Höllenhunde und Himmelswesen

Von Lorenzo Ravagli, März 2015

Ein wortgewandtes Plädoyer für neue Geschlechterarrangements jenseits von Polarisierung durch Feindbilder legt der Soziologe Gerhard Amendt vor.

Männer und Frauen müssen über ihre Besonderheiten und Gemeinsamkeiten, ihre biologischen, gesellschaftlichen wie psychisch sie unterscheidenden Lebensperspektiven ins Gespräch kommen, so Amendt. Die geschlechtstypischen Andersartigkeiten bedürfen des gegenseitigen Respekts und der Anerkennung. Die private Gemeinsamkeit in Beziehungen von Ehen und Partnerschaften muss wieder ins Denken und Handeln der Gesellschaft zurückfinden, aus denen sie durch Feindseligkeit vertrieben wurde.

Diese Feindseligkeit wurde laut Amendt durch den »Feminismus« geschürt, der in den letzten 30 Jahren den Versuch unternommen habe, ein stereotypes Bild des Mannes als des »Täters« und der Frau als des »Opfer« zu zeichnen. Er habe dafür gesorgt, dass sich in modernen Gesellschaften ein Klischee zerstörerischer Männlichkeit ausbreiten konnte.

Dass ein Mann gute wie schlechte Seiten haben und trotzdem von den Frauen geliebt werden könne, sei dabei nahezu in Vergessenheit geraten. Männer und Jungen seien ausgegrenzt und das typisch Männliche als Gewaltsames denunziert worden. Der Feminismus habe die Männlichkeit in einem menschheitsgeschichtlichen Aufwasch in den Orkus der Geschichte kehren wollen. Der Feminismus habe dabei wie andere totalitäre Ideologien eine verhängnisvolle Simplifizierung der Geschichte betrieben. Auf krude Auswüchse des zeitgenössischen Feminismus macht Amendt aufmerksam, etwa auf Barbara Kieslings Vorschlag für ein »Sondertötungsrecht« für Frauen, wenn sie sich psychisch von Männern bedroht fühlten, oder Catherine Hakims Ratschlag, Sex nur noch gegen Bezahlung oder beruflichen Aufstieg zu gewähren. Amendt setzt sich wortreich gegen das dualistische Weltbild des Feminismus zur Wehr und ist selbst nicht frei davon, wenn er ihn zum Erzfeind erklärt, der das soziale Klima vergiftet und Frauen in die infantile Opferrolle gedrängt hat, aus der sie nur herausfinden werden, wenn sie sich von den Mythen dieser Ideologie wieder befreien. Und trotzdem: Eine solche Befreiung käme Männern wie Frauen zugute.

Gerhard Amendt: Von Höllenhunden und Himmelswesen. Plädoyer für eine neue Geschlechter-Debatte, Ikaru Verlag, 209 S., Pb., EUR 21,90, Wien 2013