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Menetekel Fukushima

Von  Mathias Maurer, Mai 2011

Liebe Leserin, lieber Leser, »Was sind Strahlen?« Außer Atem kommt der neunjährige Lukas in den Frühlingsgarten gerannt. Er war wieder mal bei seinem geliebten Kiosk-Freund einkaufen und hat sein Taschengeld in Fussballer-Karten angelegt. Dort hat er wohl einem Gespräch zwischen Kunden gelauscht. Fukushima ist also auch bei ihm angekommen. – »Strahlen ...? Was für Strahlen meinst Du denn?«, ist meine wenig intelligente Rückfrage. »Ja, Strahlen vom explodierten Atomkraftwerk!«, antwortet er ungeduldig. »Weißt Du, Strahlen sind wie die Sonnenstrahlen, man sieht sie nicht und trotzdem ist es hell.« – »Aber das ist doch nicht schlimm! Die Leute können ja auch in den Schatten gehen.« – »Diese Strahlen kommen auch in den Schatten.« Meine Erklärungsnot nimmt zu.... [mehr]

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Brauchen wir die Männerquote?

Von  Mathias Maurer, April 2011

Liebe Leserin, lieber Leser, es ist auffällig – je kleiner die Kinder sind, desto ausschließlicher werden sie von Frauen betreut. In der Kinderkrippe habe ich noch nie einen Erzieher zu Gesicht bekommen, im Kindergarten ganz selten, in den ersten Schulklassen häufiger zwar, aber nicht die gewünschte Hälfte. Erst in der Oberstufe scheint sich das Verhältnis anzugleichen, wobei in den Naturwissenschaften die Männer und in den Sprachen die Frauen dominieren. Das gilt sowohl für Waldorf- als auch für staatliche Schulen. 61 Prozent der Lehrer an Waldorfschulen und 64 Prozent an staatlichen Schulen sind Frauen. Generell gilt, dass Frauen nach wie vor stärker in pädagogische Berufsrichtungen streben als Männer. Man spricht von einer Feminisierung des Bildungswesens und dass die... [mehr]

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Schafft PISA ab

Von  Mathias Maurer, März 2011

Liebe Leserin, lieber Leser, wer hätte das gedacht: Wir sind wieder wer! Zumindest im oberen Mittelfeld liegt Deutschland nach den neuesten PISAErgebnissen in Sachen Lesekompetenz und Rechnen. Natürlich müssen die Schulen noch ordentlich nachlegen. Denn nach wie vor werden wir von den asiatischen TigermamaStaaten zu Entwicklungsländern degradiert, was regelmäßige bildungspolitische Depressionen auslöst. Was machen wir nur falsch? Auch hierzulande trimmen wir doch schon die Dreijährigen in den Kindergärten, der Nachhilfemarkt boomt durch alle Klassenstufen – das Abitur ist bei den meisten ohne nicht mehr denkbar – und Punktsysteme prägen die studentische Lernmotivation an den Hochschulen. Ist es, weil wir in unserem Bildungssystem Druck und Drill... [mehr]

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Ich habe einen Traum

Von  Mathias Maurer, Februar 2011

Liebe Leserin, lieber Leser, mir träumte, das Goetheanum im schweizerischen Dornach wäre eine freie Universität, ein internationaler Campus, auf dem junge Menschen aus aller Herren Länder studieren: Jura, Medizin, Volkswirtschaft, Erziehungs- und Sozialwissenschaften – und Anthroposophie. Letztere nicht als ergänzendes Beiwerk, sondern als fester Bestandteil des akademischen Curriculums, der alle Fächer durchdringt. Das Goetheanum muss heuer vier Millionen Schweizer Franken einsparen, ist eigentlich pleite, und streicht Stellen und Angebot. Das ist zu bedauern, birgt aber auch die Chance zu einer echten Erneuerung. Die alten, treuen Anthroposophen, die ihr Vermögen testamentarisch dem Goetheanum vermachten, sterben aus, die Mitgliederzahl der... [mehr]

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Global privat

Januar 2011

Liebe Leserin, lieber Leser, Globalisierung ist ohne das Internet nicht zu denken: Es katapultiert selbst den letzten Winkel der Welt in unser Bewusstsein. Seinen Siegeszug feiert es mit dem schlagenden Argument des freien Zugangs zur Information. Nichts kann mehr verheimlicht werden, keine Angriffspläne aus dem Pentagon und kein Liebesgezwitscher auf Twitter. Die Nachrichten und Bilder verbreiten sich in rasender Schnelligkeit, und wecken hektische Online-Geschäftigkeit. Das Internet: der globale Gleichmacher und Beschleuniger. Doch in einem Punkt hinkt unser Bewusstsein gewaltig hinterher: Wir hinterlassen Spuren im World Wide Web. Einer der Fährtenleser ist beispielsweise Facebook. Facebook zeigte in der Vergangenheit wenig Sensibilität... [mehr]

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Geburtstagssignale aus Dornach

