Geteiltes Bewußtsein ist halbes Bewußtsein

Lorenzo Ravagli

Am Computer zu arbeiten und nebenher fernzusehen, beeinträchtigt die Aufnahmefähigkeit beträchtlich. Wieder einmal bestätigt ein wissenschaftliches Experiment den gesunden Menschenverstand und die Alltagserfahrung. Dass der laufende Fernseher oder Radio beim Lesen oder Lernen ablenkt, dürfte jeder schon einmal erlebt haben.

Adam Brasel und James Gips vom Boston-College fanden »schockierend«, was sie bei ihrem Experiment beobachtet haben: Die Probanden, die mit Fernseher und Computer in einem Raum saßen, schweiften im Durchschnitt alle 14 Sekunden von einem zum anderen Medium. Und sie bemerkten es nicht einmal: währen die meisten glaubten, sie hätten in einer halben Stunde nur etwa 15 Mal hin und her gesehen, taten sie dies in Wahrheit durchschnittlich 120 Mal.

Das multimediale Zeitalter, so die Professoren, hat Auswirkungen auf die Arbeitswelt und das Produktmarketing. Wenn immer mehr Arbeitnehmer Computer und Fernseher gleichzeitig nutzen, frägt sich, ob sie überhaupt noch imstande sind, sich ausreichend auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Auch bei Jugendlichen unter 18 ist die gleichzeitige Nutzung vieler Medien weit verbreitet. Dabei haben die Professoren Handys noch gar nicht berücksichtigt. Für Marketingspezialisten erhebt sich die Frage, wie sie überhaupt noch Aufmerksamkeit erregen können, wenn es keine Bewusstseine mehr gibt, die Zeit genug haben, um ihre Botschaften zu verstehen.

Department of Marketing, Boston College

Quelle: »Media Multitasking Behavior: Concurrent Television and Computer Usage«, S. Adam Brasel, James Gips; Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking. Online-Veröffentlichung.

Siehe auch den informativen Artikel in der New York Times: If your Kid's are awake, they are probably online