kindern, beide ehemalige Waldorfschülerinnen und publizieren Artikel zu dem Thema »Selbstbestimmte Mutterschaft, familienfreundlicher Feminismus und mehr Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse von Kindern«.

Fremdbetreuung ab wann?

Unsere Kinder gehen erst mit drei oder vier Jahren in den Kindergarten und bleiben dort auch nur bis zum Mittag, gegessen wird möglichst zu Hause. Von dem derzeit herrschenden Druck der Gesellschaft und der Politik wollen wir uns nicht beeinflussen lassen, sondern unsere Kinder so lange zu Hause behalten, bis sie sich von allein für ein paar Stunden am Tag aus dem elterlichen Schutz- und Wirkungskreis lösen möchten. Dass dies vielen Familien aus wirtschaftlichen Gründen überhaupt nicht möglich ist, ist uns sehr wohl bewusst. Diesen Zustand halten wir für besorgniserregend, insbesondere für die Kinder. Denn sie sind das schwächste Glied unserer Gemeinschaft, diejenigen, die sich noch nicht adäquat äußern können, höchstens durch bitteres Weinen beim morgendlichen Abgeben oder durch überdrehtes, erschöpftes Verhalten am Nachmittag nach dem Abholen.

»Moderne Familienpolitik« bedeutet heute, sein Kind vom ersten bis zum 18. Lebensjahr möglichst den ganzen Tag fremdbetreuen zu lassen. Üblicherweise kehren die Mütter und Väter bereits ein Jahr nach der Geburt des Kindes in den Beruf zurück. Kitas werden deutschlandweit ausgebaut.

Es spricht Bände, dass die Politik zuerst den raschen beruflichen Wiedereinstieg nach der Geburt des Kindes befeuert hat, anstatt zunächst die Qualität an den Kitas und Ganztagsschulen zu gewährleisten. Hohe Lärmpegel, Überforderung, Unterbesetzung und Streiks sind an vielen deutschen Kitas Alltag geworden. Eltern bibbern, ob sie einen Platz bekommen, Öffnungszeiten werden nach hinten verschoben und Diskussionen darüber geführt, ob die Institutionen bis 18 Uhr oder bis 19 Uhr geöffnet bleiben sollen. Die Waldorfeinrichtungen ziehen in der Regel mit.

Wir haben zumindest von der Waldorfpädagogik erwartet, dass wir uns dort »verstanden« und »aufgehoben« fühlen. Doch auch sie geht allmählich in die Knie. Auch Waldorf bietet heutzutage Kleinkindgruppen ab einem Jahr an, Waldorfschulen werden plötzlich zu Ganztagsschulen. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Zwänge betreffen eben auch sie. Doch sollte eine Schule oder ein Kindergarten und vor allem jeder einzelne Pädagoge nicht in erster Linie im Sinne des Kindes agieren? Gerade dann, wenn man sich das Grundprinzip »Vom Kinde aus« auf die Fahnen geschrieben hat?

Wo bleibt die Hülle für das Kind?

Natürlich müssen auch Waldorfschulen mit der Zeit gehen. Es ist immer erstrebenswert, Erneuerungen und Veränderungen zu begrüßen, solange sie eben auch eine Verbesserung darstellen. Aber wo bleibt die Qualitätssicherung? Gerade die sogenannte »Hülle« spielt in der Waldorfpädagogik doch eine große Rolle. Anthroposophische Ärzte empfehlen rote und blaue Tücher am Himmelbett eines Säuglings, da diese Farben an den Mutterleib erinnern sollen; die Farben in den Klassen werden so ausgewählt, dass die Kinder sich in den Räumen geborgen fühlen. Doch was geschieht mit der Hülle, wenn man den Kindern unter der Woche tagsüber zu einem Großteil das elterliche Umfeld, die geborgene häusliche Umgebung entzieht? Ist dies nicht die kostbarste und wichtigste Hülle, essenziell für die rundum gesunde Entfaltung des Kindes? Ist Waldorf noch Waldorf, wenn es diesen Grundgedanken untergräbt? Warum hört man so wenige kritische Stimmen von Seiten der Waldorfeinrichtungen? Wir haben schon mehrere Informationsabende in Waldorfkindergärten besucht, wo nur sehr zaghaft darauf hingewiesen wurde, dass eine Ganztagsbetreuung für kleine Kinder zu lang und anstrengend sein könnte. Wir erleben, dass zweijährige Kinder über Wochen und Monate hinweg stundenlang weinen, weil sie die Trennung von ihrer Mutter oder ihrem Vater nicht verkraften, die Erzieher aber keine Notbremse ziehen und den Eltern gegenüber keine klare Haltung zeigen. Warum diese Zurückhaltung?

