Dann streckt der kleine Hund sich und streicht sich die Schnurrbarthaare glatt …

Von Griet Hellinckx, Oktober 2011

Es gehört längst zum Allgemeinwissen, dass ein gewisses Maß an Gesundheit eine notwendige Grundlage für erfolgreiches Lernen darstellt. In der Antike war das Gymnasion der Ort, wo junge Männer Körper, Seele und Geist trainierten. Die Betonung lag dabei auf dem Körperlichen, was man noch daran erkennt, dass »gymnós« das griechische Wort für »nackt« ist.

Im Widerspruch zu den Erkenntnissen und Erfahrungen vergangener Zeiten steht die heute wachsende Zahl an kranken oder körperlich geschwächten Kindern (und Lehrern). Motorische Defizite, Übergewicht, Konzentrationsschwierigkeiten, Stresssymptome haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Sowohl die Weltgesundheitsorganisation wie auch die Europäische Union haben sich inzwischen dieses Problems angenommen.

Stress gehört zum Alltag eines jeden Menschen in unserer Gesellschaft. Dieses Phänomen macht auch vor vielen Kindern nicht halt, auch nicht vor Waldorfschülern. Ursachen gibt es vielerlei und leider sind sie oft nicht zu beseitigen. Deswegen ist es umso wichtiger, den Kindern und Jugendlichen Wege zu zeigen, wie man sich entspannen kann und wie Momente der Präsenz und der inneren Ruhe geschaffen und ausgedehnt werden können.

Die Waldorfpädagogik hat in dem Bereich seit Jahrzehnten viel zu bieten. Dennoch kann ein Blick über den Tellerrand nicht schaden und die Wahrnehmung und das Bewusstsein für situativ angepasste Herangehensweisen schärfen. Anregungen dazu findet man sowohl als Lehrer wie auch als Elternteil in dieser Materialsammlung. Dort gibt es neben Körper- und Bewegungsübungen, die dem Hatha-Yoga entlehnt sind, Anregungen für (Selbst)Massagen, Phantasiereisen sowie Wahrnehmungs- und Stille-Übungen.

Zu jedem Kapitel gehören eine kleine Einleitung sowie aktuelle Literaturempfehlungen. Dann folgt eine verständliche Anweisung, die mit Zeichnungen und einer Indianergeschichte, die sich durch das Buch zieht, illustriert wird. Das liest sich dann zum Beispiel folgendermaßen: »Der kleine Hund ist heute bei seiner Freundin Katze eingeladen. Er ist gerade aufgewacht und gähnt erstmal ausgiebig. Dann streckt er sich und streicht sich die Schnurrbarthaare glatt (von der Nase mit den ausgespreizten Fingern nach außen zu den Ohren streichen).

Von seinem gemütlichen Schläfchen in dem weichen Blätterhaufen ist er noch ein wenig staubig. Er klopft den Staub aus seinem Fell, überall, damit er auch ganz sauber wird (Arme, Beine, Bauch, Rücken, Po, Schultern, Brustkorb sanft abklopfen).« Jeder, der Erfahrung mit Kindern hat, wird leicht nachvollziehen können, wie gerne solche Anleitungen von Kindern befolgt werden und wie viel wacher und entspannter eine müde Kindertruppe (samt Lehrer) anschließend sein kann. 

Nicole Goldstein, Marion Herrmann-Gorzolka, Marianne Quast: Entspannungswerkstatt für die Grundschule, 104 S., SW-Illustrationen, Format DIN A4, Klappenbroschur, EUR 19,95, verlag modernes lernen, Borgmann GmbH & Co. KG. Dortmund 2010