Heft 4 April 2009

Inhaltsverzeichnis (als PDF zum Download)

Editorial (als PDF zum Download)

Cordula Mears-Frei
Ostern mit Kindern

Die Osterzeit schenkt uns jedes Jahr aufs Neue eine ganz besondere Erfahrungsmöglichkeit, auch dann, wenn religiöse Rituale und christliche Traditionen uns sonst eher befremden. Gerade mit Kindern stehen Naturerlebnisse in einer Fülle von Urbildern zur Verfügung, welche einladen, gleichermaßen jung und alt in den Osterprozess hineinzuführen.
Einen schönen Einstieg in die Karwoche kann die Betrachtung des zunehmenden Mondes bieten. Für die ganz kleinen Kinder kann es ein unvergessliches Erlebnis sein, den »vollen« Mond schließlich aus dem Wald emporsteigen zu sehen, und für viele ist die lange Wartezeit vor Ostern schon gewohnheitsgemäß verankert im Brauch, den Mond in seinem Werdegang zur großen, ganzen Kugel zu beobachten.

Karl-Martin Dietz
Produktivität und Empfänglichkeit
Wie arbeiten wir im Schulorganismus zusammen?

Eine gelingende Zusammenarbeit im freien Geistesleben beruht auf der Steigerung individuellen Zugriffs, nicht auf seiner Zurücknahme. Heute wird meistens das Gegenteil für selbstverständlich gehalten.1 Daher lohnt es sich, einige Mühe auf die Frage zu verwenden, wie das Kernanliegen des freien Geisteslebens verstanden und verwirklicht werden kann.
Aufgabe des Geisteslebens ist es, die produktiven geistigen Kräfte jedes einzelnen Menschen zu fördern und ihnen den Weg zu gesellschaftlicher Wirksamkeit zu bahnen - ein Anliegen, das, wenn auch vielfach verdunkelt und vernebelt, die heutige Bildungsdebatte zunehmend bestimmt. Unter dem Stichwort »Individualisierung« wird von soziologischer Seite herausgearbeitet, wie durch das Wegbrechen traditioneller Werte und Orientierungen für jeden einzelnen Menschen eine Verunsicherung entsteht, die, wenn sie nicht zu beheben ist, existenzielles Vakuum, Gewaltexzesse, Drogenkonsum usw. zur Folge haben kann. Ulrich Beck, der die Individualisierung als einen gesellschaftlichen Prozess in das Licht der Öffentlichkeit gerückt hat,2 formuliert die daraus folgende Aufgabe so: »Gefordert ist ein aktives Handlungsmodell des Alltags, das das Ich zum Zentrum hat.«3 Heute, mehr als 20 Jahre später, ist die Erfüllung seiner Forderung noch in weiter Ferne; sie scheint vielfach sogar aus den Augen verloren und durch andere Ziele ersetzt zu sein. Aus alledem entspringen aktuelle Aufgaben für die Gestaltung individueller Zusammenarbeit im Sinne eines freien Geisteslebens.

Thomas Jachmann
Lernen ohne Strafe?

»Der Mensch ist gar nicht gut, drum haut ihn auf den Hut …,« meint Bertolt Brecht in Mutter Courage und fährt fort, »und habt ihr ihn genug gehaut, so wird er vielleicht gut«. »Läge nicht in der menschlichen Wesenheit der Urgrund zur Verträglichkeit, man würde sie ihr durch keine äußeren Gesetze einimpfen!« heißt es dagegen in Rudolf Steiners Philosophie der Freiheit (Kapitel 9, Die Idee der Freiheit). Zwischen diesen beiden unterschiedlichen Lebensmaximen hin und her gerissen, versucht der gestresste Pädagoge den täglichen Mühen des Alltags stand zu halten und gerecht zu werden. »Ich habe mich schon wieder so über meine Schüler aufregen müssen«, gesteht er mit schlechtem Gewissen. In seinem Geiste repetiert er immer wieder das pädagogische Motto von Steiner aus der Allgemeinen Menschenkunde: »Durchdringe dich mit Phantasiefähigkeit, habe den Mut zur Wahrheit, schärfe dein Gefühl für seelische Verantwortlichkeit.«1 Manchmal zweifelt er stark daran, dass in der »menschlichen Wesenheit der Urgrund zur Verträglichkeit« liegen soll und hat auch nicht mehr den Mut dazu, sich bei aller Fantasiefähigkeit das noch vorzustellen. Wenn er an seine Siebtklässler denkt, erscheint ihm die Brechtsche Sichtweise der Wahrheit näher zu kommen. Doch dessen Schlussfolgerung: »Drum haut sie auf den Hut« will er auch keinen rechten Glauben schenken. Sein Gefühl für seelische Verantwortlichkeit sträubt sich dagegen.

