Richter werden grün – Entscheidung für genfreien Honig

Lorenzo Ravagli

Die Bienen des Imkers kümmerten sich nicht um Grundstücksgrenzen und flogen auch Versuchsfelder in der Nähe ihres Stocks an, auf denen die Maissorte Monsanto 810 angebaut wurde. Nach dem Urteil der EU-Richter darf Honig, der Spuren gentechnisch veränderter Pollen enthält, nur noch mit Zulassung verkauft werden, da es sich bei Pollen um eine »Zutat« handelt. Folge: die Regale in den Supermärkten müssen von solchem Honig freigeräumt werden, was vor allem Importe aus Kanada und Südamerika betrifft. Die Zeitschrift »Ökotest« berichtete Anfang 2009, bei einem Test seien in nahezu der Hälfte aller untersuchten Honigsorten solche Rückstände gefunden worden.

Die EU-Richter haben dem US-Multi Monsanto, der sich um Wiederzulassung der in Deutschland verbotenen Maissorte bemüht, einen Schuss vor den Bug erteilt. Die in den USA erfolgreich angewandte Taktik, durch schleichende Ausbreitung des patentierten Maises Bauern zu enteignen, verfängt in Europa nicht. Das Urteil betrifft auch Lobbygruppen der Agrartechnologie, die sich darum bemühen, die Nulltoleranz gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln abzuschaffen. Das Urteil stellt klar, dass nicht der schadenersatzpflichtig ist, dessen koventionell bewirtschaftete Felder durch genmanipulierte Produkte verunreinigt werden, sondern der, der diese Verunreinigung verursacht.

Mehr dazu beim Bündnis zum Schutz der Bienen vor Gentechnik