Ganztagsbetreuung – nur im Notfall

In Berlin gibt es für die Kitas mehr Bewerber als freie Plätze. Warum also keine Auswahl treffen, die auch die Haltung zur Kleinkindbetreuung einbezieht? Warum bietet man zum Beispiel nicht nur den Familien Ganztags-Betreuungsplätze an, die es auch wirklich nötig haben, Alleinerziehenden oder Geringverdienern, die auf zwei Gehälter angewiesen sind? Waldorf soll ja nicht nur wohlhabenden Verheirateten zu Gute kommen. Dann wären die Nachmittagsgruppen kleiner und familiärer.

Gleiches gilt für die Kleinkindgruppen auch am Vormittag. Ja, die Klientel würde wahrscheinlich zunächst schrumpfen, aber wir denken, dass mit der Zeit die Qualität wachsen und dem hohen pädagogischen Anspruch genügen würde. Eventuell würden die Eltern, die sich über einige Jahre mehr finanziellen Spielraum erlauben dürfen, ihre Kleinkinder sogar länger selber betreuen, wenn das ein Kriterium für die Aufnahme in eine Waldorfeinrichtung wäre.

Es ist letztlich eine Frage der inneren Überzeugung, wofür man einstehen will und welchen Preis man dafür zu zahlen bereit ist. Natürlich ist die Politik gefragt, Wahlfreiheit zu ermöglichen, anstatt in erster Linie von wirtschaftlichen Interessen motiviert zu handeln, aber auch wir Eltern, Erzieher und Lehrer sollten uns klar positionieren und für unser Recht auf eine entspannte Erziehungszeit und vor allem für das Recht unserer Kinder auf eine Kindheit ohne Stress und ohne Verzicht auf umfassende elterliche Fürsorge einstehen.

Zu den Autorinnen: Helena von Hutten lebt mit Mann und drei Töchtern im Berliner Umland und ist »Vollzeitmutter«. Noémi Schrodt lebt ebenfalls in Berlin und widmet sich nach einigen Jahren Berufstätigkeit als Waldorf-Musiklehrerin ihrer vierköpfigen Familie. Beide Frauen sind ehemalige Waldorfschülerinnen und publizieren Online-Artikel zum Thema »Selbstbestimmte Mutterschaft heute«.

Kommentare

Ursula Nicolai, 01.06.17 12:06

Die Kritik hat die richtigen Argumente: wenigstens bei Waldorf sollte doch im Interesse des Kindes gestaltet werden...

Barbara Kaminski, 02.06.17 08:06

Ich danke Ihnen für diesen tollen Beitrag. Er spricht mir aus dem Herzen!!
Es ist jammerschade, wenn wir nicht einmal in Waldorfschulen bzw. Waldorfkindergärten das umsetzen, was Rudolf Steiner dringend empfohlen hat:
Lasst die Kinder so lange wie möglich bei den Eltern.
Wieso kann es sein, dass in Waldorfeinrichtungen nun auch Kitas für Kinder ab 12 Monaten (oder früher?) errichtet werden?
Was wird dadurch erreicht?
Kleine Kinder werden für bis zu 8 Stunden täglich in fremde Betreuung übergeben.
Danach wechseln sie in den Kindergarten und können auch hier für bis zu 8 Stunden betreut werden. Wenn man im Waldorfkindergarten war, hat man viel bessere Chancen, um in der Schule aufgenommen zu werden. Der Weg in die Schule führt also von der Krippe in den Kindergarten in die Schule. Denn auch bei dem Eintritt in den Kindergarten werden die Krippenkinder bevorzugt!
Haben Eltern, die ihr Kind bewusst in den ersten Jahren zu Hause erziehen (wie es die Waldorfpädagogik empfiehlt), überhaupt eine Chance auf einen Kindergarten- und später Schulplatz? Ja, aber massiv erschwert!
Unabhängig davon werden die meisten Kosten der Krippe über den Waldorfverein, sprich Elternbeiträge der Schule abgewälzt, da sie sich in keinster Weise selbst finanziert!
Später, wenn die Kinder in der Schule sind und der Lehrer auf Elternunterstützung bei Ausflügen und Klassenspielen angewiesen ist, kann er sehen, wo er noch eine Mutter findet, die NICHT berufstätig ist. Oh Wunder, wo kommt das wohl her?
Es ist eine Entwicklung im Gange, die ich nicht gut heiße. Aber auch hier sieht man wieder, wie man sich dem Zwang der Gesellschaft und Politik unterordnet. Zum Wohle des Kindes? Ganz Mensch?
Was würde Rudolf Steiner dazu sagen? Was empfinden diese Eltern, die vor Jahrzehnten die Schule im Sinne der Waldorfpädagogik in ihrer Freizeit errichtet haben?

