Büchner vs. Volk

Von Kay Aaron Klokow, Juni 2017

Georg Büchner: Schriftsteller und Revolutionär, Fatalist und Nihilist. Die Menschen: Puppen von unsichtbaren Gewalten am Draht gezogen, zum Widerstand gegen die Obrigkeit geboren. Revolution gegen den Obrigkeitsstaat, gegen die Zerstückelung, für ein gerechtes und freiheitliches Deutschland.

Foto: © UlliG / photocase.de

Büchner, geboren 1813, veröffentlichte im Februar 1835 das legendäre Drama »Dantons Tod«. Große Politiker mit verschiedenen Ansichten treffen aufeinander: Danton gegen Robespierre, Menschlichkeit gegen Menschenverachtung. Das Scheitern Dantons durchzieht das gesamte Drama – das Scheitern der Revolution, das Scheitern der Menschlichkeit. Das Volk wird von den hinterlistigen Reden Robespierres verführt, sieht zu, wie ein Revolutionär, der erkennt, welches Unrecht, welche Grausamkeit die Politik der Jakobiner darstellt, hingerichtet wird.

Wer dieses Meisterwerk Büchners liest, dem fallen sofort die manipulativen Strategien, die manipulative Kunst Robespierres und St. Justs ins Auge, die genau wissen, wie sie die Gunst des Volkes gewinnen können, die genau wissen, wie sie es am besten beeinflussen können. Wer dieser Skrupellosigkeit im Buche folgt, der wird nachdenken. Der wird nachdenken, der wird sich erinnern, und zwar an Reden von Donald Trump, von Adolf Hitler, von Joseph Goebbels, von Björn Höcke. Vielleicht erstaunt Sie diese Auflistung. Heute dauert es lange, bis politische Reden mit solchen aus dem Nationalsozialismus verglichen werden. Heute glaubt man, so etwas sei nicht mehr möglich. Die Menschheit sei heute aufgeklärt. Doch wer den offen zur Schau getragenen, wachsenden Fremdenhass der Republikaner, der Rechtspopulisten in Deutschland, Ungarn, Frankreich, Belgien, England beobachtet, wer die liberalen, freiheitlichen, gerechten Werte lebt, der wird stutzig und aufmerksam.

Genau dies bewirkt Büchners Drama. Viele Lichter leuchten auf, deren Licht auf die eben genannten Personen fällt, in deren Schatten die eben genannten Gruppen schalten und walten. Ich fordere Sie auf: Steigen Sie herab von ihrem Thron der Gier, des Konsums, des Sich-besser-Fühlens und geben Sie dem Fremden die Hand.

Lassen Sie sich nicht manipulieren, sondern denken sie nach, wie es ist, sich fremd zu fühlen, sich unerwünscht zu fühlen. Niemand will das erleben. Fragen Sie sich, was Sie dazu beigetragen haben, dass das Land, in dem Sie leben, so ist, wie es ist. Haben Sie den Kniefall im Warschauer Ghetto geleistet? Sind Sie 1968 auf die Straße gegangen? Die 68er-Bewegung folgte dem Ruf Büchners, der eine Revolution gegen die Obrigkeit, gegen die »bessere Gesellschaft« wollte. Die 68er forderten ihre Eltern auf, das begangene Unrecht, die begangenen Grausamkeiten nicht weiter schweigend zu verdrängen.

Lesen Sie Georg Büchner und Sie werden mit der Kunst des manipulierenden Redens konfrontiert! Sie werden erkennen, wie einfach es ist, das Volk, die Gesellschaft zu beeinflussen und Sie werden sich selbst hinterfragen, sich selbst ein Urteil bilden können über die Reden der Politiker dieser Welt. Büchners Drama ist aktueller denn je und gehört zur Pflichtlektüre eines jeden Menschen, der von sich selbst behauptet, urteilsfähig zu sein.

Zum Autor: Kay Aaron Klokow besucht die 13. Klasse der Rudolf Steiner Schule Lüneburg.

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