Krankenkasse warnt vor Ritalin

Lorenzo Ravagli

Der Konsum von Ritalin nimmt in Deutschland zu. 2009 bekamen rund 27 von 1000 der bei der Kasse versicherten Sechs- bis Achtzehnjährigen Arzneimittel mit dem Wirkstoff Methylphenidat. 2006 waren es 20 von 1000. Das ist eine Steigerung von 32 Prozent. Die Kasse warnt davor, jedes lebhafte oder auffällige Kind als gestört einzustufen.

Inzwischen entspricht die Menge des an Apotheken gelieferten Ritalin dem Gewicht eines kleinen Geländewagens. »Die Langzeitfolgen von Ritalin und Co. sind noch nicht erforscht und die Nebenwirkungen sehr umstritten«, teilt die Kasse mit. Methylphenidat könne bei falscher Dosierung Angstzustände oder Appetitlosigkeit auslösen. Das Medikament könne auch das Wachstum der Kinder beeinflussen.

Um der voreiligen Verschreibung von Ritalin vorzubeugen, sollte »ein speziell ausgebildeter Arzt mit Eltern, Lehrern und anderen Betreuungspersonen klären, ob die Symptome der kleinen Patienten nicht doch andere Ursachen haben«, empfiehlt TK-Apothekerin Edda Würdemann. Bei »sehr verhaltensauffälligen« Kindern hält sie allerdings Präparate mit Methylphenidat für angezeigt, um die Symptome schnell lindern zu können und eine Verhaltens- und Psychotherapie zu ermöglichen. Aber die medikamentöse Behandlung könne eine ganzheitliche Therapie nicht ersetzen. »Die betroffenen Kinder müssen lernen, langfristig mit ihren Symptomen umzugehen – auch ohne Medikamente.«

Quelle: dpa

Zur anthroposophischen Therapie bei ADHS siehe die wissenschaftliche Studie von Hamre et al (Download der PDF-Datei über DAMID)