»Anthroposophie erleben«. Ein großer Tag für anthroposophische Initiativen in Berlin

Angelika Oldenburg

Blauer Himmel, frischer Wind, vor der Kulisse von Philharmonie, Staatsbibliothek und Nationalgalerie eine Spirale von Markständen, der Klang von Kinderstimmen weht über den Platz, der Geruch von Popcorn und Waffeln – und viele, viele Menschen. Solche Feste gibt es in Berlin täglich, aber das hier am 25.Juni  war für uns etwas Besonderes: Etwa siebzig anthroposophische Initiativen und Organisationen präsentierten sich auf dem Platz vor dem Kulturforum.

Buchstäblich von der Wiege bis zur Bahre: Die Waldorfkindergärten hatten gleich drei Stände zusammengestellt und große Tisch davor luden ein zum Basteln, Malen, Filzen; sie waren immer von Kindern umlagert. Einige Stände weiter konnte man bei  Angela Fournes aus einem Korb Texte zum Thema Tod und Leben ziehen – sie ist Sterbebegleiterin und Bestatterin.

Und zwischen diesen Polen ließ sich alles finden: der Gemeinschaftstand der KunsttherapeutInnen lud zum gemeinsamen Malen ein, anthroposophische Grundlagenliteratur konnte man am Bücherstand studieren, die Eurythmistinnen informierten über ihr Studium, das Kaspar-Hauser-Therapeutikum verkaufte farbenfrohe Kladden und Tagebücher, Info3 war mit Heften und Büchern aus Frankfurt angereist, aber es gab auch einen Stand der Zeitschrift« Mensch und Architektur«, aus Berlin. Einige Waldorfschulen informierten über ihr Angebot, die verschiedenen Essstände konkurrierten mit Kuchen, Ingwer-Möhren-Suppe und ganzen gebratenen Forellen. Es gab Informationen zur Dreigliederung und zu Camphill, zum Krankenhaus Havelhöhe, zur GLS-Bank, zum Grundeinkommen …

In der Mitte des Marktes, direkt gegenüber der Bühne, stand der zentrale Informationsstand, auf dem man die Flyer mit dem Gesamtplan abholen konnte; daneben war der Stand des Rudolf-Steiner-Hauses mit dem frisch gedruckten Veranstaltungskalender und dem Adressverzeichnis und – ein besonderes Glanzlicht – mit einem neuen Kursprogramm zum Schulungsweg, das im Herbst beginnen wird. Auch die Programme zur Ausstellung der Glasfenster aus dem Goetheanum ab August und zum anthroposophischen Kongress im Oktober lagen dort aus. Es ist, im Umkreis von Rudolf Steiners Geburtsjahr, gerade einiges los in Berlin! Und daneben gab es einen Stand »Anthroposophie international«, wo Bücher auslagen zu der Arbeit von Ute Craemer in den Favelas von Sao Paulo, zu Sekem in Ägypten,  dazu einige Flensburger Hefte zur Globalisierung.

Es war ein Tag der Begegnungen – der Arzt aus Brasilien, der von einem Neurologenkongress in der Nähe zufällig vorbeikam, selbst Waldorfschüler gewesen war und überrascht über den Platz spazierte; alte Freunde, die sich nach Jahren wieder einmal über den Weg liefen; Schüler trafen ihre Lehrer wieder und Menschen aus den verschiedensten Einrichtungen, die noch niemals miteinander gesprochen hatten, fanden hier die Gelegenheit dazu.