Pocke, Krabbe & Co. Ökologiepraktikum auf der Hallig Hooge

Von Catharina Hauri, Svante Lau, Juli 2014

Das Ökologiepraktikum der 11. Klasse der Waldorfschule Schopfheim findet traditionellerweise auf der Hallig Hooge im nordfriesischen Wattenmeer statt. Hier lernen die Schüler eine völlig andere Flora und Fauna kennen. Sie untersuchen Salzwiesen, zählen den Tierbestand im Watt und bestimmen Kleinlebewesen unter dem Mikroskop. Ein Ökosystem mit seinen natürlichen Kreisläufen wird durchleuchtet.

Eine Hallig ist nicht nur ein Ort, an dem man eine komplett neue Umwelt kennenlernen kann, sondern auch der perfekte Ort, um dem Alltag zu entfliehen und in eine neue Welt einzutauchen. Außergewöhnliche Erlebnisse gehören hier dazu: sei es eine Schlammschlacht, nur mit Unterhosen bekleidet, ein romantischer Sonnenuntergang oder ein abendliches Lagerfeuer. Für alle ist diese Woche immer ein ganz besonderes Erlebnis.

Man muss sich eine Hallig als ein grünes flaches Stück Land vorstellen, auf dem vereinzelt auf Hügeln, den »Warften«, Häuser stehen. Rundum grüne Wiesen und fast keine Bäume. Eine Hallig wird leicht mit einer Insel verwechselt, hat aber im Gegensatz zu ihr keinen festen Gesteinskern. Sie ist lediglich eine große Ansammlung von Schlamm und Schlick. Durch Dämme wird und wurde immer weiter versucht, am Ufer noch mehr Schlamm anzusammeln, um so das Land zu vergrößern. Aufgrund der extrem flachen Landschaft sind die Halligen der Gefahr von Fluten ausgesetzt, weshalb die Häuser auf kleinen Hügeln platziert sind. Mit dem Fahrrad ist es ein Leichtes, die oft sehr kleinen Halligen mal schnell zu umrunden. Eine der wichtigsten Besonderheiten der Halligen ist, dass ihr Ökosystem seinen Wasserbedarf nur mit Salzwasser decken kann. Die Pflanzen und Tiere sind gezwungen, sich daran anzupassen.

Mit Mikroskopen der Salzwiese auf der Spur

Mit Mikroskopen, Ferngläsern, Bleistiften und Papier ausgerüstet war es unsere Aufgabe, dieses besondere Ökosystem zu erschließen. Wir arbeiteten uns von der Mitte der Hallig bis zum Watt vor. Deshalb war unser erstes Ziel die Salzwiese. Wir teilten uns in gleich große Teams auf und begannen die Besonderheiten der Salzwiese zu erforschen. Als Erstes nahmen wir uns die Pflanzen vor. Wir suchten uns je drei verschiedene Pflanzenarten aus, die wir häufig finden konnten, und beschrieben ihr Aussehen, ohne zu wissen, um welche Pflanze es sich handelte. Wichtig zu beobachten war zum Beispiel, wie nah die Pflanzen bei einander wachsen, ihre Größe, die Beschaffenheit der Blüten und ob sie eher in Wattnähe oder im Halliginneren wachsen. Am Ende der Gruppenarbeit stellten wir uns gegenseitig die gefundenen Pflanzen vor und erfuhren dann auch ihre wissenschaftlichen Namen. Anschließend war es unsere Aufgabe, einen eigenen Bestimmungsschlüssel zu entwerfen. Nachdem wir lange die Salzwiese erforscht hatten, war es an der Zeit, mit dem Theorieunterricht zu beginnen. Wir lernten einiges über die Ökologie der Salzwiese.

