Kinder brauchen eine Erziehung ohne Zwang

Von Thomas Jachmann, Februar 2013

Kai hat im ersten Schuljahr die Schule gewechselt. Seine Lehrer waren mit seinem Verhalten nicht einverstanden und er selber hatte alle Lust und gute Laune zum Lernen verloren. Kai ist gründlich von ärztlicher Seite »durchgecheckt« worden. Man hat bei ihm eine überdurchschnittlich hohe Intelligenz festgestellt. Ein Verdacht auf AD(H)S hat sich nicht bestätigt. Ist er wirklich ein Problemfall?

© Charlotte Fischer

In der neuen Schule fühlt sich Kai viel wohler. Trotz einiger besorgter Einwände von Kollegen: »Das Kind können wir hier nicht unterrichten, es gehört in die Sonderschule«, hat sein Klassenlehrer ihn aufgenommen.

Er weiß, dass es Kai auch in dieser Schule nicht leicht haben wird und dass er sich durch diese Aufnahme nicht nur die Verantwortung für ein besonderes Kind, sondern auch so manches Problem mit den Kollegen aufgeladen hat. Dieser Klassenlehrerkollege ist sich aber ganz sicher: Wenn man Kai ohne Zwang und Strafen erzieht, ihn schätzt und seine besonderen individuellen Fähigkeiten lieben lernt, und wenn man ihn mit Geduld und Verständnis begleitet, dann wird die Schule bei Kais Erziehung Kai helfen können.

Auf Zwang folgt Trotz

Kai reagiert auf jede Form von Zwang – und sei er noch so fürsorglich oder wohlwollend gemeint –, oder auf Strafen mit Angst und Zorn, seelischer Blockade und Verkrampfung bis hin zur völligen Verweigerung desjenigen, was ihm aufgezwungen werden soll.

Bei unbefangener Betrachtung ist er gar kein so besonderes Kind. Er zeigt nur deutlich die typischen Reaktionsmuster der heutigen »anderen« Kinder. Einer erzieherischen Haltung, die letztlich auf Folgsamkeit und Unterordnung anstatt auf Beziehung und Verständnis beruht, begegnet er mit Blockaden. »Gute Gewohnheiten«, wie still und gerade zu stehen oder zu sitzen, auf ein gemeinsames Kommando zu reagieren, unbedingt und widerspruchslos zu gehorchen, nimmt er nur sehr zögernd an. Seine unbedingte Gegenwehr aber provoziert man, wenn man ihm in Lieblosigkeit oder nicht in voller Anerkennung begegnet. Aus Angst vor Autoritätsverlust werden viele Erzieher und Lehrer innerlich starr und versteifen sich – auf ihrem Durchsetzungsanspruch – das ist besonders häufig in Konflikt- oder Grenzsituationen zu beobachten.

Diese Pädagogen wollen gewöhnlich in bester Absicht bei den Schülern »gute Gewohnheiten«, in Bezug auf den Unterrichtsverlauf, die Gesprächskultur oder die Hausaufgaben ausbilden. Solche Führungsansprüche setzen jedoch nach alter Tradition eine unbewusste hierarchische Struktur fort.

Welche Führungsqualitäten zeitgemäß sind

Führungsmerkmale der oben beschriebenen Kategorie gehören zu den schlechten Gewohnheiten eines Lehrers. Sie müssen durch neue, zeitgemäße Qualitäten abgelöst werden. Dazu gehören unbedingte Vorurteilslosigkeit, liebevolles Verständnis für die Schüler, Kreativität, innere Beweglichkeit und Geistesgegenwart, Einfühlungsvermögen und nicht zuletzt eine sachgemäße und fundierte menschenkundliche Schulung.

Es ist nicht leicht, diese Qualitäten im pädagogischen Alltag umzusetzen. Denn die Versuchung ist groß, immer wieder auf die alten, erprobten, wenn auch nur noch notdürftig funktionierenden Führungsqualitäten zurückzugreifen. Aber bei solchen Schülern wie Kai – und es gibt heute sehr viele Kais –, funktionieren diese Gewohnheiten und die aus ihnen entsprungenen Unterrichtsmethoden nicht mehr. Bei anderen scheinen sie noch zu klappen, aber nur mit den unvermeidlichen, angsterzeugenden Nebenwirkungen. Die Ausbildung und Anwendung dieser Führungsqualitäten impliziert eine Haltung, die nicht von der unbedingten Wertschätzung und Anerkennung, sondern letztendlich von Unterwerfung und Anpassung der Schüler ausgeht. Gerade dann zeigt diese Haltung in ihrer Anwendung eine besondere Schärfe, wenn sie eingesetzt wird, um einen ritualisierten Unterrichtsablauf durchzusetzen.

