Ohne Elementarwesen läuft nichts!

Von Thomas Mayer, April 2011

Kinder erleben die Welt nicht als materielle Gegenstandswelt wie wir Erwachsene, sondern als eine Kräfte- und Gefühlswelt. Alles ist belebt und beseelt. Selbstverständlich spielen sie mit Elementarwesen, manchmal sprechen sie auch mit ihnen. Deshalb ist die Kinderzeit so intensiv, reich und herrlich. Eine Blume oder ein Stein ist so beglückend, da die Blumenelfe oder der Steingnom mit dem Kinderherzen spricht. Eine Ecke im Garten ist so heimelig, weil dort eine vergnügte Zwergengruppe den Tag gut sein lässt. Auch die Seelen von uns Erwachsenen sind von Elementarwesen durchzogen.

Die meisten erwachsenen Menschen meinen, sie würden keine Elementarwesen erleben. Sie irren, denn sie nehmen die Erlebnisse nur nicht ernst oder interpretieren sie weg. An jedem Ort kann man nicht nur etwas sehen, hören und riechen, sondern immer auch etwas fühlen. Die ganze Welt ist von einer differenzierten Gefühlsschicht durchzogen. Ein Ort fühlt sich zum Beispiel frei oder verklemmt an, ruhig oder hektisch, umhüllend oder ausgesetzt, weisheitsvoll oder platt, belebt oder ausgestorben. Das materialistische Zeit­alter hat uns eingeimpft, dass diese Gefühle nur Reaktionen der Seele auf eine an sich bestehende physische Welt seien und nicht zur Welt selbst gehörten.

Einer genauen Überprüfung hält diese Annahme nicht stand. Nur ein Teil unserer Gefühle sind subjektive Reak­tionen, zum Beispiel wenn eigene Absichten und Wünsche im Spiel sind. Deshalb können in zwischenmenschlichen Konflikten Gefühlswelten aufeinanderprallen.

Wenn man aber etwas fühlt, was einem persönlich egal ist, dann wird unsere Seele zur Bühne der Gefühle der Welt, wir fühlen objektiv. Wir können über solche Gefühlseindrücke mit anderen Menschen genauso sprechen wie über Sinneseindrücke, wir befinden uns in einer gemeinsamen Welt. Wenn wir eine Eiche wahrnehmen, sind wir uns mit jedem einig, dass es einen braunen Stamm und grüne Blätter gibt. Genauso war ich mir in den letzten Jahren in hunderten Gesprächen mit allen einig, dass man sich mit der Eiche ge­erdet, in einer Form gehalten und im Willen gestärkt empfindet. Eine Birke löst gegenteilige Erlebnisse aus, ich fühle mich schwirrend, tanzend im Umkreis mit einer dünnen Aufrichtekraft im Zentrum – das erlebt jede und jeder, denn es gibt eine objektive Gefühlswelt. Die Gefühle der Welt gehören der Welt und nicht uns! 

Selbstbezogene und weltbezogene Gefühle 

Unsere Seele ist zwischen Selbst- und Weltbezug eingespannt. Rudolf Steiner gliedert in seinem Buch »Theosophie« die Seelenwelt in sieben Regionen, die vier unteren sind subjektiv, die drei oberen sind objektiv.

Steiner ordnet den Regionen von unten nach oben folgende Erlebnisse zu: die »Begierdenglut«, »fließende Reizbarkeit«, »Wunschstoff­lichkeit«, »Lust und Unlust«, »Seelenlicht«, »tätige Seelenkraft« und »eigentliches Seelenleben«. Wer seine Seele nur in den unteren Regionen hält, will von der Welt egoistisch Besitz ergreifen. Ihn interessiert nur, ob sie ihm gefällt und nützlich ist. In den drei oberen Regionen öffnet sich die Seele der Welt und nimmt empathisch Anteil.

Erst die Unterscheidung zwischen selbstbezogenen und weltbezogenen Gefühlen ermöglicht ein Verständnis der Elementarwesen, denn diese sind die Träger der Gefühle der Welt. Wer denkt, dass alle Gefühle subjektiv sind, kann mit Elementarwesen nichts anfangen und wird es als Phantasterei abtun, wenn jemand von Gnomen und Nixen spricht. Ich begegne diesen täglich. Es sind feine innere Erlebnisse, doch sie sind für mich so evident wie das Erleben der physischen Welt. Diese Erlebnisse haben sich mir durch eine langjährige Meditationspraxis eröffnet. Weiter ausbilden konnte ich diese Wahrnehmungsart dadurch, dass ich im Rahmen von Kursen zur anthroposophischen Medi­tation jedes Jahr viele Führungen zur Wahrnehmung örtlicher Elementarwesen leitete. 

