Heft 10 2008

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Inhaltsverzeichnis

Editorial

Petra Kühne
Rote Erdbeeren.
Essen mit allen Sinnen

»Oh, sind die Erdbeeren schön rot!« Dieser Ausruf gilt den frischen Erdbeeren, die auf dem Tisch in einer Schale liegen. Sie wurden zuerst gesehen, nicht gerochen oder gekostet. Der Ausruf beinhaltete sogleich ein Gefühlsurteil: Die Schönheit der Früchte - eine positive Empfindung. Das Sehen ist der »vorgelagerte« Sinn beim Essen. Aufgrund seiner Wahrnehmung fallen bereits viele Kauf- oder Verzehrentscheidungen. Nicht umsonst verpacken Lebensmittelhersteller ihre Produkte in bunte Behältnisse, bekleben sie mit ansprechenden Etiketten, wie auch der Koch die Speise hübsch garniert, bevor sie dem Gast aufgetragen wird. Der Sehsinn zählt somit zu den wichtigsten Sinnen beim Essen, obwohl er nur die Außenseite der Lebensmittel erfasst und man sich von seinen Wahrnehmungen sehr oft blenden lässt. Wer kennt nicht die Enttäuschung, wenn man von diesen so schön aussehenden Erdbeeren kostet und ihr Geschmack längst nicht das hält, was man aufgrund des Anblicks erwartet hat? Hier kommt bereits der zweite Sinn ins Spiel, der fast noch wichtiger beim Essen ist: der Geschmackssinn. Fehlt er nämlich, so fehlt auch der Appetit. Die Essmenge sinkt rapide.

Nikolai Fuchs
Bio - eine Glaubensfrage? 
Auf das Ganze kommt es an!

Für die häusliche Ernährung, aber auch für die Schulküche stellt sich immer wieder die Frage: Soll man nun biologische bzw. biologisch-dynamische Lebensmittel verwenden oder nicht? Für Waldorfeltern und -lehrer spitzt sich die Frage meist noch zu: Zum einen, da man schon genug Mehraufwendungen hat, wenn man das Schulgeld und alles damit Zusammenhängende (Klassenfahrten, Musikunterricht …) schultern oder als Lehrer mit dem niedrigen Einkommen auskommen muss. Zum anderen gibt es die leise Hoffnung: Wenn ich mich tüchtig im Anthroposophischen bewege, dann ist mein Innenleben so lebendig, dass ich vielleicht eine fehlende Nahrungsqualität etwas kompensiere …?
Letzteres stimmt sogar vielleicht ein bisschen. Es gibt Studien, die nachweisen, dass Kinder in Ländern, wo Hungersnot herrscht, weniger an Hunger leiden, wenn Bildung angeboten wird.
Aber wollen wir unseren Kindern morgens in der Schule ein gesundes Sinneserleben vermitteln und dann nachmittags mit »Fruchtzwerge-Joghurt« und Nutella das Aufgebaute wieder kolportieren? Wie geht es uns in der Elternbeitragskommission, wenn der Demeter-Landwirt, der seine Kinder zur Schule schickt, um einen Beitragsnachlass nachsuchen muss, weil er seine Produkte nicht ausreichend gut verkaufen kann? Und auf welche Bauernhöfe wollen wir unsere Kinder in der 9. Klasse zum Praktikum schicken - vielleicht auf einen konventionellen Putenmastbetrieb mit vielen tausend Puten, wo dann die Kinder die verendeten Tiere wegen der zu großen Dichte aus dem Stall herausklauben müssen? Es gibt genug Gründe, über biologische Lebensmittel und ihren Verzehr nachzudenken. Aber wir wollen hier der Frage nachgehen, ob Bio-Lebensmittel eigentlich gesünder sind. Dabei wollen wir die Ergebnisse der so genannten Parcifal-Studie, wonach Kinder, die Milch vom Bauernhof trinken, nachweislich weniger Allergien haben, noch außen vor lassen.