Ritualisierter Unterricht

Wie viele Kinder gibt es heute noch, die aus eigenem Antrieb eine Minute lang mit über der Brust gekreuzten Händen unbeweglich und still stehen wollen, um dann in dieser Haltung einen langen und komplizierten Spruch zu sprechen, der mit anschließender Begrüßungszeremonie abgeschlossen wird. Dieser ritualisierte Beginn eines Unterrichtstages stellt aber nur den Anfang einer Reihe von Ritualen ähnlicher Art dar, die dem Unterrichtsablauf in den Augen der Lehrer die pädagogisch so wertvolle Prägung geben sollen.

Hier noch einige weitere Beispiele für ritualisierte schulische Abläufe, denen ein Zweitklässler begegnet:

Am Schuleingang soll der Schüler am Morgen dem Begrüßungslehrer die Hand geben und ihm dabei in die Augen schauen. Wenn er zur Klassentür kommt, steht dort sein Klassenlehrer und fordert ihn auf, ihn mit der rechten Hand (nicht mit der falschen linken Hand) zu begrüßen. Dabei wird in die Augen des Lehrers geblickt und höflich (wenn möglich auch freudig) gegenseitig »Guten Morgen« gesagt. Kurz danach zum Unterrichts­beginn wird wiederum aufgestanden und es werden in würdiger Ruhe im Chor Kinder und Lehrer begrüßt. Am Ende der Stunde stehen die Schüler wiederum eine kleine Weile in möglichst absoluter Ruhe gerade und still, in vielen Fällen die Hände über der Brust gekreuzt, und verabschieden nach einem sinnvollen Spruch den Lehrer. Danach sollten sie nach ritualisierter Ordnung ihre Schultaschen ablegen, die Hausschuhe versorgen, ihre Straßenschuhe mitnehmen und dann geordnet die Klasse verlassen.

Kai hat an diesem Tag nach der großen Pause Musikunterricht. Am Ende der Pause soll er sich, in Zweierreihe seinen Mitschüler an der Hand fassend, leise durch die verschiedenen Flure in seine Klasse begeben. Zu Beginn des Musikunterrichtes wird erst einmal eine kleine Weile stillgestanden oder gesessen, dann folgt der obligatorische Begrüßungsritus. Am Ende des Musikunterrichtes folgt wiederum eine Schweigeminute und der Verabschiedungsritus.

Nun gibt es Handarbeit. Zum Beginn der Stunde wird wieder eine Zeit lang still gestanden, dann kommt der Begrüßungsritus und ein gemeinsam gesprochener Spruch zur Einstimmung. Nach getaner Handarbeit wird am Ende der Stunde wieder stillgestanden, dann folgen Spruch und Abschied. Kai hat an diesem Tag seine Lehrer fünf Mal in verschiedenen Formen begrüßt, stillgestanden und mit Spruch verabschiedet.

Solche Schüler gibt es nicht mehr

Kai und viele andere Kinder können das alles nicht mehr! Nirgendwo in ihrer Umgebung haben die meisten von ihnen Ähnliches gesehen, erlebt oder geübt. Diese Formen und Riten sind in unserer Gesellschaft nur noch innerhalb religiöser Gemeinschaften zu finden. Sie sind fast gänzlich ausgestorben und haben längst jeglichen Boden in unserer Kultur verloren. Um solche ritualisierten Unterrichtsabläufe mit innerer Anteilnahme, einem gewissen Verständnis und aus freiem Willen mitmachen zu können, dazu gehört eine im weitesten Sinne religiöse Erziehung, die aber heute kaum noch anzutreffen ist.

Kais neuer Klassenlehrer unterrichtet seine Klasse meist bis 12 Uhr und bietet seinen Schülern verschiedene pädagogische Freiräume an. Jeden Morgen gibt es eine ausführliche Spielzeit, es gibt eine Spielecke für notwendige Auszeiten und vieles mehr. Am Waldtag einmal in der Woche dürfen die Schüler zu jeder Jahreszeit im Wald und auf den Wiesen bauen und spielen. Der wichtigste Freiraum ist jedoch die Haltung des Lehrers, seine zugewandte Geduld und nicht zuletzt seine Lebenslust und sein Humor.

