Ifo-Institut: Internet macht Jugendliche sozial aktiver

Lorenzo Ravagli

Im Gegensatz zum Fernsehen dominieren im Internet laut Ifo-Institut Information und Kommunikation, es bietet eine Vielfalt von Kontaktmöglichkeiten und endlose Hinweise auf Veranstaltungen. Die Forscher widersprechen in ihrer Studie dem Mythos, das Internet vereinsame die Menschen und führe zu einer Erosion der Grundlagen unserer Gesellschaft.

Jugendliche, die einen schnellen Internet-Anschluss nutzen können, gehen nach Ludger Wößmann, dem Bereichsleiter Humankapital am Ifo-Institut, häufiger Gruppenaktivitäten außerhalb der Schule nach, sie besuchen vermehrt Sportvereine, nehmen Musik- oder Gesangsunterricht oder an Jugendgruppen teil.

Zwar zeigen zahlreiche Studien, dass die Computer- und Internetnutzung kaum positive Effekte auf die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen hat, aber sie regt offenbar ihre vielfältigen außerschulischen Aktivitäten in positiver Weise an. Sie reagieren auf das neue Medium wie Erwachsene, bei denen ebenfalls keinerlei negativen Effekte hinsichtlich der sozialen Partizipation festzustellen sind. Im Ergebnis nimmt das Maß der informellen sozialen Interaktion durch das Internet sogar signifikant zu: Menschen mit schnellem Internetanschluss gehen häufiger ins Theater, in die Oper, ins Kino oder ins Konzert.

Das Internet wird offenbar vor allem interaktiv genutzt. Es erleichtert die Kontaktpflege mit anderen Menschen und die Verabredung in der realen Welt. Dies ist natürlich ein Kennzeichen des Web 2.0, in dem die sozialen Netwerke dominieren.

Die ifo-Forscher nutzten Daten über die Verfügbarkeit eines DSL-Zugangs im Haushalt und das soziale Verhalten von ca. 18.000 Erwachsenen sowie 2.500 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 7 und 16 Jahren, die im Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) enthalten sind.

Publikation:

Stefan Bauernschuster, Oliver Falck und Ludger Wößmann: Surfing Alone? The Internet and Social Capital: Evidence from an Unforseeable Technological Mistake, CESifo Working Paper 3469, Mai 2011.

Die Studie kann von der Website des Instituts als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

Siehe auch den Kommentar: Die zwei Gesichter der Matrix