Ökologie ist die Lehre von den Wechselwirkungen der Lebewesen mit der belebten und unbelebten Umwelt. Die Umwelt fasst alle Faktoren, die auf ein Lebewesen einwirken, zusammen. Von den Faktoren – man nennt sie auch Ökofaktoren – gibt es zwei verschiedene Arten: die biotischen Faktoren, also die belebte Umwelt mit Pflanzen, Menschen, Tieren und Bakterien, und die abiotischen Faktoren, das heißt den umgebenden Lebensraum mit Meer oder Watt und das Klima. Das Besondere an der Salzwiese ist ihr salziger Untergrund, auf dem die Pflanzen wachsen müssen, und die immer wiederkehrende Flut, die ihnen das Leben erschwert. Das Problem mit Salz ist, dass es den Pflanzen das Wasser aus Wurzeln und Blättern zieht. Also muss jede Pflanze ein System entwickeln, mit dem sie das Salz aus dem Wasser herausfiltern kann.

Das Watt bietet Vielen ein Zuhause

Das zweite Gebiet, das es zu untersuchen galt, war das Watt. Zuerst war es an uns, bei einem Spaziergang unsere ersten Erfahrungen mit dem Watt zu machen. Als es zur genauen Untersuchung ging, teilten wir uns wieder in Gruppen auf. Jede Gruppe sollte nun einen Abschnitt von einem Quadratmeter genau erforschen.

Während dieser Arbeit fanden wir unzählige Lebewesen, die wir vorsichtig sammelten, um sie später untersuchen zu können. Die häufigsten Lebewesen waren der Wattwurm, die Seepocke, die Strandkrabbe, der Seeringelwurm und der Bäumchenwurm. Jede dieser Tierarten lebt in unterschiedlichen Schichten, aus denen das Watt besteht. Die oberste Schicht des Wattes ist die Oxidationsschicht, danach folgt die sauerstoffarme Reduktionsschicht. In ihr bilden sich Schwefelwasserstoff und Eisensulfid. Sie ist daher sehr lebensfeindlich. Jede Schicht bildet einen Lebensraum mit Vor- und Nachteilen. Vorteile können die geregelten Temperaturen in der Tiefe des Watts sein, oder auch, dass tiefer eingegrabene Lebewesen weniger Fressfeinden ausgesetzt sind. Die Tiere, die an der Wattoberfläche leben, dienen den Jägern als Nahrung und sind so größeren Gefahren ausgesetzt. Besonders gut kann man die Angepasstheit der Räuber (meist Vögel) an den jeweiligen Lebensraum ihrer Beute an der Form der Schnäbel erkennen. Mit einer sehr langen Wattwanderung beendeten wir dieses Themengebiet. Die Wattwanderung führte uns bis zu geschützten Sandbänken, auf denen man sogar Seerobben sehen konnte.

Vögel zu beobachten, erfordert Geduld

Nachdem wir erfolgreich Salzwiese und Watt erforscht hatten, war nun der Luftraum an der Reihe. Mit Ferngläsern, Stift und Block machten wir uns an die Vogelbeobachtung. Um dem Ganzen mit etwas System zu begegnen, bekam jede Gruppe ein Gebiet der Hallig zugeteilt und eine Liste mit den im Wattenmeer lebenden Vögeln. Sobald man einen Vogel gesichtet hatte, wurde er genauer beobachtet, um herauszufinden, um was für eine Art es sich handelte. Vögel beobachten scheint auf den ersten Blick ein ganz angenehmes Hobby zu sein, doch nachdem man es einmal praktiziert hat, merkt man, wie viel Geduld und genaue Beobachtungsgabe notwendig ist. Manchmal mussten wir einige Zeit an einem Platz ausharren, in der Hoffnung, dass der eben gesichtete Vogel nochmals auftaucht. Oftmals hatten wir Glück und konnten fast alle der genannten Vögel entdecken. Am Ende des Tages bekamen wir Einzelheiten über die verschiedenen Arten genannt und bemerkten, dass wir einige der Eigenschaften sogar beobachtet hatten.

Das Ende des Ökologiepraktikums näherte sich. Es war ein Abtauchen in eine ganz andere Welt, das viele neue Erfahrungen brachte. Ein langes Gespräch am Schluss des Praktikums zeigte, dass wir mit Begriffen wie Ökosystem und Nahrungskette nun endlich konkret etwas anfangen konnten. Auch wenn man zu Beginn noch über den langen Arbeitstag stöhnte, bemerkte jetzt jeder, dass es sich gelohnt hatte.

Zu den Autoren: Catharina Hauri und Svante Lau besuchen die 13. Klasse der Freien Waldorfschule Schopfheim.