Alte Zöpfe gehören abgeschnitten

Dass die Kinder, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, gesagt bekommen wollen, wo es lang geht, dass sie geführt werden wollen, diese Ansicht bedeutet einen pädagogischen Freibrief, traditionelle, ja auch unsinnige Führungsqualitäten in der Klasse anzuwenden. Der Lehrer geht dabei davon aus, dass er genau weiß, wer sein Schüler ist, was gut für ihn ist und dass der Schüler im Zweifelsfalle immer das Schlechteste für sich wählt. Deshalb muss der Lehrer sich gegenüber dem Schüler in jedem Fall und zu seinem Heil und Besten mit seinen Ansprüchen und Anforderungen durchsetzen. Der Führungsanspruch des Lehrers wird dabei mit einem Belohnungs- und Maßregelsystem durchgesetzt. Belohnung und Strafe beginnen schon in der ersten Klasse mit einem ausgeklügelten System von an die Tafel gemalten bunten Sternchen bis zu dem immer noch gängigen »Vor die Türe setzen« und – last but not least – dem Weiterweisen des schwierigen Schülers an eine andere Schule.

Selbsterziehung statt Erziehung

Die Menschenkunde als Mittelpunkt und Grundlage der Waldorfpädagogik lädt jeden Pädagogen dazu ein, seine »Selbstführungsqualitäten« zu entwickeln auf seinem Weg zur Selbsterziehung. Der Satz: Kinder möchten gesagt bekommen, wo es lang geht, stellt eine bequeme Verfälschung der menschenkundlichen Tatsache dar, dass Kinder in Liebe einer von ihnen anerkannten Persönlichkeit nachstreben wollen, einer Persönlichkeit, die durch ihre Kraft zur Selbsterziehung zu einer Autorität geworden ist.

Diese Nachfolge kann aber nicht durch Zwang oder Strafe erreicht werden, auch wenn sie noch so verschleiert oder in bester Absicht angewendet werden.

Zum Autor: Thomas Jachmann, Jahrgang 1951, Staatsexamen in Biologie, Geschichte und Philosophie an der Universität Köln, während des Studiums ab 1974 aushilfsweise Unterricht als Fach- und Klassenlehrer an der Christian-Morgenstern-Schule in Wuppertal und in Essen. Ausbildung zum Klassenlehrer im Abendkurs in Herne. Seit 1980 Klassenlehrer. Ab 1981 auch Unterricht als Lehrer für den freien christlichen Religionsunterricht.

Kommentare

Alexandra Boos, reutlingen, 17.02.13 18:02

Lieber Herr Jachmann,
ich finde Ihren Artikel und Weg sehr mutig. Als ehemalige Klassenlehrerin und Mutter von 4 Söhnen, stimme ich Ihnen zu, dass eine zeitgemäße Erziehung mehr die Bedürfnisse der Kinder in den Blick nehmen muss und die Selbsterziehung der Lehrer dabei eine noch größere Bedeutung zu kommt. Ich nenne das gerne "Mehr darauf schauen, was bei den Kindern ist, als wie es aus meiner Sicht sein sollte". Ein Weg der Mut und Liebe braucht!
Wobei ich nicht ganz zustimme, ist ihre Schilderung zu den Ritualen. Meine Erfahrung ist, dass Rituale den Kindern sehr viel Sicherheit, Orientierung und Geborgenheit geben können. -Das Mittelmaß vorrausgesetzt.
ich möchte auch erwähnen, dass die Gewaltfreie Kommunikation mir ein sehr wichtiges Modell zur Selbstreflexion und Selbsterziehung war. So sehr, dass ich mich nun in der Erwachsenenbildung betätige.
Herzliche Grüße mit allen guten Wünschen!Alexandra Boos

Thomas Jachmann, Königsfeld, 23.02.13 15:02

Liebe Frau Boos,
In ihrem Kommentar möchte ich mich auf die Stelle beziehen:
"Meine Erfahrung ist, dass Rituale den Kindern sehr viel Sicherheit, Orientierung und Geborgenheit geben können. -Das Mittelmaß vorrausgesetzt."
Ich teile diese Einstellung aus meiner Erfahrung heraus vollkommen mit Ihnen.
Die Entwicklung der Kinder und Lehrer in den letzten 30 Jahren bezüglich der inneren Verbundenheit mit Ritualen und ihrer Aufnahme, wie sie angefangen vom Morgenspruch bis hin in ihrer bedeutungsvollsten Ausprägung durch die drei Schulhandlungen in der Waldorfschule gelebt werden,hat mir aber eindeutig gezeigt,dass beides, die innere Verbundenheit der Lehrer mit diesen Inhalten und die Möglichkeit der Kinder zu einer gemüthaften Aufnahme dieser Inhalte und Formen drastisch zurückgegangen sind.
Wenn weder der Lehrer noch die Schüler mit diesen Dingen noch etwas rechtes anfangen können, dann werden diese an sich wunderbaren Unterrichtsteile im schlimmsten Fall zu einer Zwangsvorstellung für die Schüler und zu einem sinnlosen Domtierakt seitens der Lehrer, der für beide Teile belastend und pädagogisch unfruchtbar und destruktiv sich auswirkt.

