Konsumenten wenden sich von Nahrungsmittelindustrie ab
Das Misstrauen gegen Fertigprodukte aus dem Supermarkt wächst in der deutschen Bevölkerung. Dies zumindest legen Studien nahe, die im Jahr 2010 erschienen sind.
Das Institut Fresenius stellte bei einer Untersuchung fest, dass nur jeder zehnte Verbraucher Industrie und Politik in Sachen Lebensmittel vertraut. Jeder fünfte lehnt gentechnisch veränderte Zutaten ab, versteht die Angaben auf Verpackungen nicht und fürchtet, Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker und Farbstoffe seien gesundheitsschädlich.
Eine Arbeitsgruppe der Universität Göttingen erkannte einen deutlichen Trend: eine neue »Sehnsucht nach Natürlichkeit«. Effizienz und Technologisierung würden von Verbrauchern als »negative Veränderung von Naturprozessen« wahrgenommen. »Die Lebensmittel«, so Maike Kayser, eine Mitautorin der Göttinger Studie, »sind so komplex geworden. Der Vebraucher muss oft einfach dem vertrauen, was auf der Packung steht. Häufig sind Produktdeklarationen so gestaltet, dass er nicht erkennen kann, was genau er vor sich hat.«
Die Deutschen wenden sich auch zunehmend von der industriell erzeugten Fleischnahrung ab. Die Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre dürften dazu das ihrige beigetragen haben. Laut einer im Juni 2011 veröffentlichten Umfrage von Forsa betrachten sich derzeit rund 65% der Frauen und 40% der Männer als »Teilzeitvegetarier«. Der Vegetarierbund Deutschland wird von neuen Mitgliedern überrannt: 2010 und 2011 stiegen die Zahlen um jeweils 30% gegenüber 5% in früheren Jahren.
Besonders sensibel sind laut Maike Kayser – verständlicherweise – Eltern mit Kindern: »Eltern wollen dringender wissen als Singles, woraus das Essen besteht. Deshalb sind die Produkte im Babynahrungssegment inzwischen zu 64 % Bio, in anderen Segmenten aber nur zu zwei bis vier Prozent.«
Dem Bedürfnis nach neuer Natürlichkeit steht allerdings die Entwicklung der Arbeitswelt gegenüber, die immer mehr Menschen dazu zwingt, sich unterwegs oder in Kantinen zu verköstigen, ohne dass sie kontrollieren können, was in ihr Essen hineinkommt und wo die Nahrungsmittel herkommen. Dies wird über kurz oder lang dazu führen, dass Schul- und Betriebskantinen von Konsumenten unter die Lupe genommen werden. Und wer sorgt dafür, dass wir wissen, was wir im Restaurant zu uns nehmen?
Mehr dazu auf der Webseite des Verbraucherschutzes lebensmittelklarheit.de und auf der Webseite der »Essensretter« foodwatch.de
Quelle: FAZ
Alle Nachrichten in dieser Kategorie
Freie Schulen: Pädagogische Avantgarde
Der Erfolg des freien Schulwesens in Deutschland liegt in seiner Wandlungsfähigkeit begründet. Diese Auffassung vertritt der Bildungsforscher Heiner... [mehr]
Internationaler Begabungskongress in Münster
Begabungsförderung von der Kindheit bis ins hohe Alter. 800 Teilnehmer aus der ganzen Welt erwartet. [mehr]
Klimaschutz durch biologischen Landbau
Eine Ende 2011 veröffentlichte Studie von FiBL Österreich belegt eindrucksvoll das Potential des Biolandbaus, langfristig zum Klimaschutz... [mehr]
Skurrile »Wissenschaft«: »Schokolade macht dünn«
»Schokolade macht dünn«, so oder ähnlich überschrieben verschiedene deutsche Tageszeitungen und Wochenmagazine zur Monatswende Berichte über eine... [mehr]
Studie: Betreuung von Kleinkindern in Deutschland könnte besser sein
In Deutschland fällt die pädagogische Qualität der Bildung, Betreuung und Erziehung von kleinen Kindern im Durchschnitt nur mittelmäßig aus. Das... [mehr]
Wozu Bildungsökonomie?
Unter diesem Titel dokumentiert der Deutsche Lehrerverband die Beiträge einer Fachtagung aus dem Jahr 2011, die eine Reihe von Beiträgen zu den... [mehr]
Gymnasium: Klug, aber krank
Überdurchschnittlich viele Gymnasiasten leiden an Kopfschmerzen und chronischem Stress. Das geht aus einer LMU-Studie hervor, für die 1260 Münchner... [mehr]
Online-Studium biologisch-dynamische Landwirtschaft
Die UK Biodynamic Associaton (BDA) bietet ein voll anerkanntes Fernstudium in biologisch-dynamischer Landwirtschaft zum ersten Mal online an. Das... [mehr]
Diskussionen in der Familie stärken Jugendliche
Teenager können unter enormen Druck geraten, wenn Freunde sie zu Alkohol-, Zigaretten- oder Drogenkonsum überreden wollen. Wer sich im Schutz der... [mehr]
Licht hält Jugendliche länger wach
Je heller es nachts in den Wohngebieten ist, desto später gehen Jugendliche ins Bett. Eine Studie an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg mit mehr... [mehr]













