Hortner: Gefordert, aber nicht gefördert

Von Sabine Cebulla-Holzki, Juli 2016

Die Ansprüche von Eltern an die Nachmittagsbetreuung sind so hoch wie nie zuvor. Längst reicht es nicht mehr, dass jemand Max ein frisches Pflaster auf das aufgeratschte Knie klebt oder aufpasst, dass Philipp Marie nicht an den Zöpfen zieht. Die Eltern erwarten verlässliche und gut konzipierte Betreuungsangebote bis in den späten Nachmittag. Auch, oder gerade in den Waldorfschulen.

Für Schulträger, Lehrer und Horterzieher ergeben sich aus den Erwartungen der Eltern für die Nachmittagsbetreuung hohe Herausforderungen. Sie müssen gemeinsam einen Lebensraum Schule gestalten, in dem sich Angebote am Vor- und Nachmittag gegenseitig ergänzen und stützen. Doch eben hier klafft in der Ausbildung eine Lücke, auf die erfahrene Kollegen schon lange hinweisen: Die Nachmittagsbetreuung spielt im Stundenplan angehender Waldorflehrer und Waldorferzieher in Krippen und Kindergärten nur eine Nebenrolle. Doch das wird den neuen Anforderungen an die Hortpädagogen nicht gerecht.

Das Waldorfkindergarten-Seminar in Hannover und die Hortsprecher der Hortbewegung im Bund der Freien Waldorfschulen haben deshalb eine berufsspezifische Fortbildung konzipiert. In sechs Fortbildungsmodulen arbeiten sich die Teilnehmer in die Hintergründe der Waldorfpädagogik ein. Besonders intensiv setzen sie sich dabei mit der Entwicklung und den Bedürfnissen von Kindern im zweiten Jahrsiebt auseinander und beschäftigen sich mit Fragen der Gestaltung des Tagesablaufs, der Räume und der Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus.

Dabei wird vor allem auf Praxisnähe Wert gelegt. Kollegen mit einschlägigen Erfahrungen aus Horten und bewährten Betreuungsmodellen spielen eine wichtige Rolle: Fast alle Dozenten sind selbst aktiv in entsprechenden Arbeitsfeldern tätig. Die Teilnehmer werden angeregt, sich und ihre Ideen auszuprobieren und künstlerisch und handwerklich tätig zu werden, um sich für ihr Arbeitsfeld zu befähigen. Gegenseitige Hospitationen und Praxisbesuche von selbstgewählten Mentoren stärken die Wahrnehmung und Reflexion der eigenen Arbeit.

Zur Ausbildung gehört außerdem die Teilnahme an drei Hortfachtagungen. Sie bieten die Möglichkeit, sich zu vernetzen und sich der Hortbewegung anzuschließen. Die wachsende Zahl der Horte erfordert, dass Können und Wissen weitergegeben werden, damit offene Stellen mit fundiert ausgebildeten Kollegen besetzt werden können.

Da das Seminar Hannover kürzlich eine Zertifizierung nach AZAV erreicht hat, kann für diese Fortbildung Geld bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden.

Zur Autorin: Sabine Cebulla-Holzki ist Waldorferzieherin, Elternberaterin, Mediatorin und leitet das Waldorfkindergartenseminar in Hannover

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