Mit herzlichen Grüssen

Thomas Jachmann

Alexandra Boos, Reutlingen, 27.02.13 18:02

Lieber Herr Jachmann,
danke für Ihre weitere Darstellung. da stimme ich Ihnen ganz und gar zu.

Alles Gute!
Alexandra Boos

Oliver Schmitt, 23.03.13 22:03

Mich interessiert die Frage, wie neue Zöpfe nachwachsen können.

Den Beobachtungen von Thomas stimme ich im Grunde zu und ich möchte sie hier noch ergänzen mit folgenden Beobachtungen:

Als ich mit 13 solcher Ritualverweigerer, 5. Kl., (bis hin zu gänzlichen Schulverweigerern) als Lehrer im Bereich Erziehungshilfe der Frage nachging, wo denn ihre Freiwilligkeit zu finden sei, durfte ich folgendes erleben: Ich verbrachte mit ihnen über 2 Wochen, ohne Stundenplan, mit nur minimalem „Programm“ in der Natur. Da, wo sie innerlich aus dem, Beschulungsystem ausgesstiegen sind, nämlich meist im Kindergarten schon oder davor, konnten sie allmählich wieder ansetzten, ihren ureigensten Antrieben und Impulsen nachgehen und ganz darein eintauchen bis sie durchlebt waren. Mit grundlegenden Sinneserfahrungen an den Elementen Feuer, Wasser, Erde, Luft im „Freispiel“. Sie spielten tagelang mit Feuer, im Sandkasten und am Bach, bereiteten selbst ihre Mahlzeiten zu, errichteten ein Zeltlager, kletterten auf Bäume, machten Mutproben. Die Kinder kamen allmählich zu sich. Sie zeigten sich interessiert, voller Fragen und lernbegierig, hörten auf zu motzen und zu jammern, durchlebten manche sozialen Konflikte bis sie ganz durchgemacht waren und zuletzt vom Winde verweht waren, ohne Zeitdruck. Sie nahmen in der Folge Rituale und Sprüche und Spiele mir deutlich weniger Widerstand auf, kamen in die Lage ,sich gegenseitig zuzuhören, Gespräche zu führen, die in der Schule nie stattgefunden hätten und sangen sogar spontan freiwillig Lieder. Zurück in der Schule verschwand das alles wieder nach wenigen Tagen.

Was liegt also vor? Ein Stück verschüttete Kindheit kam ans Licht.

Systematisch wurde in den letzten Jahrzehnten an dem Ersticken der Kindheit gearbeitet. Wenn Steiner noch vom vom Atmen-Lernen in Bezug auf den pädagogischen Tagesrhythmus sprach, so sind wir heute davon weiter denn je entfernt. Nicht wegen der Schulpädagogik, sondern weil die wirkliche Freizeit der Kinder durch Nachhilfe, Doppelverdiener, Ganztagsschule, Hochleistungs-Hobbys und sonstigen Erwartungen der Erwachsenen von der Straße in die virtuelle Welt geflohen ist. Langeweile als Vorbereitungsraum für Initiative ist heute geradezu ausgelöscht. Spielkonsole das geringere Übel. Wo begegnet man heute noch selbstbestimmt draußen spielenden Kindern? Selbstbestimmte Pfadfinder, die nicht von irgend einer Organisation unterwandert sind? Selbst die Spielplätze sind wie leergefegt.

Weiter zugespitzt gedacht scheint die Aufgabe der Schule sich geradezu umzustülpen, wenn Bildung überhaupt noch auf fruchtbaren Boden treffen soll: Die Schule der Zukunft wird den Kindern vormittags Freiräume für freie Langeweile und freie Initiative erkämpfen, um die Kinder für die nachmittägliche Nachhilfe und den Familienstress zu wappnen. Dann käme wenigstens überhaupt wieder ein Ausatmen zustande.

