Kinderonkologen wollen mehr über Komplementärmedizin wissen

Medizinische Methoden, Produkte und Praktiken, die derzeit noch nicht Teil der Schulmedizin sind, gewinnen immer mehr an Bedeutung. Auch bei der Therapie von krebskranken Kindern wird in steigendem Maße, ergänzend oder alternativ zur Schulmedizin, anthroposophische Medizin, Homöopathie und Akupunktur eingesetzt. Die Studie »Attitudes and beliefs of paediatric oncologist regarding complementary and alternative therapies« wurde im renommierten Fachblatt Complementary Therapies in Medicine veröffentlicht.

Die Mehrzahl der Studienteilnehmer glaubt, dass es wichtig ist, offen mit den Eltern von krebskranken Kindern über Komplementär- und Alternativmedizin zu sprechen. Weniger als die Hälfte der Kinderonkologen tut dies aber. Der Grund für diesen Widerspruch liegt darin, dass fast die Hälfte der Antwortenden (48 Prozent) während der Universitätsausbildung nichts über Komplementär- und Alternativmedizin gelernt hat. Auffällig war, dass Kenntnisse darüber vor allem jüngere Ärzte haben oder solche, die in kleineren nicht-universitären Kliniken arbeiten. Um Wissenslücken zu schließen, sind 85 Prozent der Kinderonkologen für eine bessere Aus- und Fortbildung zum Thema Komplementär- und Alternativmedizin.

»Wir konnten eine grundsätzliche Offenheit von Kinderonkologen gegenüber Komplementär- und Alternativmedizin feststellen«, meint Studienautor Alfred Längler vom Kinderonkologischen Zentrum im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke. Vor allem Methoden wie Massagen oder Yoga würden laut Meinung der Studienteilnehmer die Lebensqualität bei krebskranken Kindern steigern. Skeptisch werde dagegen der Einsatz von speziellen Diäten und Vitaminen gesehen. Gründe, weshalb Kinderonkologen bei der Behandlung ihrer Patienten nicht noch mehr auf Komplementär- und Alternativmedizin zurückgreifen, sind – neben fehlenden Kenntnissen der Ärzte – Sorgen wegen möglicher Interaktionen mit konventionellen Behandlungsmaßnahmen (76 Prozent der Befragten) und zusätzliche Kosten für die Patienten (75 Prozent).

Das Abstract der Studie ist hier frei zugänglich