Die Chamäleon-Dame

Von Maja Rehbein, Februar 2011

Einen Moment still sein, sich in ein neunjähriges Mädchen versetzen – und dann das Buch aufschlagen: Wie die öde Großstadt plötzlich aufregend wird! Im Nu ist man »drin« und will gar nicht wieder raus. Lilly zieht mit Mama, Papa und der kleinen Schwester in das Haus mit der goldenen Brezel. Es ist kein gewöhnliches Haus, das merkt sie, als sie den Hof erkundet. Sie kriecht durch eine Ligusterhecke … Und da ist sie, die kleine Dame, mit Tropenhelm und Safarikleidung. Sie wohnt in einem Zelt. Aber das Großartigste ist: Sie kann mit Hilfe ihres Sonnenschirmes »chamäleonisieren«! Folgerichtig ist ein Chamäleon ihr ständiger Begleiter. Wie ein solches kann sie ihre Farbe ändern und sich damit fast unsichtbar machen. Nun beginnt der Zauber. Lilly lernt mit ihrer Hilfe, die Welt neu sehen. Aber es gibt einen Feind: den Hausmeister Leberwurst, der Kinder nicht leiden kann und von der kleinen Dame zum Glück nichts weiß. Dieser verflixte »Verbieterich« wird von den beiden besiegt. Und als Lilly ein altes Heft findet, lüftet sie das Geheimnis des Brezelhauses.

Über die Buchseiten geistert das kleine Chamäleon, ständig seine Farbe wechselnd. Die kolorierten Zeichnungen wirken sehr lebendig. Auf weißen und farbigen Seiten, mit Pastellfarben illustriert, werden Text und Bilder zur klaren und geschmackvollen Einheit. Für Kinder ab 9 Jahren ist dies ein spannendes Buch; Erwachsene werden beim Lesen heiter. Der Großstadt fehlen Romantik und Abenteuerlichkeit; doch sie sind da, wenn man den Blick dafür hat. Die meisten Kinder in diesem Alter haben ihn noch. Erwachsene können ihn wiederfinden. Die Autorin öffnet den Blick für diese versteckten Welten, die es – mit ein wenig Phantasie – ringsum gibt. Ein entzückendes Buch. 

Stefanie Taschinski: Die kleine Dame. Mit Bildern von Nina Dulleck. 154 S., geb. EUR 12,95. Arena Verlag, Würzburg 2010