Frühe Kindheit • Sommer 2017


Editorial


Liebe Leserin, lieber Leser,

»Mama, wir gehen raus.« Laut ruft es durch das Haus. Dann ist es wieder ganz still. Ich bin froh über diese Stille und schreibe weiter. Doch plötzlich schrecke ich auf – wo sind die Kinder? Draußen? Bei dem Wetter? Es tröpfelt nicht mehr, es gießt nun in Strömen. Durch die Fensterscheiben ist kaum noch etwas zu sehen. Schnell springe ich auf – die Kinder müssen bei diesem Wetter sofort herein.

Als ich nach unten laufe und in den Garten schaue, bin ich für einem Moment sprachlos: Auf der unebenen Terrasse haben sich riesige Pfützen gebildet, in denen der Kleinste Schwimmübungen macht, mit Anziehsachen natürlich. Auf dem Rasen springen die zwei anderen mit wahrer Lust immer auf einer Stelle herum und er- springen sich so ein eindrucksvolles Schlammloch in den lehmigen Boden, nass und über und über mit Schlamm bespritzt. Hereinholen? Nein, sicher nicht. Ein solch elementares Erlebnis – diese Freude an der Regenmacht möchte ich nicht stören mit meinen Sorgen über zukünftigen Husten und Schnupfen. Wollt ich doch am liebsten selber wieder mich den Elementen hingeben.

In der Natur sein – morgens barfuß durch das taufeuchte Gras laufen, die kleinen Perlen auf den Frauenmantel- blättern bestaunen, den lieblich frischen Sommerduft einatmen, mittags unter Beerensträuchern sitzen und die noch grünen Beeren naschen, abends die geheimen Gänge erforschen – eine Kindheit voller Wunder, jeden Tag aufs Neue, jeden Tag ein wenig anders, je nach Jahreszeit und Wetterlage.

Die Verbindung zur Natur nimmt immer mehr ab, so dass schon von nature-deficit-disorder, auf deutsch dem Natur-Defizit-Syndrom gesprochen wird. Die Folgen sind Verhaltensauffälligkeiten, Ängstlichkeit und Aufmerk- samkeitsstörungen. Nehmen wir den Kindern das Draußensein, nehmen wir ihnen die Möglichkeit, die Natur und dabei sich selbst zu entdecken. Gerade in der Auseinandersetzung mit den Elementen, mit den rauen, weichen, zarten Oberflächen, mit den so unterschiedlichen Konsistenzen der Erde, mit dem warmen, manchmal heißen Boden, mit kaltem, manchmal eiskalten Wasser, dem modrigen Duft der Walderde, dem süßen des Flieders, dem hellen Licht am Mittag, dem dämmrigen am Abend können die Sinne auf vielfältigste Weise an- geregt und ausgebildet werden. Nehmen wir ihnen diese existenziellen Erfahrungen, so nehmen wir ihnen die Fähigkeit, sich als Teil der Welt zu empfinden. Wir schließen sie letztlich vom Leben aus.

Wald, Wasser und Wiese sind heute für viele Kinder meist nicht mehr nebenan. Wir können sie aber gemeinsam mit ihnen zurückerobern – und sei es auf sonntäglichen Ausflügen, die wir uns zur Gewohnheit machen.

Ihre Ariane Eichenberg


Inhalt


•  THEMA: DRAUSSEN SEIN 

Gerald Hüther: Die Bedeutung von Naturerfahrungen für die kindliche Entwicklung

Ulrike und Frank Kaliss: Draußen sein!

Waldorf trifft Naturpädagogik

• MENSCH & INITIATIVE 

Ute Hallaschka: Christiane von Königslöw – die Paradies-Gärtnerin

• MIT KINDERN LEBEN 

Franziska Hüning: Sommerhelle Sonnentage. Das Johannifest 

Birgit Krohmer: »Ich bin nicht trotzig! Du machst nur nicht, was ich will!«

• LEICHT GEMACHT 

Corinna Boettger: Kinderwagen – vorwärts oder rückwärts durch die Welt?

• KINDERGARTENPRAXIS 

Agnes Schütz: Malen mit Wasserfarben im Kindergarten

• BLICK IN DIE WELT 

Angelika Schall: Erfolgreich und bedrängt Waldorfpädagogik in der Favela Monte Azul 

Welitschka Yordanova und Seyda Aysel: Harte Probe. Zehn Jahre Waldorfpädagogik in Bulgarien

• DIALOG 

Bettina Hellebrand: Mütterlichkeit 

Karsten Bauer: Väterlichkeit

• KOLUMNE | MÜLLERS MEINUNG 

Birte Müller: Hilfe


Die Zeitschrift »Erziehungskunst – Frühe Kindheit« wird von der Vereinigung der Waldorfkindergärten in Zusammenarbeit mit dem Bund der Freien Waldorfschulen herausgegeben.


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