Katharina Grieger
Essen - pädagogisch:
Ernährungserziehung in der Waldorfschule

Die sozialen Strukturen sind im Wandel begriffen. Erziehung und auch Ernährung können zunehmend nicht mehr vom Elternhaus wahrgenommen werden. Die heutige Ernährungs- und Esskultur bedingt in vielfältiger Weise Erfahrungs‑ und Qualitätsverluste. Immer neue Empfehlungen im Umgang mit Säuglingen und Kindern verursachen Orientierungslosigkeit, Tradition und gesunder Instinkt sind kaum noch vorhanden. Der »Urberuf«, der in früherer Zeit wie selbstverständlich von den Müttern ausgeübt wurde, verliert zunehmend an Bedeutung. Dem Heranwachsenden fehlt häufig die Anschauung und Anleitung für eine gesunde Lebensführung.
Somit fällt der Schule die Aufgabe zu, diese Mängel auszugleichen. Entsprechend dem Ziel »Lebenskunde sei aller Unterricht« werden Inhalte vermittelt, die elementare Grundbedürfnisse thematisieren, die auch praktisch erübt werden. Es ergeben sich vielfach Bezüge zu anderen Unterrichtsfächern, die hier im Praktischen Anwendung und Bestätigung finden. »Erst tun - dann erkennen, erst erfahren - dann betrachten, erst Wirklichkeitsbegegnung - dann die distanzierte Reflexion.«1
Reicht die in der 7. Klasse empfohlene Ernährungs‑ und Gesundheitslehre-Epoche aus, um die Schüler auf eine verantwortliche Lebensführung in unserer heutigen Gesellschaft vorzubereiten? In dieser Epoche erfolgt durch den Klassenlehrer eine Einführung in die Ernährungskunde, in der nach Empfehlungen Rudolf Steiners den Kindern in einem Anschauungsunterricht Substanzen vorgestellt werden, die im wesentlichen Stärke oder Zucker, Fett und Eiweiß enthalten. Beschrieben werden soll, wie sich aus diesen Bestandteilen die Tätigkeit des menschlichen Organismus herleitet. Nach der Beschreibung der Atmung wird dem Schüler der Zusammenhang zwischen Atmung und Ernährung in Bezug auf die Gesundheitspflege nahegebracht.

Maria Tolksdorf
Essstörungen - oder der Versuch, ein bedrohtes Ich zu retten

Solange ich denken kann, war ich immer eine andere: Für meine Mutter die Vertraute, die vernünftige, kleine Erwachsene, für meinen Vater die Intelligente, die supertolle Sportlerin, für meine Freundinnen die Verständnisvolle, die immer zuhört, für die Lehrer die Beste. Ich habe das immer gespürt, wie ich sein soll, und ich habe mich auch total angestrengt und hatte ja auch Erfolge.
Ich habe eigentlich früher nie darüber nachgedacht, wie ich mich fühle, was ich selbst will und so. Irgendwann, ich glaube so ab 11, 12 Jahren, da hab ich das alles in Frage gestellt, aber es gab keine Antworten, nur ein großes, schwarzes Loch. Stundenlang stand ich vor dem Spiegel, habe da reingestarrt und nur eine leere Hülle gesehen. Ein Nichts, da war nichts. Mich gab es gar nicht wirklich, nur Masken für Andere. Ich glaube, da fing es an, dass ich mich so hässlich fand, so fett. Erst durch das Hungern, da hab ich überhaupt was Eigenes von mir gefühlt. Ich hatte Hunger, und ich konnte entscheiden, ob ich etwas esse oder nicht. Ich hatte plötzlich einen eigenen Willen und dann habe ich die Grenze gespürt, zwischen mir und den anderen. Ich war nicht mehr so, wie die mich wollten, das war ein geiles Gefühl von Macht.1
Dies ist ein Zitat einer 24-jährigen Frau mit einer langen anorektischen und bulimischen Vorgeschichte, die dies so gegen Ende ihrer Therapie ausgedrückt hat.

