Standpunkt

Massenmenschbildung

Von  Henning Kullak-Ublick, Februar 2014

Schulen, Gummibärchenfabriken und Atomkraftwerke sind mehr oder weniger das Gleiche: Produktionsfaktoren einer wettbewerbsorientierten Weltwirtschaft. Sie glauben das nicht? Gehören sie noch zu jener veralteten Spezies Mensch, die Bildung und Wissenserwerb für die Entwicklung eines aufgeklärten Werte-Bewusstseins (am Ende gar des eigenen Menschentums) für wichtig halten? Sie glauben noch ernsthaft daran, dass Bildung auch noch im 21. Jahrhundert einen Wert an sich darstellt, der ohne messbare Zweckbindung auskommt? Dann sollten Sie endlich zur Kenntnis nehmen, was die für die PISA-Tests verantwortliche »Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung« (OECD) schon in den 1960er Jahren dazu sagte: »Heute versteht es sich von selbst,... [mehr]

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Neujahrsvorsätze

Von  Henning Kullak-Ublick, Januar 2014

Ich nehme mir vor, in diesem Jahr ein Kind weniger verhungern zu lassen. Über zweieinhalb Millionen Kinder verhungerten 2013, bevor sie ihr fünftes Lebensjahr erreicht hatten. Das zu fühlen, fehlt mir die Kraft. Aber das Überleben eines einzelnen Kindes mit ein paar Euro zu ermöglichen, müsste gehen. Ich nehme mir vor, einem Kind eine Schulbildung zu ermöglichen. Während unsere designierten Regierungsparteien einmal mehr die schon ziemlich in die Jahre gekommene Sau des »Laptops für alle« durchs deutsche Mediendorf treiben, will ich mich darum kümmern, dass ein Kind in Bangladesch oder Indien ein Jahr eine Schule besuchen kann. Das alles ist nicht neu. In Rio entstand auf dem Weltklimagipfel vor 22 Jahren der Slogan »global denken, lokal handeln«,... [mehr]

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Wo ist das Kind?

Von  Henning Kullak-Ublick, Dezember 2013

Ach könnte nur dein Herz zu einer Krippe werden,Gott würde noch einmal ein Kind auf dieser Erden. Angelus Silesius Rhythmus ist eine der stärksten kulturbildenden Kräfte, die es überhaupt gibt. Aus gutem Grund eröffnete Rudolf Steiner seine pädagogischen Grundlagenvorträge, indem er über das Atmen und den Schlaf sprach. Während sich der Mensch über den Atem mit der Außenwelt verbindet, ver­arbeitet er während des Schlafes seine Erlebnisse in der geistigen Welt und trägt die Ergebnisse dieser Arbeit beim Erwachen in das Tagesleben hinein. Wie fruchtbar es für einen lebendigen Unterricht und die gesamte pädagogische Praxis ist, dieser im Rhythmus wirkenden Wechselbeziehung der geistig-seelischen und der... [mehr]

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Ohne Orte

Von  Henning Kullak-Ublick, November 2013

Von Zeit zu Zeit stelle ich mir vor, wie es einem Menschen ginge, der aus meinem Geburtsjahr 1955 direkt in das Heute katapultiert würde. Wie würde es sich beispielsweise anfühlen, überall von Menschen umgeben zu sein, die, statt miteinander zu sprechen, laute Selbstgespräche führen und dabei mit ihren Fingern auf irgendwelchen blinkenden Taschenspiegeln herumtippen? Wie stünde es mit Punkfrisuren, Rastazöpfen, grünen Haaren, Piercings oder zerrissenen Hosen in sündhaft teuren Geschäften? Warum hängen so vielen Leuten weiße Kabel aus den Ohren? Warum werden Männer und Frauen immer getrennt angesprochen? Hat es jemals zuvor eine Zeit gegeben, in der Eltern mittels der Ortungsfunktion von Mobiltelefonen auf den Meter genau wissen können, wo sich ihre... [mehr]

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Freiheit für das Bildungswesen

Oktober 2013

Dem neuen Bundestag legt der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) sieben Kernforderungen vor. [mehr]

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Der große Bruder lügt

Von  Henning Kullak-Ublick, September 2013

Im Juni machte die Nachricht Furore, der amerikanische Geheimdienst NSA erfasse allein in Deutschland monatlich eine halbe Milliarde Telefonate, E-Mails und sonstige elektronische Kontakte. Eine Woche später waren die Verkaufszahlen von George Orwells Roman 1984 in den USA um 5.800 Prozent nach oben geschossen Orwell schrieb seinen Zukunftsroman kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und sah darin den totalen Überwachungsstaat voraus, der die Menschen mittels einer damals völlig utopischen Technik bis in ihre Wohnzimmer hinein observierte. Die Überwachung 2013 geht weit über Orwells Albtraum hinaus. Von dem Terror, der in dem Roman auf die leiseste Abweichung von der offiziellen Doktrin zwangsläufig folgt, sind wir weit entfernt. Orwell beschrieb aber... [mehr]

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Alles gut?

Von  Henning Kullak-Ublick, Juli 2013

»Man wird häufig finden, dass die Verteidiger der Freiheit nicht selten die größten Tyrannen in ihrem Hause sind.« Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) [mehr]

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Chapeau für angstfreies Lernen

Von  Henning Kullak-Ublick, Juni 2013

Sie alle haben es getan: Thomas Mann, Hermann Hesse, Winston Churchill, Harald Schmidt, Ulrich Wickert und Otto Waalkes, aber auch Edelgard Bulmahn, Edmund Stoiber, Christian Wulff, Peer Steinbrück, Guido Westerwelle, Klaus Wowereit und übrigens auch der Autor dieser Zeilen: Sie blieben sitzen. [mehr]

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Helikopter, Tiger oder Könner?

Von  Henning Kullak-Ublick, Mai 2013

»Würdet ihr einen Typen heiraten, der bis zur Schule gestillt wurde?«, fragte die Autorin Tracey Morrissey in einem Blog und fügte hinzu: »Macht euch klar, welche Familienfeiern mit welchen Schwiegermüttern ihr durchzustehen hättet.« Vor einem Jahr sorgte ein Titelbild des US-Magazins »Time« mit einer stillenden Mutter für großes Aufsehen. Ihr Sohn stand nämlich, während er sich an der Milch labte, aufrecht auf einem Stuhl und ging auf seinen vierten Geburtstag zu. »Sind Sie Mutter genug?« fragte das Magazin die Leserinnen und berichtete von einer wachsenden Zahl von Eltern, die ihre Kinder überhaupt nicht mehr aus ihrer Schutzhülle entlassen, sondern in jedem Moment ihres Lebens vor jeglicher Frustration oder Gefahr bewahren wollen. Mit dem genauen... [mehr]

Standpunkt

Mit den Augen der Schüler

Von  Henning Kullak-Ublick, April 2013

John Hattie ist ein australischer Erziehungswissenschaftler, der durch sein 2008 erschienenes Buch »Visible Learning« schlagartig weltweit bekannt wurde. Hattie veröffentlichte dort die Ergebnisse einer Untersuchung, für die er im Verlauf von anderthalb Jahrzehnten alle englischsprachigen Analysen zum Lernerfolg von Kindern ausgewertet hatte.  [mehr]