Von  Mathias Maurer, Dezember 2010

Liebe Leserin, lieber Leser, »Wo fährst du hin?«, fragt frühmorgens der Junge seinen eiligen Vater. »Ich fahre nach Dornach.« – »Dornach? Ist das bei Stuttgart?« – »Nein, in der Schweiz.« – »So weit weg?« – »Ja, über zweihundert Kilometer« – »Und was machst du da?« – »Ich fahre zu einer Pressekonferenz. Da wird der Geburtstag von Rudolf Steiner schon mal vorgefeiert.« – »Wie alt ist Rudolf Steiner?« – »Hundertfünfzig Jahre.« – »Was, so alt? Das geht doch nicht! Menschen werden doch nicht so alt!« – »Das stimmt, das werden sie in der Regel nicht. Aber Steiner wäre bald hundertfünfzig geworden.« – »Ah, ist er so was wie ein Geist, der nicht stirbt? Kennst du ihn?« ... »Warum hat man Rudolf Steiner nicht längst schon vergessen«, fragt Michela Glöckler,... [mehr]

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Geschockte Schüler

Von  Mathias Maurer, November 2010

Liebe Leserin, lieber Leser, ich erinnere mich: Als Schüler war ich bei den Demonstrationen gegen das Kernkraftwerk Wyhl dabei, dann in Kaiseraugst, als Student in Brokdorf, bei der Räumung der besetzten Häuser in der Festung Freiburg ... Und ich lernte staatliche Gewalt von einer anderen Seite kennen, die – trotz aller politischen und juristischen Legitimation – nicht immer des Volkes Stimme repräsentieren muss. In Stuttgart nehmen die Demonstrationen gegen das Bahnprojekt »Stuttgart 21« ungewohnte Ausmaße an: ungewohnt die Zahl der protestierenden Menschen, ungewohnt die Härte, mit der sie vertrieben werden. Darunter viele alte Menschen – und sehr junge. Besonders Letztere hat es kalt erwischt. Ihre Fun-Party fand in Wasserwerfern, Schlagstöcken... [mehr]

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Kannitverstan

Von  Mathias Maurer, Oktober 2010

Liebe Leserinnen, liebe Leser, Waldorfschüler N. geht auf große Reise. Billigflug Amsterdam. Party ohne Ende ist angesagt, wie letzten Sommer in Llorret de Mar, meistens auf Autopilot, der Mega-Chill-out. Ansonsten kein Plan. Ziemlich vorgeglüht geht’s auf die Piste: Paradiso, Club 11, Panama, Stubnitz ... Er fragt – natürlich auf Deutsch – nach dem Escape, das soll der Hammer sein. »Kannitverstan«, antwortet die Tussie. Klingt Holländisch und nach Straßenname. Fehlanzeige. Er landet im Hafen auf der Stubnitz. Fragt dort ’nen Typ auf ’ner Blaulichtparty: Schon wieder »Kannitverstan«. Wo soll dieses verdammte Kannitverstan sein? – Das Escape in der Rembrandtplein findet er nicht, er will ja nicht ins Museum ... Der Plot dieser Geschichte ist zweihundert... [mehr]

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Jetzt könnt ihr was erleben ...

Von  Mathias Maurer, September 2010

Liebe Leserin, lieber Leser, Lotte, vier Jahre, wälzt sich auf dem Boden und kreischt. Markus, acht Jahre, hängt auf dem Sofa herum: »Mir ist so langweilig«. Die Zwillinge Eva und Julian, dreizehn Jahre, kommen nach Hause und müssen erstmal chatten: »Wie war’s in der Schule?«. »Na ja, wie immer«. Unsere Alternativangebote – »Komm, back mit mir Pfannkuchen«, »Hast du dein Fahrrad geflickt? Ich habe schon das Werkzeug parat«, »Wolltet ihr nicht erst euer tolles Referat vorbereiten?« – ziehen nicht. Schon gar nicht der gemeinsame Wandersonntag mit frühem Aufstehen. Was fehlt? – (Noch) mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit? Bessere Angebote? ... Wir halten durch und nach einer halben Stunde ist der Spuk vorbei: Lotte ist in der Puppenstube in ihr Spiel... [mehr]

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Wir sind krank – und doch gesund

Von  Mathias Maurer, Juli 2010

Liebe Leserin, lieber Leser,­ wie fühlen Sie sich? Gut oder schlecht, fit oder schlapp, lau oder lustig? – Wir merken nicht, wenn wir gesund sind. Erst wenn es zwickt und zwackt, ein Schmerz pocht, die Seele aus dem Gleichgewicht gerät, dann werden wir wach. Es gibt allerdings auch den Fall, dass wir uns gesund fühlen und ein Arztbesuch bescheinigt uns das Gegenteil – oder umgekehrt. Das heißt, das Gefühl, gesund zu sein, entspringt nicht irgendwelchen Laborergebnissen, sondern einem individuellen Empfinden von Harmonie. Das bestätigt auch die Salutogeneseforschung: Im Einklang und in einem sinnvollen Zusammenhang mit sich und der Welt stehen, sind die Gesundheitsfaktoren schlechthin. Und erst, wenn der Mensch dieses Gleichgewicht nicht mehr aus eigenen... [mehr]

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