Holger Baumann
Global denken und lokal handeln
Das Ökologie-Praktikum der 11. Klasse

Ist es von Belang, dass Nachtfalter, Schwebfliegen und Bienen aussterben, wenn eine Weltwirtschaftskrise ganze Konzerne, sogar Länder in den Ruin zu treiben scheint? Kümmert es jemanden, dass Mangroven-Wälder an tropischen Küsten abgeholzt werden, wenn die Menschen anderswo um Wohlstand oder gar Überleben bangen müssen?
Es hat lange gedauert, bis Warnungen von Wissenschaftlern über die drohende »Klimakatastrophe« - Darstellungen in den Erdkunde-Schulbüchern der 1980er und 1990er Jahre eingerechnet - im allgemeinen Bewusstsein auch nur halbwegs angekommen sind. War es nicht erst letztes Jahr? Und ebenso lange hat es gedauert, bis die erschreckenden Befunde über den weltweiten Artenrückgang auch von weiteren Kreisen wahrgenommen wurden: nämlich als von überlebenswichtiger Bedeutung für die ganze Menschheit.

Sylvia Führer
Durch die Krise zu Kooperation 

Können Sie sich folgende Situation vorstellen? Ein guter Freund erzählt Ihnen, er sei mit seinem Geschäft in eine finanzielle Notlage geraten. Sie laden ihn zum Essen ein und besprechen miteinander, wie Sie ihm helfen können. Am Ende geben Sie ihm ein paar tausend Euro, von denen Sie nicht wissen, ob Sie sie jemals zurückbekommen werden; jedoch sind Sie sicher, dass er damit sein Geschäft retten und seine Familie erst einmal über die Runden bringen wird. Nach ein paar Wochen kommt Ihr Freund völlig zerknirscht wieder: Alles hat nichts gebracht, sein Laden ist pleite gegangen, weil die Konkurrenz, eine weltweite Handelskette, ähnliche Produkte viel billiger verkaufen kann.
Im Privaten sozial zu handeln, wie im obigen Beispiel dem Freund gegenüber, hat zweifelsohne einen hohen Wert, kann aber scheitern, wenn wir es mit übermächtigen Strukturen zu tun haben, die im Wirtschaftsleben aktiv sind und den Einzelnen überrollen, so dass es nötig wird, gemeinsam im größeren Rahmen zu handeln. Spätestens seit der aktuellen weltweiten Finanzmarktkrise ist uns dies allen klar geworden.
Gesunde mittelständische Betriebe, die gute Produkte herstellen und fähige Mitarbeiter beschäftigen, müssen Insolvenz anmelden, weil die Nachfrage zusammenbricht. »Spekulationsfantastilliarden« blasen sich immer weiter auf, schwirren um den Globus - und zerplatzen. Die tiefer liegende Ursache ist leicht auszumachen: Ein Planet mit begrenzten Ressourcen ist nicht fähig, auf Dauer die realwirtschaftliche Basis für das exponentielle Wachstum des Kapitals bereitzustellen.

Gilbert Van Kerckhoven
Haushalten mit Geld.
Erfahrungen mit einer 4. Klasse

Die witzigsten und kreativsten Lösungen tauchten auf, als ich meiner Klasse als Teil der Rechen-Epoche mögliche Probleme des Haushaltsbudgets vorlegte. Ich hatte gerade diese Doppelklasse (4-5) übernommen. Die Klasse war - und ist noch immer - eine wilde Bande von Zehn- und Elfjährigen, die in ihrer kurzen Schulkarriere bereits vier Klassenlehrer hatte. Ein Schüler brachte es auf den Punkt, indem er sagte: »Wir gelten als die schlimmste Klasse der ganzen Schule«.
Als ich nun diese Klasse übernahm, war ich weder auf den Mangel an elementaren schulischen Umgangsformen vorbereitet, noch auf das fehlende Grundwissen im Rechnen. Die Schüler beherrschten kaum das Einmaleins und eine ganze Reihe von ihnen kannte sich nicht mit den vier Rechenarten aus. Sie waren zum Beispiel beim Addieren oder Subtrahieren nicht imstande, eine Ziffer als Übertrag zu notieren, geschweige denn zu multiplizieren. Nachdem wir zwei Wochen tüchtig gearbeitet hatten, um die Grundkenntnisse aufzufrischen, entschied ich mich, eine Pause einzulegen und Aufgaben zu stellen, die sich um Geld drehen, erst ganz allgemein und danach gezielte Berechnungen, die mit Einkaufen und Haushalten zu tun haben.