Aus der Schulbewegung

Lernfeste in der Mittelstufe
Wolfgang Nefzger

Es ist Monatsfeier, wie wir sie kennen und lieben: Wir zeigen, was wir gelernt haben. Drei mal im Jahr. Erst am Mittwoch den Mitschülern, dann am Samstag den Eltern. Die feierliche Stimmung, die gespannte Aufregung vor dem Auftritt, der Stolz nach vollbrachter Darbietung, der herzliche Applaus: Das sind unsere Schüler von Anfang an gewohnt. Eine Kultur des Zeigens, Vorführens und Teilnehmens am Erreichten, der Freude am selbstverständlichen Auftreten. Ältere Schüler finden wieder, was sie einst gemacht haben, die Kleineren sind neugierig, was die Großen schon alles können. Die Monatsfeier kennen wir in dieser typischen Ausprägung als musisches Programm, mit Chor und Orchester, mit eurythmischen und szenischen Darbietungen, mit Rezitation, Gesang und Flötenspiel.
Doch was ist mit all dem Anderen, das noch gelernt und geschaffen wurde im Lauf der letzten Wochen? Physikalische und chemische Experimente, Werkstücke und Bilder, Mathematik und geometrische Konstruktionen, Astronomie und Geografie, Geschichte und Biologie - wann bekommen wir das alles gezeigt? Oder verschwindet der ganze Reichtum in den Epochenheften sang- und klanglos in den häuslichen Regalen? Wird er in der Stille einer Klassenarbeit gefeiert, in der »Klausur«? Ist dieses Verstummen die Krönung des Lernens? Ich denke nicht. Neben den großen, ganz öffentlichen Feiern, neben diesem Rückzug in die einsame Leistung, kann es kleinere Lernfeste geben. »Viele, viele Monatsfeiern!« wie Rüdiger Iwan sagt.

Morgenkreis unter dem Buddhabild.
Waldorf- und anthroposophische Heilpädagogik in Thailand
Bernd Kalwitz

Noch etwas benommen vom Nachtflug, und halb erdrückt von der betäubend schwülen Hitze, bieten sich mir nach meiner frühmorgendlichen Ankunft in Bangkok als erstes vertraute Eindrücke: Kinder, die vor dem Unterrichtsbeginn fröhlich auf dem Schulhof spielen, Lehrer, die ihre Klassenräume vorbereiten, Tafelbilder, Sprüche und Portraits von Rudolf Steiner, Wachsmalstifte sowie ein wunderschöner Raum für Musiktherapie und Heileurythmie. Ungewohnt allerdings: über allem stets ein Buddhabild.
Die Tridhaksa Schule, in der ich empfangen werde, ist eine der beiden Waldorfschulen in Bangkok. Seit sieben Jahren wird hier nach dem Waldorf-Lehrplan unterrichtet.

Namaste - Volontariat in Nepal
Annahita Anna Zielonka

Ich schaue mich um. Eine laute Menschenmenge umgibt mich. Es ist schwül und heiß. Meine Kurta klebt an meinem Körper. Die vereinzelten Frauen, die ich sehe, sind in bunte Saris gehüllt, sie tragen dazu lange rote Ketten. Die gläsernen Armreifen, die an ihren braunen, knochigen Armen klimpern und die rote Farbe in ihrem Scheitel verraten mir, dass sie verheiratet sind.
Während die Frauen an ihren kleinen Obstständen an der Straße sitzen oder auf der Baustelle schwere Körbe auf dem Kopf schleppen, halten sich die Männer in den Teeshops auf. Ihre Häupter schmücken traditionelle, bunte Kappen. Die alten Männer tragen beigefarbene lange Hemden mit farblich dazu passenden Hosen, die an Schlafanzüge erinnern. Dazu praktische Gummilatschen, denen es nichts ausmacht, durch die vom Monsun aufgeweichten, matschigen Straßen zu waten.