Claudia Heinrich, Freiburg, 05.06.17 18:06

Wer legt denn in der Pädagogik die Interessen eines Kindes fest? In diesem Artikel wird suggeriert, dass die Waldorfpädagogik genau weiss, was ein Kind braucht. Als Erzieherin kann ich nur sagen: Er macht Eltern wieder ein schlechtes Gewissen. Wer soll denn zu Hause bleiben? Nach Ihrem Bild die Mutter? An den Herd wo sie hingehört???
Ihr Gedankenspiel, nur "bedürftige" Kleinkinder aufzunehmen in Tagesgruppen führt letztendlich zu einer Ausgrenzung dieser Kinder.
Ich möchte allen Müttern Mut machen,die ihre Kinder in einer Tagesstätte betreuen lassen: Keine Erzieherin lässt ein Kind stundenlang weinen!!! Falls es sich nicht trösten lässt,wird immer eine Lösung mit den Eltern gemeinsam gesucht.
Die Kinder machen emotionale und intellektuelle Fortschritte. Gehen gerne hin, erfahren sie da eine Menge Anregungen.
Ich möchte keinen Rückfall mehr in das letzte Jahrhundert!!! Böse Blicke von Waldorfmuttis, weil meine Kinder in der Tagesstätte sind!!! (und deren Kinder liebend gerne bei uns zu Hause spielten und auf die Frage warum antworteten: Mama telefoniert zu Hause den ganzen Tag)
Und übrigens: Qualität in der Erziehung geht vor Quantität. Haben das die Kinder immer zu Hause???

Julia Hirdes, Hamburg, 16.06.17 23:06

Ich behaupte, dieser Artikel kommt gut und gerne mal zehn Jahre zu spät, zumindest aus Hamburger Sicht. Als mein heute 13 jähriger ältester Sohn damals in eine der ersten Hamburger Waldorfkrippen kam, um unter der ausgesprochen liebevollen und kompetenten Betreuung zweier engagierter Erzieherinnen den Vormittag zu verbringen, war das "Krippenthema" noch ein ganz heißes Eisen in jenen (Waldorf-)pädagogischen Diskussionsrunden, zu denen ich durch Studium und Freundeskreis Zugang hatte. Damals als junge Studentin und frischgebackene Absolventin des Hamburger Lehrerseminars ohne familiäres Netz vor Ort kam für mich wenn überhaupt eben gerade diese Waldorfkrippe infrage. Sie ermöglichte mir meinen Studienabschluß, auch wenn ich pünktlich um 14 Uhr auf der Matte stehen musste. Bis dahin hatte mein Sohn nicht alleine neben meinem Schreibtisch mit Klötzen gespielt oder aus dem Fenster geschaut, sondern andere Kinder und Erwachsene getroffen, mit ihnen gespielt, gesungen, frische Luft geschnappt... und wenn ich ihn schließlich abholte, hatte er schon warm, frisch und vollwertig gegessen und in einer kuscheligen Hochbettkoje seinen Mittagsschlaf gemacht. Wenn er mit seinen roten Schlafwangen aus dem Gruppenraum kam, hatte ich ihn zugegebenermaßen schon ein paar Stunden vermisst, aber er machte mir doch einen oft sehr fröhlichen Eindruck! Ich sah diese Kleinkindgruppe mit ihren freundlichen Erzieherinnen als willkommene Bereicherung unseres Familienalltags an. Heute arbeite ich selber als Tagesmutter mit Kindern zwischen ein und vier Jahren und möchte sagen, dass ich hocherfreut war , als der allererste Anruf mit der Frage nach Betreuung von einer jungen Studentin kam. Wie gut konnte ich mich an meine eigene Situation erinnern! Wie gerne wollte ich hier unterstützen! Und dennoch finde ich allgemein, dass es niemandem zusteht, über die Bedürftigkeit des Nächsten zu urteilen oder diese Bedürftigkeit gar anzuzweifeln. Wir haben weder das Recht, unseren moralischen Zeigefinger zu erheben, noch verfügen wir über ausreichende Einsichtsfähigkeit in die privaten Lebensverhältnisse unserer Mitmenschen. Aber solange wir nicht in den entsprechenden Tätigkeitsfeldern arbeiten, dürfen wir von der Grundannahme ausgehen, dass erst einmal alle Eltern versuchen, dass Beste für ihre Kinder zu geben - auch wenn ihr Bestes vielleicht ganz anders aussehen mag als mein Bestes, auch wenn ihre Vorstellungen von einer guten Kindheit etc. so ganz anders sein mögen als meine eigenen. Ich jedenfalls habe mit meiner Kollegin bislang die unterschiedlichsten Mütter und Väter kennengelernt, die Unterstützung in der Betreuung ihres ersten, zweiten oder dritten Kindes wünschten. Nicht alle Mütter haben sich gleich zurück in den Job gestürzt, nicht allen geht es um "Normerfüllung im Sinne einer modernen Familienpolitik". Es gibt auch solche, die mal ein bißchen Luft und Ruhe, eine Pause und Entlastung brauchen von ihrem anspruchsvollen Job als Familienfrau, der aber eben nicht ein nine-to-five-Ding ist, sondern - gerade mit kleinen Kindern - schnell mal ein "Rund-um-die-Uhr-verfügbar" mit sich bringt. Und ja, es kommen sogar Eltern, die es ihren Kindern wünschen, mal unter andere Menschen zu kommen! Und am liebsten würden wir allen einen Platz geben! Den Autorinnen empfehle ich an dieser Stelle übrigens dringend die Lektüre von Anna-Katharina Hahns Roman "Kürzere Tage". Er könnte bei der Selbstreflexion eine treue Stütze werden!