Ulrich Kling
Plädoyer für das freie Erzählen

Ein Europäer bereiste Afrika. Auf seinen Erkundungsfahrten hielt er sich einmal für einige Tage in einem abgelegenen Dorf auf. Er wurde freundlich aufgenommen und in einer einfachen Strohhütte beherbergt. Während seines Besuches lernte er das Leben der Menschen kennen. Harte Arbeit hatten sie während des Tages zu verrichten. Doch am Abend trafen sie sich vor der Hütte des Medizinmannes. Dieser war gleichzeitig der Geschichtenerzähler des Ortes. Bei Anbruch der Dunkelheit begann er, Erwachsenen und Kindern zu erzählen. Nach einiger Zeit bemerkte der Europäer, dass sich die Geschichten wiederholten. Zwar wurden sie in verändertem Wortlaut vorgetragen, doch waren es zweifellos die gleichen Geschichten, die der Medizinmann schon einmal oder sogar mehrmals zu Gehör gebracht hatte.
Der Europäer, der sich für sehr zivilisiert hielt, wollte den Afrikanern einen Gefallen tun. Er legte den weiten Weg in die nächstgelegene Stadt zurück und erwarb dort ein Fernsehgerät, dazu ein Notstromaggregat. Nachdem er zurückgekehrt war, stellte er das Gerät auf dem Dorfplatz unter einem Strohdach auf und sorgte für die Stromversorgung. Dann lud er die Menschen ein, den Abend vor dem Bildschirm zu verbringen.

Günter Kollert
Fantastik in der Jugendliteratur
Erfahrungen, Denkanstöße und Lesevorschläge

Religionsunterricht in einer siebten Klasse: Der Lehrer erwähnt beiläufig einen aktuellen Bestseller. Sofort erhebt sich die Klassensprecherin, um mit flammendem Blick auszurufen: »Wehe, wenn Sie es wagen, auch nur ein einziges Wort gegen Harry Potter zu sagen!« Szenenwechsel: Im Radiofeuilleton einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt trägt die allen Freunden bissiger Verrisse vertraute Stimme des Kritikers Denis Scheck in gepflegtem Schwäbisch einen Standpunkt vor, der den herrschenden Stimmungen, nicht nur in Bezug auf Harry Potter, sondern auch auf das boomende Geschäft mit Fantasy-Literatur im allgemeinen zuwiderläuft: »Der sechste Harry Potter ist besser als der fünfte, aber nicht ganz so gut wie der vierte. Und weil damit alles Wichtige gesagt ist, bleibt endlich mal Zeit für nicht ganz so naheliegende Fragen. Zum Beispiel: Warum lesen Potter und seine Freunde eigentlich nie ein gutes Buch? Also kein Zaubererbuch, sondern ein belletristisches Werk aus der Welt von uns Muggeln, echte Literatur also, von Andrej Bitow, Peer Hultberg, Nuruddin Farrah oder sonst einem Schriftsteller, der gut ist und mehr Leser verdient? Wäre doch ein generöser Zug von Mrs. Rowling. Aber vielleicht ist das eine blöde Spielverderber-Frage. Man fragt ja auch nicht mitten im - Hamlet - , wieso keiner der Akteure je aufs Klo geht.«

Antje Everett-Schmidt
Kieferorthopädie für mein Kind?

Vergessen Sie alles, was Sie bisher schon über Kieferorthopädie gehört haben. Besorgen Sie sich einen kleinen Spiegel und schauen Sie sich zunächst Ihre untere Zahnreihe an. Die Wahrscheinlichkeit, dass an den unteren kleinen Backenzähnen keine Füllung existiert, ist am größten. Ein großer Backenzahn wäre noch besser, doch denke ich, dass Ihnen eine große Füllung entgegen blitzt. Sie können selbstverständlich auch im Oberkiefer nachsehen, doch da ist es etwas schwieriger für Sie. Sollten Sie keinen natürlichen Backenzahn in Ihrem Gebiss finden, müssen Sie sich auf die Suche machen bei einem älteren Kind, bei einem Partner oder einem sonstigen Vertrauten. Sie müssen einen bleibenden Backenzahn betrachten.
Bei einem bleibenden Backenzahn sehen Sie für Sie undefinierbare Höcker und Grübchen (Zahnärzte nennen sie Fissuren). Diese Fissuren scheinen für Sie wahllos zu sein, jedenfalls sind sie nicht regelmäßig. Wenn Sie zubeißen, treffen sich irgendwie die unteren Zähne mit den oberen Zähnen.