Kenia:
Geschäftlich in Afrika.
Erlebnisse einer Waldorfschülerin
Sophie Kettenbach

Vom 30. Juni bis zum 16. August 2007 dauerte meine Keniareise. Ich war das erste Mal in Afrika - mit 17 Jahren. Der Grund war mein Sozialpraktikum, das ich mit Klassenkameradinnen an einer der beiden Waldorfschulen in Nairobi absolvierte, die wir mit unserer Schülerfirma »Nyendo« unterstützen.
Das Sozialpraktikum und der Einkauf der neuen Waren für Nyendo ließen sich wunderbar miteinander verbinden, zudem konnten wir endlich einmal vor Ort sehen, wofür wir zwei lange Jahre ehrenamtlich gearbeitet hatten. Man kann sagen, dass unser Sozialpraktikum bzw. soziales Engagement nicht nur drei bis fünf Wochen dauerte, sondern bereits ganze zwei Jahre.

Rhythmusmaschine der Phantasie.
»Kunst-Stück« - eine neue Unterrichtskultur
Caroline Krebietke

Kreativitätsförderung von klein auf und fast ohne Grenzen: Die Robert Bosch Stiftung unterstützt mit ihrem neuen Programm »Kunst-Stück« Kindergärten und Grundschulen in Baden-Württemberg, die Kreativität im pädagogischen Alltag fest zu verankern. Über einen Zeitraum von zwei Jahren erhalten sie jeweils bis zu 15.000 Euro für Kooperationsprojekte mit Künstlern und Kultureinrichtungen.

Brücken zwischen Licht und Schatten.
Das Unternehmen KuKuk und seine Perspektiven
Dietrich Esterl

Wir sind ein reiches Land, das aus Wundern entstanden ist: einem Wirtschaftswunder, einem Exportwunder, Fußballwunder, Verkehrswunder … Alles zum Bewundern in prachtvollen Bankgebäuden, Konsumtempeln, Stadien, Kultur- und Unterhaltungscentern. Für alles haben wir Raum. Die gewaltigsten Kosten brauchen wir nicht zu scheuen.
Doch halt: Da gibt es welche - es werden allerdings immer weniger - , die wir über den Wundern vergessen haben, auch wenn allseits versichert wird, dass wir uns um sie kümmern müssten: die Kinder.

Marionetten in der Pubertät?
Projekt einer 7. Klasse an der Freien Waldorfschule Schopfheim
Magdalene Dycke, Klassenlehrerin

Seit einigen Jahren hat sich an unserer Schule die schöne Tradition entwickelt, jeweils im siebten Schuljahr im Rahmen des Werk- und Handarbeitsunterrichtes Marionettenpuppen mit den Schülern herzustellen, mit welchen dann ein Märchen einstudiert werden kann. Dazu wurde vor vielen Jahren im kleinen Festsaal eine professionelle Marionettenbühne eingerichtet, die eine »Theateraufführung in Kleinformat« ermöglicht. Kulissen, Beleuchtung und Vorhang erlauben Spielabläufe wie beim Theater auf der großen Bühne. Für dieses Mal hatten wir das Stück »Der Teufel mit den drei goldenen Haaren« ausgesucht.
Der Marionettenbau sowie die Einstudierung des Stückes bieten vielfältige Lern- und Erfahrungsfelder, die der Entwicklungsphase der etwa 13-jährigen Schüler in verschiedensten Bereichen entgegenkommen und enorm bereichernd wirken.

Pädagogische Sommerakademie 2008
Andreas Neider

Unter dem Titel »Gesunde Lehrer - gesunde Schule. Salutogenese für Pädagogen« bildeten neben sieben inhaltlichen Referaten Seminare, künstlerische Workshops sowie die Klassenlehrer-Fortbildung den Schwerpunkt der Pädagogischen Sommerakademie. Der thematische Schwerpunkt richtete sich als neues Fortbildungsangebot vor allem an Waldorflehrer, aber auch an sonstig pädagogisch Tätige. Die Sommerakademie hatte sich dabei das Ziel gesetzt, vor allem auch den schon langjährig berufstätigen Waldorflehrern Handwerkszeug für den beruflichen Alltag, mentale Unterstützung, kurzum Rüstzeug für die eigene Fortentwicklung anzubieten.

