Psychotherapie der menschlichen Würde

Von Griet Hellinckx, Februar 2013

Dieses Buch ist eine reiche Ernte aus 40 Jahren intensiver Tätigkeit im Bereich der Psychotherapie. Ad Dekkers ist seit langem weltweit als Koordinator für die Ausbildung und Weiterentwicklung in diesem Bereich tätig.

Mehr als 500 Seiten mit Betrachtungen, Anregungen, Übungen und Fragen, die zur eigenen Urteilsbildung anregen, erwarten den Leser. Für Dekkers haben sich die anthroposophischen Begriffe und Konzepte in der täglichen Arbeit als hilfreich und wegweisend erwiesen. Er setzt jedoch nicht voraus, dass der Leser mit ihnen vertraut ist. An erster Stelle dürfte dieses Buch Therapeuten und Biographiearbeiter ansprechen, aber auch Lehrer, Pädagogen, Sozialarbeiter, Heilpraktiker und Ärzte.

Der Autor machte sich schon früh auf die Suche nach Methoden, die die Eigenverantwortung des Klienten stärken. Diese Forschungsreise sowie die Entdeckungen im Laufe seines Lebens entsprechen einer gewissen Logik: Nachdem er die tieferen Fragen in Zusammenhang mit Erinnerungen an Erlebtes angeschaut hatte, vertiefte sich sein Blick für die Bedeutung des Lebensalters. Danach kamen Erkenntnisse über den Einfluss von Geschichte und Kultur hinzu. In einem Kapitel seines Buches erörtert er, wie sich das menschliche Ich entwickelt und welche Übungen und Hilfestellungen diese Entwicklung begleiten und unterstützen können.

Der Titel des Buches verweist auf den Hintergrund, vor dem die Bemühungen einer anthroposophischen Psychotherapie sich bewegen: die Würde als die Möglichkeit, sich selbst in voller Verantwortung für die eigenen Lebensaufgaben und Herausforderungen sowie im Zeitgeschehen zu erleben – in tiefstem Respekt allem Menschlichen gegenüber. Das Streben nach persönlicher Heilung und Wohlbefinden ist in diesem Fall ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zur Mitverantwortung für das größere Ganze.

Ad Dekkers: Psychotherapie der menschlichen Würde, geb., 560 S., EUR 44,–, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2012