I feel pretty. Gesang und Tanz wird Unterrichtsprogramm

Mathias Maurer

Die Machos der sich bekriegenden Jugendgangs stampfen und schreien, sie gestikulieren wild und kloppen sich, zum Schluss bringen sie sich um – ohne in ihrer Rolle aus der Rolle zu fallen. Und auch die Mädchen sind nicht auf den Mund gefallen: Ihre Auftritte kontrastieren durch ihren Witz und Scharfsinn, durch ihre Freude und Trauer über die dramatische Entwicklung, deren stärkste Passagen in den Gesangsszenen zum Ausdruck kommt. Es gibt die bösen Anführer, die Mitläufer, die Vermittler und den Helden, der stirbt. Und zum Schluss die Versöhnung (der Mädchen): »Love is never right or wrong.« Das Stück ist inhaltlich nicht anspruchsvoll; es in seiner Einfachheit nicht zur Banalität, gar zur Peinlichkeit in Darstellung und Ausdruck einer Schüleraufführung werden zu lassen, im Gegenteil, es authentisch und selbstbewusst auf die Bühne zu bringen, dazu gehört intensives Training, eine harte Übung, die schon in der 11. Klasse beginnt. Dass diese Arbeit Erfolg zeitigte, ist der erstmals an dieser Schule eingeführten einjährigen Vorbereitungszeit in Gesang, Stimmbildung, Tanz und Ausdruck zu verdanken, die in Zukunft als festes Unterrichtsprogramm in der Oberstufe aufgenommen wird. Überzeugend waren hier vor allem die tänzerischen Darbietungen als Gruppe, und zum Teil geradezu anrührend die Gesangsleistung der Protagonisten – nicht nur der weiblichen. Die Evergreens dieses Musicals, die hervorragende musikalische Begleitung durch das Orchester, das auf der Bühne mitten im Geschehen saß, passten perfekt in den Handlungsablauf.

Während die Theaterstoffe für das Zwölftklassspiel an Waldorfschulen meist nach inhaltlichen Kriterien ausgewählt werden – und man wieder bei den Klassikern landet –, ist der Schwerpunkt hier anders gesetzt: Die Schüler üben sich bis an ihre Grenzen kommend vor allem im Theater-Handwerk – und das erfordert Fleiß und Ernst, bringt aber augen­scheinlich jede Menge Spaß.