Eine neue Dimension
Andreas Neider

Mit der Premiere der Eurythmieaufführung Symphonie/Eurythmie 2008 während der Pädagogischen Sommerakademie am 27. Juli in Stuttgart kamen die Teilnehmer der Sommerakademie und weitere Besucher im ausverkauften Saalbau der Uhlandshöhe zu einem grandiosen und einmaligen Erlebnis.
Gezeigt wurde durch das Ensemble der Goetheanum-Bühne und das Eurythmeum Stuttgart im ersten Teil die Dritte (»Schottische«) Symphonie von Felix Mendelssohn Bartholdy. Hier konnte man wie auf den Tourneen 2002 und 2004 bei Beethoven und Mozart tief eintauchen in die Musik der klassischen Symphonie, erfrischend und dramatisch zugleich. Das Orchester der Gnessin-Virtuosen unter Mikhail Khokhlov spielte hervorragend dazu auf. Gern schaute man hier in die Welt der klassischen Eurythmie.

Neues aus der Lehrmittelabteilung Kassel:
Hydromonochord. Physik 6. Klasse

Wilfried Sommer / Nicholas Meinzer

Was wirbelt an der Wirbelsäule?
Es begann vor Jahrzehnten mit einem Stück Dachrinne und der Frage, was an der Wirbelsäule eigentlich wirbelt. Trotz ihrer großen Biegungen ist die Wirbelsäule eher fest, sie ist nicht spiralig oder kreisend bewegt. - In der Embryonalentwicklung bildet sich die Wirbelsäule aus den Urwirbeln, die um die Rückensaite herum entstehen. Die Rückensaite gehört zu den ersten Strukturen, die sich im Keimling entwickeln.

Aus dem Archiv:
Waldorfschülerinnen im Dritten Reich
Christian B. Schad

Im Jahr 2008 feiert das evangelische Heidehofgymnasium in Stuttgart seinen 100. Geburtstag. Anlass genug, Archive zu sichten. Die Archivarbeit förderte interessante Dokumente zutage, die nicht nur für die Geschichte des Heidehofgymnasiums, sondern auch für die Waldorfschule von historischem Wert sind. Denn zwischen den beiden Bildungsinstitutionen gab und gibt es Gemeinsamkeiten.
Seit dem Gründungsjahr 1908 hatte es sich das »Heidehof« zur Aufgabe gemacht, reformpädagogische Ansätze zu wagen. Nicht weit von der Freien Waldorfschule Uhlandshöhe gelegen, entwickelte sich die Schule auf der Stuttgarter Gänsheide in »ein Schmuckstück besonderer Art, herrlich gelegen in einem wunderschönen, parkartigen Garten, fernab vom Getriebe der Großstadt«. Neu war an der Schule beispielsweise die Koedukation. Ein pädagogisches Element, auf das auch Rudolf Steiner bei der Schulgründung elf Jahre später Wert legte.


Zeichen der Zeit und Im Gespräch

Grandts »Schwatzbuch«
Martin Malcherek

Wie mittlerweile an mehreren Stellen durch die Presse gegangen ist, plant der Journalist Michael Grandt nach dem Versuch, ein »Schwarzbuch Anthroposophie« zu veröffentlichen, nun ein »Schwarzbuch Waldorf« auf den Markt zu bringen. Die Waldorfschulen sind nach wie vor ein Erfolgskonzept und die weltweit wohl meist beachtete Schulform, die einen eigenen pädagogischen Ansatz verwirklicht. Allein in Deutschland besuchen ungefähr 80.000 Schülerinnen und Schüler aus circa 50.000 Elternhäusern eine Waldorfschule. Insofern verspricht Kritik an Waldorfschulen oder dem »System Waldorf« ein gewisses Skandalisierungspotenzial, das nicht zuletzt die Prognose der Umsatzzahlen auf ein für Autor und Verlag vielversprechendes Niveau hebt.

