Experten warnen vor härteren Jugendstrafen
Die Jugendgewalt in Deutschland ist insgesamt rückläufig. Mit der Frage nach den Gründen für diesen Befund setzte sich eine Tagung in Hamburg auseinander, an der Kriminologen und Fachleute aus dem Justizwesen teilnahmen.
Auf der Tagung »Gemeinsam gegen Jugendgewalt« Mitte November stellte Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, die Ergebnisse einer Studie vor, die erklärt, warum die Gesamtzahlen im Bereich der Jugendgewalt in Deutschland rückläufig sind: Die Gewalt in der Familie nimmt ab. Pfeiffers Forschungsergebnissen zufolge hat sich die Zahl der Kinder, die in Familien regelmäßig geschlagen werden, seit den 80er Jahren halbiert. »Die Quote derjenigen, die von ihren Eltern regelmäßig in den Arm genommen worden sind, hat sich gleichzeitig um fast ein Drittel erhöht«, so Pfeiffer.
»Die eigentlichen gesellschaftlichen und sozialen Ursachen für gravierendes dissoziales Verhalten junger Menschen lassen sich nur durch nachhaltige, faire Sozial-, Familien- und Bildungspolitik beeinflussen«, ergänzte Dr. Nadine Bals von der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen. Sie warnte vor härteren Jugendstrafen. Eine Anhebung der Höchststrafe für Jugendliche, Warnschussarrest und andere strafverschärfende Maßnahmen verfehlten ihr Ziel. »Es ist ein Mythos, mit einer solchen neuen Sanktion Jugendkriminalität verhindern zu können«, so Bals. Vielmehr zeige die Statistik, dass 70 Prozent der Jugendlichen nach einem Freiheitsentzug rückfällig werden. Bals, Expertin für Kriminalprävention, fordert stattdessen eine spezialisierte Aus- und Weiterbildung für alle Jugendrichter und Jugendhelfer im Strafverfahren.
»Gemeinsam gegen Jugendgewalt« ist eine Kooperation der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und der Robert Bosch Stiftung. Die Tagung wird am 19. März 2012 in Stuttgart unter dem Schwerpunkt »Prävention« fortgesetzt.
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