Birgit , 19.06.17 12:06

Liebe Julia, vielen Dank dass du mit deinem Text zeigst, dass es eben Wege im Leben gibt, die man nicht einfach so vorraus planen kann.
Danke für deine Worte!

Dominik , 19.06.17 13:06

Ich glaube es kommt wirklich sehr auf die Qualität der Betreuung an. Grundsätzlich finde ich es sehr schade das so viel Wert darauf gelegt wird das beide Eltern arbeiten gehen. Oder es aus finanziellen Gründen notwendig ist. Wobei ich das nicht so ganz gelten lassen möchte. Wir haben 5 Kinder und wohnen etwas ländlich, kein teures Auto abzubezahlen... So reicht es das meine Frau arbeiten geht. Ich hatte einige meiner Gedanken zu dem Thema auch schon mal aufgeschrieben: https://www.papi-lapapp.de/papas-blog/artikel/bund-und-laender-wollen-kinder-und-arbeit-noch-attraktiver-machen/ Grundsätzlich finde ich es extrem wichtig das ein Elternteil zuhause ist und problemlos und jeder Zeit für die Kinder da sein kann.

Noémi Schrodt, Berlin, 23.06.17 13:06

@Claudia Heinrich: So viele Eltern, so viele Erziehungswege. Die Qualität der elterlichen Erziehung ist immer individuell, ob nun beide Elternteile voll berufstätig sind oder nicht. Bzgl. der von Ihnen gefürchteten Ausgrenzung: Inzwischen ist es so (hier in Berlin jedenfalls), dass diejenigen Kinder "ausgegrenzt" werden, die nicht zum Mittagessen im Kindergarten bleiben/dort schlafen/nachmittags in den Schulhort gehen, weswegen Eltern, die sich eigentlich etwas anderes für ihre Kinder wünschen, z.T. "gezwungen" sind, aus sozialen Gründen ihre Kinder in den Hort zu geben bzw. länger im Kindergarten zu lassen.

@Julia Hirdes: Es geht uns um das Ausmaß der Betreuung, das unserer Wahrnehmung und Erfahrung nach immer größeren Umfang annimmt. Mal ein paar Stunden in Ruhe etwas erledigen, das Kind unter Gleichaltrige bringen - alles nachvollziehbar. Aber es müssen ja nicht gleich 8 Stunden oder mehr sein!?