Impfen - I
Bernhard Ludwig, Rechtsanwalt
 
Zur Nachweispflicht des Impfschutzes von Kindern vor ihrer Aufnahme in einen Kindergarten oder eine Schule. Das neue »Grundrecht auf Datenschutz« verletzt das Hessische Kindergesundheitsschutz-Gesetz.

Impfen - II
Ingo Weckenmann

Seit dem 1. Januar 2008 ist in Hessen gesetzlich geregelt, dass für jedes Kind, das in eine Gemeinschaftseinrichtung aufgenommen wird, eine so genannte Impfbescheinigung vorlegt werden soll.
Auf dieser Bescheinigung wird von Kinderärzten oder Hausärzten entweder bestätigt, dass der Impfstatus entsprechend den Empfehlungen der ständigen Impfkommission vollständig ist, oder dass medizinische Gründe eine vollständige Impfung nicht möglich machen, oder dass Impfungen fehlen und die Eltern nicht wollen, dass die Impfungen nachgeholt werden. Auf der Bescheinigung ist weiter vermerkt, dass das Kind nach § 34 des Infektionsschutzgesetzes aus der Kindergemeinschaftseinrichtung ausgeschlossen werden kann. In § 34 IfSG wird aber nur geregelt, bei welchen Erkrankungen ein Kind die Gemeinschaftseinrichtung nicht besuchen darf, und dass über die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission aufgeklärt werden soll: Es gilt aber weiterhin, dass kein Kind wegen  fehlender Impfungen vom Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung ausgeschlossen werden darf.

Neue Bücher

Kleine Tyrannen
Michael Winterhoff: Warum unsere Kinder Tyrannen werden.
Oder: Die Abschaffung der Kindheit. 190 S., geb. EUR 17,95. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2008
Rezensent: Wolfgang-M. Auer

Evolution
Bernd Rosslenbroich: Autonomiezunahme als Modus der Makroevolution. 347 S., kart. EUR 49, - . Wissenschaftliche Schriftenreihe des Instituts für Evolutionsbiologie und Morphologie Universität Witten/Herdecke, Martina-Galunder-Verlag, Nümbrecht 2007
Rezensent: Reinhard Wallmann

Goethes Weltkultur
Wolfgang Schad: Goethes Weltkultur. Gesammelte Schriften I. 430 S., geb. EUR 28, - . Verlag Freies
Geistesleben,
Stuttgart 2007
Rezensentin: Angelika Wiehl

Isenheimer Altar
Michael Schubert: Der Isenheimer Altar. Geschichte - Deutung - Hintergründe. 168 S., 234 Farbabb., geb. EUR 36, - . Verlag Urachhaus, Stuttgart 2007
Rezensent: Dirk Wegner

Baker Street Boys
Anthony Read: Baker Street Boys. Ein Detektiv verschwindet - Ein Magier tritt auf - Der Fluch des Rubins. Alle Bücher 160-170 S., geb. jew. EUR 9,90. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2007/2008 (ab 9 Jahren)
Rezensent: Bernhard Mrohs

Neue Märchen
Georg Dreißig: Das Lied der Nachtigall. Märchen und Erzählungen. 240 S., geb. EUR 13,50. Verlag Urachhaus, Stuttgart 2007
Rezensentin: Manuela Ziegert 

Ruby June
Ruth White: Tief da unten. 218 S. geb. EUR 16,90. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2008 (ab 12 J.)
Rezensent: Bernhard Mrohs

Filme:

Intersexualität
XXY, ein Film von Lucía Puenzo, Kool-Filmdistribution, Argentinien/Frankreich/Spanien, 2007, 91 min., www.koolfilm.de
Das verordnete Geschlecht, ein Film von Oliver Tolmein/Bertram Rotermund. Rotermund Filmproduktion, Deutschland, 2001, 62 min., www.das-verordnete-geschlecht.de
Rezensent: Ulrich Kaiser

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