Wie in einer Familie

Von Ralf Buchmann, Juli 2016

Im Weimarer Hort gibt es keine Hausaufgaben, dafür Freiheit auf engem Raum.

Die Waldorfschule Weimar ist eine Schule ohne »Zwangshausaufgaben« in den ersten vier Klassen. Falls es überhaupt welche gibt, sind sie freiwillig. Also gibt es auch keine Hausaufgabenbetreuung im Hort und die Spielzeit für die bis zu hundert Kinder beginnt gleich nach dem Mittagessen und dauert, wenn man nicht vorher abgeholt wird oder selbstständig geht – was  jederzeit möglich ist –, bis 17:00 Uhr. Für die gegen 15.30 Uhr noch etwa 45 anwesenden Kinder gibt es dann das Angebot eines gemeinsamen »Kaffeetrinkens«. Die Hortkinder haben ansonsten die Möglichkeit, ihren »Spielort« in den Horträumen und dem Außengelände frei zu wählen.

Innenräume

Den Kindern steht neben dem Hortraum mit Küche, Mal- und Handarbeitsmöglichkeiten sowie Gesellschaftsspielen ein Bauraum mit stabilen Spielständern, Tüchern, Brettern und Bausteinen zur Verfügung. Im Keller gibt es einen kleinen Verkleidungs- und Puppenspielraum mit den übrigen Spielständern und eine Werkstatt für Holz-, Töpferarbeiten und im Winter zum Kerzenziehen.

Schulhof, Spielplatz, Garten, Wald und Wasser

Direkt an die Horträume schließt sich der Schulhof der Unter- und Mittelstufe an. Der Schulhof ist eng und grenzt an eine vielbefahrene Straße und kann von daher nicht das Ideal eines Spielgeländes sein. Rückzugsräume bieten  drei  Spielhäuschen von verschiedenen Drittklass-Bauepochen. Es gibt eine Schaukel, ein Klettergerüst und zwei Sandkästen, ursprünglich war ein Sandkasten als Wasserspielfläche geplant . Das Element Wasser tritt jetzt nur bei Regen in Erscheinung, dann aber intensiv, da das sich sammelnde Regenwasser durch Sanddämme gestaut und durch Fegen mit Besen hin und herbewegt werden kann. Auf der Fläche sind kleine  Ballspiele möglich. Besonders beliebt ist Zweifelderball. Ein gepflasterter Hügel und ein bewachsener Hügel mit Wegen und geschützten Grünflächen bieten im Winter die Möglichkeit, zu rutschen.

Neben dem Schulhof haben die Hortkinder am Nachmittag die Möglichkeit, den 300 Meter entfernten, auf der anderen Ilmseite liegenden Hortgarten und dessen Umraum zu nutzen. Der Hortgarten selbst beherbergt mehrere Kaninchen mit ihren Ställen und Auslauf und das Ziegenhaus mit Gehege. Außer den Tieren gibt es Kletterbäume, eine Tonkuhle, Holz und Bretter, die zum Selberbauen gedacht sind. Der Umraum des Hortgartens besteht aus dem Schulgarten (nur mit Sondergenehmigung zu betreten, da eigentlich kein Spiel-, sondern Unterrichtsraum), einer Wiese mit einem Quellgraben, einem Wäldchen, der Ilm mit Wehr und bei entsprechendem Wasserstand mit einer Kiesbank und einer Wiese mit der Möglichkeit zum Fußballspielen.

»Raumpflege«

Die vier Hortner haben sich zum Ziel gesetzt, in diesen Räumen arbeitend, pflegend und teilweise auch schützend tätig zu sein. Dabei sind sie in ihren Absichten nicht direkt auf die Kinder gerichtet, sondern versuchen einen Raum zu bilden, in den die Kinder hineinleben und spielen können. Dies ist durch die große Zahl der Kinder mit ihren Bedürfnissen nicht immer leicht. Dennoch scheint uns diese nicht direkt auf die Kinder gerichtete Grundhaltung eine der wesentlichen Bedingungen für die freie Entfaltung des Spiels der Kinder zu sein.

Eine besondere Herausforderung in unserem Hort und für die Hortner ein sehr großes Anliegen ist in diesem Mit- und Füreinander die Beziehung zu den Kindern. Sie entsteht vor allem in den kleinen direkten Begegnungen vom Kind zum Erwachsenen: beim Verarzten eines aufgeschürften Knies, beim Schlichten eines Streites, beim »Besorgen« eines besonderen Spielmaterials, bei der Klärung eines Verabredungsproblems, beim Reparieren eines entstandenen Risses im Lieblingskleid und vieles mehr. So, wie idealerweise in der Familie, ist es Ziel, am Nachmittag miteinander zu leben und zu arbeiten.

Zum Autor: Ralf Buchmann ist Landwirt und Waldorfzieher und seit 2004 im Hort der Waldorfschule Weimar tätig.

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