Dioxinskandal: Systemwechsel in der Landwirtschaft nötig

Lorenzo Ravagli

Die 1400 Demeter-Bauern in Deutschland und viele ihrer Öko-Kollegen hätten längst gezeigt, dass tiergerechte Haltung in einem vielfältigen, geschlossenen Hoforganismus einziger Garant für qualitativ hochwertige Lebensmittel sei. Sie halten genau so viele Tiere wie ihre Weide- und Ackerflächen zulassen, erzeugen das benötigte Futter überwiegend selbst und verwandeln den Mist der Tiere in besten Dünger, der die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig fördert. Wer im Gegensatz dazu Tiere als reine Produktionsmittel betrachte, habe beim Futter allein den Output – Fleisch oder Ei – im Blick und greife auf alles zurück, was Kalorien zuführe, unabhängig davon, ob es der Tiernatur entspreche.

»Im Grunde genommen steht hinter der Dioxin-Problematik dasselbe verhängnisvolle Denken wie bei BSE vor elf Jahren. Es zeigt sich, dass Politik und Agrar-Industrie daraus nichts gelernt haben. Alle Bemühungen richten sich lediglich auf Optimierung technologischer Prozesse oder auf schärfere Kontrollen und sind gescheitert«, unterstreicht Demeter-Vorstand Stephan Illi. Der Wunsch der Verbraucher nach gesunder Nahrung erfülle sich nur, wenn respektvoller Umgang mit den Tieren mit verantwortungsbewusster Herdenführung und tiergemäßer Fütterung einher gehe und die landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus diesen transparenten Zusammenhängen entsprechend honoriert würden. »Wer sich an den Bedürfnissen des Tieres orientiert und entsprechend füttert, erhält nicht nur gesunde Tiere, sondern auch besonders leckere und gesunde Lebensmittel«, erklären die beiden Demeter-Vorstände Fischer und Illi.