Elementarwesen sind überall 

Es gibt keinen Flecken auf dieser Erde ohne Elementar­wesen. Kleine arbeitsame Wesen sind überall, in der Naturwissenschaft nennt man sie abstrakt »Naturkräfte«. Größere leitende Elementarwesen tragen die besondere Stimmung eines Ortes. Freie und gesunde Orte sind überfüllt mit wohlernährten Wesen, belastete und kranke Orte haben nur eine gestresste Notbesatzung.

Jeder kennt unwirtliche Bereiche, die einem das Herz zusammenziehen, es gibt in jeder Stadt aber auch Ecken mit entspannter und seelenerfüllter Stimmung. Jeder kennt perfekt eingerichtete und geschmückte Wohnungen, dennoch ist die Atmosphäre kalt und man fühlt sich gar nicht wohl. Andererseits gibt es zusammengestückelte Wohnungen, die sind so gemütlich, dass man gar nicht bemerkt, wie dreckig es ist. Die Gefühlsebene einer Wohnung passt mit der physischen Realität oft nicht zusammen. Warum? Menschen mit Liebe und Herz ziehen Elementarwesen an, kühle Menschen, die griesgrämig ihre Pflicht erfüllen, vertreiben sie.

Die Naturwesen sind hierarchisch geordnet. Zum Beispiel arbeiten im Wurzelraum jedes Baumes tausende kleiner Gnome, die ihn nach oben treiben. Die erfrischende Lebenskraft in den Trieben und Blättern kommt von kleinen Wasserwesen. Ohne Feuerwesen gäbe es keine Früchte und kleine Luftwesen umhüllen und umschwirren den Baum und ziehen ihn gleichsam hoch und breit. Diese fleißigen Arbeiter werden durch mittelgroße Elementarwesen angeleitet. Darüber steht der Faun, das Wesen des Baumes, der diesen Organismus aus Elementarwesen zusammenhält und mit der Umgebung verbindet.

Faune sind sehr kommunikationsfreudig, deshalb haben so viele Menschen eine enge Beziehung zu Bäumen. Über dem Faun stehen leitende regionale Baumwesen und über diesen thront Pan, der König der Naturwesen, der von kleinen Elementarwesen wie ein beschützender und gütiger Gott verehrt wird. In ihrem Inneren fühlen sich die Naturwesen von den Engelshierarchien erfüllt, die in der Naturwissenschaft abstrakt »Naturgesetze« genannt werden. Deshalb sind die Naturwesen immer mit dem Weltenganzen verbunden und agieren immer in Harmonie mit der Welt. Das ist der große Unterschied zu uns Menschen. Wir haben den Kontakt zum Weltenganzen verloren, sind frei und können manchmal sehr unharmonisch sein.

Leitende Elementarwesen sind für die Kommunikation am Besten geeignet, da sie sich mit den Eigenarten von uns Menschen beschäftigt haben und sich deshalb besser verständlich machen können. Auch sind sie nicht nur an ihrer speziellen Aufgabe interessiert, sondern auch an weltweiten Fragen, sozialen Prozessen und Menschenschicksalen. Mit einem älteren Baumfaun kann man alles »besprechen«, auch die Probleme bei der Arbeit oder in der Ehe. Er freut sich, von uns einbezogen zu werden! Ich habe »besprechen« in Anführungsstriche gesetzt, denn es ist normalerweise kein Gespräch in Worten, sondern ein Austausch in Gefühlen, Gesten und inneren Bildern. Ich kann nur empfehlen, es einfach einmal auszuprobieren. Nur durch wiederholte Übung und feine innere Beobachtung kann man allmählich unterscheiden, was vom Faun kommt und was von einem selbst.

Elementarwesen werden empfunden 

Viele Menschen erwarten, Elementarwesen zu »sehen«, und sind enttäuscht, dass sie nichts »sehen«. Sie achten deshalb nicht mehr auf ihre Empfindungen und blockieren sich so selbst. Gemalte oder gefilzte Zwerge und Feen treffen oft die Stimmung und ätherische Gestalt eines Elementarwesens sehr genau. Dennoch sieht ein echter Gnom niemals wie ein gemalter Gnom aus, denn er hat gar keine physische Gestalt, sondern eine ätherische Bewegungsform und eine astrale Stimmung. Man könnte ihn genauso mit einem Musikstück, einem Tanz oder einer mathematischen Formel abbilden. Bei einem gemalten Bild geht es um das Gefühl, das es erzeugt. Ein echter Gnom sieht zwar nicht so aus, wie der gemalte Gnom, fühlt sich aber so an. Dennoch halte ich es für entscheidend, sich von der Vorstellung zu trennen, man müsse Elementarwesen »sehen«. Nur ein geringer Anteil aller übersinnlichen Wahrnehmungen tritt in passenden bildlichen Imaginationen auf. 