Claudia Heinrich, Freiburg, 24.06.17 14:06

@Noemi Schrodt: Diese Grundsatzfragen zur Fremdbetreuung sind lange schon geführt. Viele Ihrer Ansichten konnten sich aus vielerlei Gründen nicht durchsetzen.
Wichtig finde ich immer, nicht mit einem erhobenen Zeigefinger andere Eltern belehren zu wollen. Völlig in Ordnung , wenn Sie sich zu diesem Familienmodell entschieden haben. Ich persönlich fand es schon immer traurig, wenn Frauen und Mütter wenig solidarisch sind. Hausfrau vs.berufstätige Mutter sollte längst der Mottenkiste angehören.
Zu Ihrer Aussage der "umgekehrten" Ausgrenzung: Kinder nöchten gerne mit ihren Freunden zusammen sein. Möglichst viele Stunden nach der Schule mit ihnen spielen, Sport machen etc. Das soziale Miteinander in der Schule ist heute ein völlig anderes als noch vor 20 Jahren. Es ist gar nicht mehr so einfach Freunde zu finden. Da bietet die Ganztagesbetreuung u.a. viele Gelegenheiten gemeinsam etwas zu tun.
Als Eltern kann man durchaus mit seinem Kind einen oder zwei Hortfreie Nachmittage in der Woche vereinbaren. Dabei auch flexibel bleiben, sollte gerade an diesem freien Tag im Hort etwas besonderes stattfinden.
Zur modernen Familiensituation in Deutschland und Europa gibt es jede Menge Studien. Das wäre jetzt aber ein neues Thema.....

Noemi Schrodt, Berlin, 05.07.17 08:07

@Claudia Heinrich:
Über die Grundsätze bzgl. der frühkindlichen Fremdbetreuung kann man immer noch sehr geteilter Meinung sein... Es geht nicht um einen erhobenen Zeigefinger gegenüber anders handelnden Eltern, sondern um Wahlfreiheit. Die ist nicht gegeben, wenn mich (oder andere Eltern) finanzielle Nöte zu einer früheren Fremdbetreuung "zwingen", als es meiner Überzeugung entspricht. Da ist die Politik gefragt. Solange durch das nur über ein Jahr gezahlte Elterngeld, welches noch dazu einkommensabhängig ist und somit Besserverdienende bevorzugt, einseitig der frühe Wiedereinstieg in den Beruf gefördert wird, ohne ein entsprechendes Äquivalent auf der anderen Seite anzubieten (ein Betreuungsgeld in annehmbarer, d.h. realistischer Höhe), ist die Wahlfreiheit nicht gegeben. Solange darf und muss die Diskussion also auch noch geführt werden. Danach, wenn es wirklich eine freie Entscheidung sein kann, ist es erst eine reine "Geschmackssache", wie jedes Elternpaar es für sich handhaben möchte.
Ihren Absatz bzgl. kindlicher Freundschaften kann ich nicht nachvollziehen. Ich persönlich denke, es ist wichtig, auch tagsüber viel Rückzugsmöglichkeiten und Ruhe zu haben. Und was Kinder "wollen", dürfte und sollte individuell bleiben... Ein- oder zwei freie Hortnachmittage widersprechen meiner persönlichen Vorstellung eines erfüllten Familienlebens und einer freien Gestaltung der Zeit eines Kindes. Aber das dürfen Sie natürlich anders empfinden und handhaben.

Ein Beispiel aus dieser Woche: Ich habe meinen Sohn für nächstes Jahr (er wird dann drei Jahre alt sein) bei dem nahe gelegenen Waldorfkindergarten anmelden wollen. Was wurde mir gesagt? "Leider haben wir so gut wie keinen freien Platz, da die Krippenkinder nahtlos die Plätze der Kindergartengruppen auffüllen. Wenn Sie Ihr Kind erst mit drei Jahren in den Kindergarten geben, stehen Ihre Chancen auf einen Platz leider gleich Null..."

So viel dazu...

Claudia Heinrich, Freiburg, 05.07.17 20:07

@Noemi Schrodt

Die Situation in Berlin scheint noch prekärer zu sein, als in Freiburg (Schwarzwald) und Umgebung. Da verstehe ich Sie allerdings.
Diese Plattformen hier, eignet sich nicht so gut,für einen ausführlichen Dialog oder eine weiterführende Diskussion.
Als erfahrene Erzieherin und Mutter, übrigens mit den bekannten Arbeitsbedingungen und Bezahlung, könnte ich noch viel dazu sagen.
Besonders die politische Ebene scheint mir wichtig zu diskutieren.....denn es sind in der Regel wir Frauen, die so oder so unter enormen Druck stehen.

Alles Gute für ihre Suche nach einem geeignetem Kindergatenplatz. Da finde ich tatsächlich Vielfalt unter der Elternschaft sehr wichtig.

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