Neurowissenschaft bestätigt Geistesforschung

Lorenzo Ravagli

Mit Hilfe der Magnetresonanztomografie und der Positronen-Emissions-Tomografie blicken die Neurowissenschaftler heute in die Gehirne schlafender Menschen und stellen fest: sie sind ebenso aktiv, wie während des Wachens. Aber diese Aktivität ist nicht mit Bewusstsein verbunden, wie am Tag, sondern mit Bewusstlosigkeit, höchstens mit Träumen.

Warum dies so ist, das erklärte Steiner zum Beispiel 1912 in einem Vortrag: »Die Kräfte, die wir vom Aufwachen bis zum Einschlafen verwenden, um Vorstellungen, Empfindungen und so weiter zu bilden, dieselben Kräfte arbeiten während des Schlaflebens an uns, aber so, dass die abgebrauchten Körperkräfte wieder ersetzt, wieder hergestellt werden. Da regenerieren sie uns, bessern aus, was abgenutzt und abgebraucht ist, das heißt, sie formen, sie gestalten. Während sie im wachen Tagesleben deformieren, die Gestaltung auflösen, und während das wache Tagesleben gerade darin besteht, dass wir die Gestaltung auflösen, ist der Schlaf dazu da, um die Form wieder herzustellen, das heißt, am menschlichen Bau direkt zu arbeiten. Weil wir während des Schlafes unsere Bewußtseinskräfte verwenden zum Aufbau gewisser verfallener Kräfte, deshalb entziehen sich uns diese Kräfte, und wir versinken in Bewußtlosigkeit.« (GA 62, S. 172)

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