Julia Schäfauer, 11.04.13 23:04

Ich danke Ihnen vom ganzem Herzen, einmal das ausgesprochen zu haben, was ich schon seit langem in mir herumtrage; teilweise sogar noch aus meiner eigenen Schulzeit. Ich habe eigentlich erwartet, dass sich seit meiner Schulzeit und der der Schulzeit meiner Kinder so einiges geändert haben müßte und stelle fest, das wenig geschehen ist. Ich beschäftige mich schon seit langem im pädagogischen Bereich (nicht Waldorf), wo es um viel Achtsamkeit und respektvollem Umgang geht, und muß mit Schrecken feststellen, dass ich das oftmals an unserer Waldorfschule nicht finde. Wo ist die verständnisvolle Erziehung des Herzens? Das Sehen der individuellen Belange und Interessen der Kinder?? Es tut mir manchmal schon körperlich weh, dass es die Praxis des (strafenden) Hinstellens und Vor-die-Türe-setzens (in der ersten Klasse!!! und weiteren) und Beurteilungen durch gewisse "Sternchen"-Methoden noch gibt. Wo sind die Menschen, die all die schöne Theorie der Waldorfpädagogik (die ich oft in der Erziehungskunst lese) in die Tat umsetzen? Und die endlich mal anfangen sich selbst zu reflektieren, anstatt die Schuld in der Veränderung der Kindheit zu suchen. Habt doch einfach mehr Mut in einer den Kindern adäquaten Umsetzung der Waldofpädagogik-die Zeit ist mehr als reif dafür!!!!

Caroline Dr. Sommerfeld-Lethen, Wien, 10.06.13 15:06

Die Last der Rituale ist m.E. nicht das Kernproblem, sondern allenfalls ein Symptom eines Paradigmenwechsels: die Kinder wollen authentische Beziehung statt konventioneller Erziehung! Wenn die Beziehung trägt, wird Nachahmung, Ritual und äußere Form (selbst so selbstverständliche - und nicht quasi-religiöse - Form wie im Schreiben, Singen oder Kreisspiel) überhaupt erst möglich. Wenn die Beziehung nicht tragfähig ist, machen die Kinder nicht mit, provozieren oder stellen alles in Frage, was der Lehrer tun möchte mit der Klasse.
Wie also eine Beziehung aufbauen? An der Stelle ist Jesper Juul ein wunderbarer Autor für WaldorfpädagogInnen: versucht, mit den Kindern darüber zu sprechen, was Euch wirklich wichtig ist, wo Eure persönlichen Grenzen liegen, gesteht ein, was Euch anscheinend nicht gelungen ist. Hängt nicht an Methoden, Konsequenzen, Vereinbarungen usw., sondern sprecht von Euch selbst. Wahrscheinlich reagieren die "Kais" irritiert, motzen und jammern, aber sie gewinnen etwas zurück: Achtung vor dem Lehrer!
(Lehrerinnen auch immer mit gemeint)

Franka Heinrichs, 17.10.14 23:10

Ich bin dankbar diesen Bericht gefunden zu haben. Unser Kind geht in einen Waldorfkindergarten und ich bin doch oft sehr erchrocken über die Methoden der Erziehung. Kinder werden in extra Räumen (Nebenräume, WC) isoliert wenn sie sich nicht nicht so verhalten wie die Erzieher es sich wünschen. Es gibt den stillen Stuhl, Kinder werden vom Gemeinschaftsessen ausgeschlossen und an extra Tische gesetzt und vieles mehr. Ich fühle mich ohnmächtig. Ich habe mir eine Zukunft in der Waldorfschule für unser Kind gewünscht. Jetzt kommen doch immer mehr Zweifel und Ängste auf. Ich kann sie nur bitten einen aktuellen Bericht über das Stafen in ihrer Zeitschrift "Erziehungskunst" aufzunehmen. Das Isolieren von Kindern gefähret die Beziehung zwischen Kind und Erzieher enorm und kann große seelische Schäden verursachen. Solche "wohlgemeinten" Strafen müssen untersagt werden. Es ist nicht die veränderte Kindheit von heute die Probleme bereitet. Die Erzieher müssen neue Wege suchen und sich auf die Kindheit heute einstellen. Gehorsamkeitserziehung sollte der Vergangenheit angehören. Das Thema ist leider immer noch aktuell, leider auch in der Waldorfpädagogik!

Kommentar hinzufügen


* Diese Felder müssen ausgefüllt werden.