Mut zur Weltverbesserung

Von Griet Hellinckx, November 2014

Damals, als ich noch jung war, habe ich so manches Mal auf meine Nachtruhe verzichtet und ein spannendes Buch einfach zu Ende gelesen. Das passiert mir nicht mehr so oft, aber »Die Brückenbauerin« von Dunja Batarilo, einer Journalistin aus Karlsruhe, hat mich so begeistert, dass ich die Geschichte kaum aus der Hand legen mochte.

Sie ist spannend geschrieben, mit detaillierten Schilderungen aus dem Alltagsleben von unterprivilegierten brasilianischen Familien sowie schockierenden als auch berührenden Szenen und Ereignissen.

Das Buch berichtet, wie Ute Craemer die Favela Monte Azul in São Paulo verwandelte. Waldorfkollegen und ehemalige Schülerinnen erinnern sich vielleicht an einen Vortrag von Ute Craemer in ihrer Schule. Denn vor allem in den Achtzigern und Neunzigern reiste sie durch Deutschland, um über ihre Arbeit in der Favela zu erzählen und Spenden zu sammeln. Hunderte von deutschen Freiwilligen pilgerten dorthin, packten an, wo sie konnten, machten eindringliche Erfahrungen und nahmen eine Momentaufnahme mit nach Hause. Dunja Batarilo arbeitete im Frühjahr 2010 ebenfalls einige Monate als Freiwillige an diesem Ort und beschloss, eine Biographie über sie zu schreiben. Sie fuhr zweimal für mehrere Wochen nach Brasilien. Beim ersten Aufenthalt hatte Ute keine Zeit für sie, aber schickte sie zu Mitarbeitern, Müttern, Behörden, Freunden und ehemaligen Schul- oder Kindergartenkindern.

Die Journalistin erfuhr in Dutzenden von Interviews aus unterschiedlichster Perspektive, wie es möglich war, dass in einer lebensfeindlichen Umgebung, geprägt von größter Armut und Kriminalität, im Laufe der Jahre dank Utes partizipativem und motivierendem Ansatz eine Institution entstehen konnte, die auf unterschiedlichste Art und Weise für die Verbesserung der Lebensumstände und das Wohlergehen der Menschen einsteht. Sie erfuhr Schönes und Trauriges. Man berichtete ihr von Momenten, in denen Erfolge gefeiert werden konnten, aber auch von Zeiten der Angst und des Scheiterns, von Mord, Raub und Totschlag.

Die Associação Comunitária Monte Azul ist ein Beispiel für die Kraft der Zivilgesellschaft. Durch den unermüdlichen Einsatz von vielen Menschen ist die Organisation zu einem Kooperationspartner für die Stadt geworden, ein Vorbild für viele andere Projekte und ein Beispiel wie Sozialarbeit, die sich aus der Anthroposophie und der Waldorfpädagogik speist, zu einer menschlicheren Welt beitragen kann.

Beim Lesen bleibt einem nicht verborgen, dass die Autorin mit ihrem Schreiben ein An­liegen verbindet. Sie möchte Einzelnen und Gemeinschaften Mut machen, auf die Fragen des Lebens zu lauschen und zu handeln. Ihre Begeisterung hat wohl auch andere überzeugt und so bekam sie für ihre Recherchen Unterstützung von Freunden und Sponsoren. Dem Buch wünscht man viele Leser.

Dunja Batarilo: Die Brückenbauerin – Wie Ute Craemer die Favela Monte Azul verwandelte, geb., 320 S., EUR 19,99, Scoventa, Bad Vilbel 2014