Kolumne

Helden braucht es heute

Von  Henning Köhler, Mai 2013

Auf dem Jugendbuchmarkt boomen düstere Zukunfts­romane. Teils spielen die Geschichten in Zeiten nach einer großen Katastrophe, teils malen sie mehr oder weniger glaubhaft aus, was uns blühen könnte, wenn der Hightechkapitalismus alle moralischen Schranken durchbricht; oder wenn aus vorgeschobenen Sicherheitsgründen die Bürgerrechte beseitigt werden. Erzählt wird von Gesellschaften, in denen die Instrumentalisierung des Individuums perfektioniert ist; von neuen Kolonial- und Kasten-Systemen; von Faschismus-Varianten, deren Perfidie darin besteht, dass sie eine wohltemperierte Normalität vorgaukeln; von materiell privilegierten Minderheiten, die, völlig entrechtet, in abgeschotteten, aseptischen Höllen leben und sich einreden lassen, es seien... [mehr]

Kolumne

Menschen lässt man nicht sitzen

Von  Henning Köhler, April 2013

Mehrere deutsche Bundesländer, vorneweg Niedersachsen, ziehen in Erwägung, eine heilige Kuh des antiquierten Schulwesens abzuschaffen: das ›Sitzenbleiben‹. Johann Osel verfasste dazu in der Süddeutschen Zeitung einen ›ausgewogenen‹ Kommentar, worunter man im Mainstream­journalismus die Kunst versteht, mehr oder weniger weitschweifig ›Jein‹ zu sagen. [mehr]

Kolumne

Kinder sind Ereigniszeit-Wesen

Von  Henning Köhler, März 2013

1952. Ein Mann irrt durch Afghanistans Hauptstadt Kabul und fragt überall nach seinem Bruder. Niemand kann ihm helfen. Er reist unverrichteter Dinge wieder ab, kommt im nächsten Jahr zurück, sucht auch diesmal ohne Erfolg. Das wiederholt sich mehrmals. Ein US-Diplomat hört davon, will dem Mann Hilfe anbieten. Dieser erklärt, er habe sich mit seinem Bruder in Kabul verabredet, ohne das Jahr festzulegen. Der Vorfall – überliefert von dem Kulturforscher Edward T. Hall – lässt ahnen, dass am Hindukusch in den letzten 50 Jahren buchstäblich zwei Welten aufeinander prallten. Zwei junge Deutsche fahren durch eine ländliche Gegend in Indien. Das Auto streikt. Sie gehen zu Fuß weiter, rufen vom nächsten Dorf aus eine... [mehr]

Kolumne

Hausaufgaben – ein alltägliches Drama

Von  Henning Köhler, Februar 2013

Roman hat wieder mal seine Hausaufgaben nicht gemacht. Er besucht die fünfte Klasse einer süddeutschen Waldorfschule. Der Klassenlehrer legt großen Wert auf regelmäßige und ordentliche Hausaufgabenerledigung. Romans Eltern wurden nachdrücklich auf die didaktische Notwendigkeit und den erzieherischen Nutzen von Hausaufgaben hingewiesen. Aus schulischer Sicht scheint der Fall klar zu sein: Roman folgt dem Lust-und-Laune-Prinzip, man muss ihn streng dazu anhalten, seinen Pflichten nachzukommen. Perspektivenwechsel. Roman ist eines der Kinder, denen es auch mit elf Jahren noch schwer fällt, im Zustand weitgehender körperlicher Inaktivität stundenlang die Aufmerksamkeit zu fokussieren. Er bemüht sich aber und hat gegen Mittag... [mehr]

Kolumne

»Halt deinen Mund! Dich hat niemand gefragt!«

Von  Henning Köhler, Januar 2013

»Regelmäßige, über einen langen Zeitraum sich hinziehende, massive, aggressive Eingriffe in das Leben und Handeln eines anderen Menschen« (Schallenberg) bezeichnet man als »Mobbing«. Die Gewalt geht zumeist von Gruppen aus und richtet sich gegen Einzelpersonen. Körperliche Attacken können, müssen aber nicht dazugehören. Neben Bedrohung und offener Bloßstellung gelten als typische Mobbinghandlungen: einem Menschen häufig das Wort zu verbieten, ihn zu ignorieren, auszugrenzen, mit sinnlosen Arbeitsaufträgen zu demütigen, hinter seinem Rücken schlecht über ihn zu reden, zu kolportieren, er sei psychisch krank (Leymann). Mobbing ist sehr verbreitet, vor allem in der Arbeitswelt. Erwachsene mobben mehr und gnadenloser als Kinder, das vergisst man... [mehr]

Kolumne

Erhebende Momente

Von  Henning Köhler, Dezember 2012

»Die Bewusstseinsseele strebt danach, antisozial zur vollen Geltung zu kommen«, sagte Rudolf Steiner. Teilte er also das neodarwinistische Dogma vom angeborenen Egoismus? Natürlich nicht. Er stellte nur klar, dass die Beschwörung naturgegebener Sozialinstinkte am Kern der sozialen Frage, wie sie sich heute stellt, vorbeizielt. Seine sozialpsychologischen Betrachtungen beziehen sich auf ethische Haltungen höherer Ordnung, die innere Freiheit voraussetzen. [mehr]

Kolumne

Sozial und antisozial

Von  Henning Köhler, November 2012

Spekulationen über die biologischen Ursachen unseres Sozialverhaltens stehen zurzeit hoch im Kurs. Fast alle Autoren argumentieren genetisch-deterministisch. Auffallend ist ihre Weigerung, einen prinzipiellen Unterschied zwischen Mensch und Tier anzuerkennen. Gebetsmühlenartig wird die ›Automatik‹ einfühlsamen und kooperativen Verhaltens beschworen.  [mehr]

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Sozial programmiert?

Von  Henning Köhler, Oktober 2012

Richard Dawkins Buch »Das egoistische Gen« ist zu einer Art Bibel der neodarwinistisch orientierten evolutionären Psychologie geworden. Dieser Lehre zufolge ist der Mensch unfähig zu altruistischen Regungen. Uneigennütziges Verhalten erweise sich bei näherer Betrachtung als maskierter Egoismus.  [mehr]

Kolumne

Minderwertiges Leben?

Von  Henning Köhler, September 2012

Im Philosophie-Magazin 04/12 findet sich ein Pro & Contra zu der Frage: »Ist es moralisch vertretbar, ein Kind mit Downsyndrom wegen seiner Behinderung abzutreiben?« Dieter Birnbacher, Medizinethiker, bejaht das. Peter Radtke, Mitglied des Deutschen Ethikrats, widerspricht. [mehr]

Kolumne

Das Phlegma des Denkens

Von  Henning Köhler, Juli 2012

Rudolf Steiner bezeichnete die materialistische Weltauffassung als »Phlegma« des Denkens und fügte hinzu, im pädagogischen Raum werde sich daraus eine »ungeheure Gleichgültigkeit gegenüber den ... intimeren Seelenregungen des zu erziehenden Menschen« ergeben. Rund 100 Jahre sind seither vergangen. Der Materialismus hat eine steile Karriere hingelegt. Alles läuft darauf hinaus, »im Menschen das Bewusstsein seiner Geistigkeit zu ertöten« (Steiner). Die Leugnung autonomer Subjektivität oder personaler Identität gilt als unumgängliche Konsequenz illusionslosen Denkens. Der portugiesische Neurowissenschaftler Antonio Damasio schreibt, der Eindruck, wir seien mehr als nur Materie, resultiere aus »irreführenden Intuitionen« des Gehirns. Hirnzellen haben... [mehr]

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