Zu Besuch bei Elementarwesen in Susannes Wohnung 

Gestern war ich bei Susanne, sie wollte einige Wesen ihrer Wohnung kennenlernen. Ich zeigte ihr im Esszimmer neben der Küchenzeile das Wohnungswesen, das man in einem Durchmesser von etwa siebzig Zentimeter und einer Höhe von etwa 1,50 Meter erleben konnte. Sie stellte sich hinein und fühlte sich geerdet, mit seelischer Wärme durchströmt und konnte sich in der Vorstellung gut in alle Zimmer ausbreiten. Ich bat sie, zwei Schritte weiterzugehen und zu vergleichen. All die Erlebnisse waren weg, der Vergleichsort fühlte sich seelisch leerer an – dort ist eben kein besonderes Elementarwesen. Das Wohnungswesen koordiniert alle Elementarwesen der Wohnung, lebt sehr stark das soziale Leben der Menschen mit und ist deshalb ein geeigneter Ansprechpartner. Deshalb bat ich Susanne, das Wohnungswesen einmal direkt anzusprechen. Sie meinte, sie könne das nicht. Ich sagte: »Du musst es einfach tun und das Wohnungswesen ernst nehmen.« Sie versuchte es und sagte: »Ich habe den Eindruck, dass ich mich erst mit dem Wesen noch mehr anfreunden muss, bevor eine differenziertere Kommunikation möglich ist.« Doch das war schon das erste Gespräch mit dem Wohnungswesen! Susanne tastete dann noch mit den Händen das Wesen, das sich dichter und pelziger anfühlte als die Umgebung.

Ich suchte weiter. In einer Ecke des Esszimmers saß ein Zwerg. Dieser war sehr fest geformt, etwa einen halben Meter hoch, darüber wurde es sehr licht, weit und weise. Schnell begriff ich, dieser Zwerg ist viel schlauer als ich, er besitzt Weltenweisheit. Dieser Zwerg hat keine spezielle Aufgabe in der Wohnung, sondern ist ein direkter Begleiter von Susanne und lebt in ihrer Aura. Sie bekommt durch ihn einen intuitiven Überblick und kann mit seiner Hilfe zum Beispiel bei Beratungen die Biographie eines Menschen schnell überschauen. Ich ging weiter in das Wohnzimmer. Vor dem Fenster fand ich einen größeren Bereich voller Bewegung und träumender und leicht melancholischer Weisheit: das Wasserwesen der Wohnung. Im Flur zwischen WC und Bad entspannt sich das Herz und wird zufrieden, eine sehr feine Stimmung. Ich bat Susanne, an etwas zu denken, über das sie sich sehr gut ärgern kann. Doch es wollte ihr nicht gelingen. Sie kam in den Ärger nicht hinein. Denn dieses Elementarwesen hat eine harmonisierende, erlösende Wirkung und verwandelt Wut in Verständnis.

Es gibt heute an jedem Ort nicht nur Erdwesen, Wasserwesen, Feuerwesen und Luftwesen, sondern überall noch eine fünfte Art: die Christus-Elementarwesen. In der Wohnung von Susanne wird man von einem solchen gleich im Flur empfangen. Diese Christuselementarwesen setzen vor Ort das um, was Rudolf Steiner die »Erscheinung des Christus in der Ätherwelt« genannt hat. Doch ich habe keinen Platz, um mehr darüber zu schreiben, oder darüber, wie unser Seelenleben und Karma aus Elementarwesen gebildet wird oder wie es den Wesen in technischen Geräten geht oder wie wir dem Körperelementarwesen bei der Heilung helfen können. Deshalb kann ich nur ermuntern, sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen. An jeder Ecke des Lebens arbeiten Elementarwesen mit. Ohne sie läuft nichts! 

Zum Autor: Thomas Mayer bietet zusammen mit Agnes Hardorp Seminare und Schulungen in anthroposophischer Meditation an. 

Links: www.anthroposophische-meditation.de und www.geistesforschung.org 

Literatur:

Thomas Mayer: Rettet die Elementarwesen, Saarbrücken 2008
ders.: Zusammenarbeit mit Elementarwesen – 13 Gespräche mit Praktikern, Saarbrücken 2010
ders./H.J. Aderhold (Hrsg.): Erlebnis Erdwandlung – Berichte und Texte einer Zeitzeugenschaft, Borchen 2008