WOW-Day: Solidarität erleben, Begegnungen ermöglichen

Von Peter Augustin, Oktober 2010

Die Bilanz ist beeindruckend: Mit verschiedensten Aktionen für den WOW-Day haben Waldorfschülerinnen und Waldorfschüler seit 1994 fast 1,5 Millionen Euro gesammelt. Das Geld kam zu 100 Prozent den verschiedenen Projekten zugute. So konnte auf Mitgliederversammlungen und Delegiertentagungen viel darüber berichtet werden, was mit dem WOW-Day alles erreicht wurde für benachteiligte Kinder in aller Welt. Weniger im Fokus stand das, was der WOW-Day »mit den Schülern macht«. Im Gespräch mit Lehrern und Schülern wird aber deutlich, dass der WOW-Day weit mehr ist als nur ein Fundraising-Instrument: er hat vor allem auch eine tiefe pädagogische Dimension.

Zum einen erleben und praktizieren die Schülerinnen und Schüler Solidarität und setzen sich mit Gesellschaftsfragen im Unterricht auseinander, indem sie sich mit der Situation der Kinder in Entwicklungsländern beschäftigen. »Der WOW-Day macht den abgenutzten Begriff Globalisierung für einen Moment ganz konkret erfahrbar«, so ein Schüler. Zum andern erleben sie, dass sie konkret etwas tun, die Welt im Kleinen ein Stück besser machen können. »Da kann man dem Ohnmachtsgefühl, das einen manchmal angesichts der Tagesschau überkommt, wirkungsvoll etwas entgegensetzen«, wie es ein engagierter Schüler beschreibt. Die Lehrer sehen noch eine andere Zielsetzung: Das gemeinsame Engagement für einen guten Zweck stärkt das Selbstbewusstsein und den Zusammenhalt in der Klassengemeinschaft: »Dies erhöht letztlich auch die Identifikation mit dem eigenen Tun und der eigenen Schule«, unterstreicht ein Lehrer.

Der WOW-Day beschert den Schülerinnen und Schülern aber auch Erfahrungen, die sie sonst in ihrem Schulalltag nicht machen würden. So berichteten einige, dass sie bei ihren Aktionen von Passanten mit rassistischen Äußerungen konfrontiert worden sind. Großes Erstaunen herrschte auch bei den Schülern, die den interkulturellen Waldorfkindergarten in Hamburg -Wilhelmsburg mit einer Befragungsaktion von Passanten unterstützen wollten. Die angesprochenen Bürger des Stadtteils wehrten meist ab, da sie sich in Deutsch nicht ausreichend verständigen konnten. So erlebten die Schüler hautnah, wie wichtig das Medium Sprache zur Verständigung ist. Ein Besuch des Kindergartens zeigte die Bemühungen, dies bei den Kleinsten zu verändern. Spontan beschlossen die Schüler, ein Spielschiff für den Kindergarten zu bauen. Damit bietet der WOW-Day viele Möglichkeiten, den wichtigen Aspekt zu erleben, den Rudolf Steiner in der allgemeinen Menschenkunde beschreibt: die Überwindung des Egoismus.

Für die Schüler wird darüber hinaus die Dimension der Waldorfpädagogik als internationale Bewegung erlebbar: Der WOW-Day sei deswegen eine spannende Sache, weil er ein ganz anderes Bild von Waldorfschule vermittele, meint ein Schüler. »Plötzlich wird klar, dass Waldorfschulen eine richtige Bewegung sind, weltweit, dass man nicht auf einer Insel sitzt mit seiner Schule«. Man erlebe ganz das Eingebundensein in ein solidarisches Netzwerk – alles hänge mit allem zusammen.

Am 1. Oktober 2010 findet der bundesweite WOW-Day statt. Im Jubiläumsjahr »150 Jahre Rudolf Steiner« soll am 29. September 2011 ein WOW-Day in allen europäischen Waldorfschulen stattfinden. www.wowday.eu.