Bodenbakterien im Einsatz gegen Krebs

Lorenzo Ravagli

Die Therapie bedient sich des Bakteriums Clostridium sporogenes, das in vielen Böden lebt. Sporen des Bakteriums werden Patienten injiziert und wachsen nur in Tumoren heran, in denen sie ein spezifisches Enzym produzieren. Daraufhin wird dem Patienten ein noch inaktives Krebsmedikament injiziert, das von den Enzymen des Bakteriums aktiviert wird, wenn es den Tumor erreicht, so dass der Wirkstoff nur im Tumor seine Wirkung entfaltet, und nicht in gesunden Körperzellen.

Wissenschaftler an den Universitäten Nottingham und Maastricht haben jetzt die Voraussetzung für klinische Testreihen geschaffen. Sie haben in die DNA des Bakteriums eine optimierte Version des betreffenden Enzyms eingebaut. Es kann in viel größeren Mengen im Tumor produziert werden und wandelt das inaktive Medikament in größerem Maße um als bisher.

Eines der großen Probleme der medikamentösen Krebstherapie ist, dass diese die kranken Zellen trifft, ohne die gesunden zu schädigen. Professor Nigel Minton, der die Forschungen leitet, erklärt, dass die neuen Bakterien genau dies tun. »Clostridia sind sehr alte Bakterien, die die Erde bewohnten, bevor sie eine sauerstoffreiche Atmosphäre besaß und leben bis heute in solchen Milieus. Wenn die Clostridia-Sporen einem Krebspatienten injiziert werden, wachsen sie nur in sauerstoffarmen Milieus, das heißt im Zentrum der Tumore. Das ist ein vollkommen natürlicher Vorgang, der keine besonderen künstlichen Bedingungen erfordert und höchst spezifisch ist. Dieser natürliche Vorgang kann benutzt werden, um Tumorzellen abzutöten und die gesunden Zellen zu schonen«. Die Forschungen könnten zu einem einfachen und sicheren Verfahren führen, um eine große Zahl von Tumoren abzutöten. »Die Therapie könnte alle möglichen Tumorzellen bekämpfen. Die Behandlung ist einer chirurgischen Entfernung überlegen, besonders bei Hochrisikopatienten, oder bei solchen mit schwer zugänglichen Tumoren«, erläutert Minton. »Eine erfolgreiche Testreihe könnte dazu führen, dass die Therapie breit angewendet wird«.

Quelle: Eurekalert