Pestizide erhöhen das Risiko, an ADHS zu erkranken

Lorenzo Ravagli

»Den größten Einfluss hat die Ernährung«, so der Kinderarzt Phil Landrigan, Professor an der Mount Sinai School for Medicine in New York City. »Es konnte gezeigt werden, dass Menschen, die ihre Ernährung auf biologische Produkte umstellen, den Anteil von Pestizid-Abbauprodukten in ihrem Urin zwischen 85 und 90 Prozent senken.« 

Kanadische Wissenschaftler haben die Befunde von rund 1100 Kindern ausgewertet, die an amerikanischen Gesundheitszentren untersucht worden sind. Bei 119 dieser Kinder wurden Symptome von ADHS diagnostiziert. Bei Kindern, die substantiell höhere Anteile von Abbauprodukten neurotoxischer, phosphathaltiger Pestizide in sich trugen, wurde zweimal so häufig ADHS diagnostiziert als bei solchen, deren Befunde nicht auffällig waren. Die Wissenschaftler ziehen aus ihren Befunden den Schluss, Eltern sollten ihre Kinder biologisch ernähren, um das Risiko von ADHS zu minimieren. Viele andere Wissenschaftler empfehlen inzwischen, Schwangere sollten sich mindestens sechs Monate vor der Empfängnis und während der Schwangerschaft und Stillzeit nur noch von biologisch angebauten Produkten ernähren.

Die Untersuchung der kanadischen Wissenschaftler ist nicht die erste, die einen Zusammenhang zwischen phosphathaltigen Pestiziden und Gesundheitsproblemen herstellt. Bisher wurden meistens Farmer untersucht, die ständig mit Pestiziden zu tun haben. Die kanadischen Wissenschaftler waren die ersten, die nach Spuren von Pestiziden in Kindern in ganz Nordamerika suchten. Insektenvertilgungsmittel, die organische Phosphate enthalten, greifen die Nervensysteme der Insekten an – bedauerlicherweise auch die der Menschen. In den USA sind vierzig solcher Insektenvertilgungsmittel duch die Umweltschutzbehörde genehmigt. Die meisten Menschen nehmen sie durch die Nahrungsmittel, Trinkwasser und den Gebrauch im Garten auf.

Eine umfangreiche Studie in den USA fand 2008 nachweisbare Konzentrationen eines einzigen Organophosphats (Malathion) in 28 Prozent der untersuchten Blaubeeren, 25 Prozent der Erdbeeren und 19 Prozent der Sellerie. Malathion wird in den USA auch in Wohngegenden durch Flugzeuge versprüht, um Moskitos zu bekämpfen. Organophosphate werden mit Leukämie von Kindern in Beziehung gebracht und außerdem für das Bienensterben verantwortlich gemacht.

Quelle: msnbc.com