Inklusion ja, aber wie?

Von Johanna Keller, November 2011

Wie gehen Waldorfschulen und heilpädagogische Einrichtungen mit der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen um? Welche Konsequenzen ergeben sich aus dieser Konvention? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der »Arbeitskreis Inklusion« des Bundes der Freien Waldorfschulen, der Vereinigung der Waldorfkindergärten und des Verbandes für anthroposophische Heilpädagogik.

In dem Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (Art. 24 Abs. 1) bekennen sich die unterzeichnenden Staaten dazu, ein »inklusives Bildungssystem« zu schaffen, das auch nichtstaatliche Kindergärten, Schulen und Ausbildungsstätten als Teil des öffentlichen Bildungs­wesens einbezieht. Diese Konsequenz ergibt sich aus der Verpflichtung aller öffentlichen Bildungseinrichtungen, die allgemeinen und besonderen Menschenrechte zu erfüllen. Die Konvention unterstreicht den individuellen Anspruch des einzelnen Kindes auf Teilhabe am allgemeinen Bildungssystem. Falls die Voraussetzungen dafür konkret (noch) nicht vorliegen, gewährt die Konvention dem Kind einen Anspruch auf angemessene Vorkehrungen und die erforderlichen unterstützenden pädagogischen Maßnahmen.

Viele heilpädagogische Schulen und allgemeinbildende Waldorfschulen haben bereits mit einer Kooperation begonnen oder denken über eine solche nach. Denn immer wieder äußern Eltern von Kindern mit Behinderungen den Wunsch, ihre Kinder an der allgemeinen Waldorfschule einschulen zu können. Zwar haben freie Träger das Recht, über die Aufnahme eines Kindes selbst zu entscheiden, wer jedoch ein Kind wegen einer Behinderung ablehnt, setzt sich dem Vorwurf der Diskriminierung aus.

Wegen der Behindertenkonvention muss langfristig das gesamte Bildungswesen umgebaut werden. Der »AK Inklusion« entwickelt dazu inhaltliche und strukturelle Vorschläge für die waldorfpädagogischen Einrichtungen. Am Ende sollen in einem »Handbuch Inklusion« Empfehlungen für die Weiterarbeit veröffentlicht werden. Die im »AK Inklusion« mitwirkenden Fachleute bearbeiten die Grundlagen der Waldorfpädagogik, sammeln Erfahrungen aus dem Bereich der inklusiven Bildung, geben ihre Erkenntnisse an Interessierte weiter, entwickeln und beraten inklusive Modelle und bringen diese in die Diskussion. Rechtliche und wirtschaftliche Fragen werden bewegt, Fördermöglichkeiten zusammengetragen und die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen unterstützt.

Ein Thementag am 16. März 2012 an der Freien Waldorfschule in Kassel ist in Vorbereitung (www.waldorfschule.de). 2013 ist ein weiterführender Kongress zum Thema Inklusion geplant.