Aus der Schulbewegung  (als Paket)

Kinder zwischen den Fronten
Bericht von der Waldorfschule in Beer-Sheva/Israel

Jonathan Dvir / Gilad Goldshmidt

Die nach Janusz Korczak benannte Waldorfschule von Beer-Sheva, einer im Süden Israels gelegenen Stadt, befindet sich mitten in der Wüste, nicht weit vom Gazastreifen entfernt. Die Schule wurde 2006 gegründet und umfasst heute drei Kindergärten und vier Schulklassen. Sie liegt in einem Armenviertel, direkt neben einem großen Aufnahmezentrum für Neueinwanderer und wird von Kindern unterschiedlicher Bevölkerungsschichten besucht.
In den Tagen des Krieges im Gazastreifen sind seit dem Unabhängigkeitskrieg (1948) erstmals wieder Raketen auf Beer-Sheva gefallen, die vom Gazastreifen aus abgefeuert wurden. Wie in den anderen Schulen der Stadt hat während des Krieges kein Unterricht stattgefunden und die Kinder sind zu Hause geblieben.
Nach Kriegsende unterhielten sich die Lehrer mit den Schülern viel, besonders um die schlimmen Auswirkungen des Krieges auf beiden Seiten zu verarbeiten. Die Schüler entschlossen sich, etwas für die Kinder im Gazastreifen zu tun. In einer gemeinsamen Aktion haben Schulkinder, Eltern und Lehrer Heizkörper, Lebensmittel und Kleider für die Kinder im Gazastreifen gesammelt und persönliche Briefe geschrieben: »Der erste Alarm kam unvorbereitet am Abend. Wir rannten in den Schutzraum [in Israel ist jedes private oder öffentliche Gebäude mit einem Schutzraum gegen Bombenangriffe ausgestattet], drängten uns eng an die Wand, legten uns auf den Fußboden, fühlten uns verwirrt, und dann war ein - Bums - zu hören [seit 1948 ist in Beer-Sheva keine Rakete mehr gefallen].«
Seither sind einige Wochen vergangen, die Sirenen wurden zur Routine. Die Kinder verfolgen die Nachrichtenmeldungen, nachts bettnässen sie wieder, sind zu Verwandten im Süden oder Norden geflohen und haben gelernt, wo Westen ist und wo man sich am besten versteckt, wenn Raketen vom Himmel fallen. Ein Kind hat mich gefragt: »Wozu muss man die Hände auf den Kopf legen, bevor auf einen eine Rakete fällt?«

15 Jahre in Georgien: Waldorfpädagogik
Bukhuti Tsanava, Malte Schuchhardt, Nunu Milorava

Um die Gründungssituation der Freien Waldorfschule Tbilissi im Jahre 1994 zu verstehen, muss man sich die damalige Zeit vor Augen führen. Es war kurz nach dem Ende der Sowjetherrschaft, noch in den Endwirren eines Bürgerkrieges und den militärischen Konflikten in Süd-Ossetien und Abchasien. Kein Strom, kein Gas, sich gegenseitig bekämpfende kriminelle Gruppierungen in den Straßen …
Die Schule gehörte damals zu den ersten sozialen Initiativen, die versuchten, aus einem eher europäischen Bewusstsein heraus und mit entsprechenden Selbstverwaltungsstrukturen zu arbeiten: Ein lichtvolles Pünktchen im damaligen Georgien. Heute können inzwischen fünf Schulklassen auf eine 12-jährige Schulzeit zurückblicken.

Potenzial Portfolio
Vom Kontrollverlust und anderen Chancen
Andrea Vogelgesang

An sieben Waldorfschulen wurde in Nordrhein-Westfalen von 2003 bis 2009 ein Pilotprojekt zur Entwicklung neuer Bewertungs- und Prüfungsformen durchgeführt. Wissenschaftlich begleitet wurde das Vorhaben von externen Evaluatoren, die im Februar 2009 an der Waldorfschule Köln mit den beteiligten Pilotschulen gemeinsam Rückschau auf die Ergebnisse hielten. Ein Abend im Herbst 2007. Die Elftklässler der Rudolf Steiner Schule Düsseldorf gehen heute mit PerLe in der Hand nach Hause. Obwohl es sich dabei nicht um ein Schmuckstück handelt, ist es doch etwas Wertvolles, das die Jugendlichen nun ein Jahr lang begleiten wird - ihr persönliches Lerntagebuch. Es ist kurz nach den Herbstferien und alle haben soeben vor Eltern, Lehrern und Mitschülern im Musikraum ihr Thema der Jahresarbeit vorgestellt, das sie in knapp zwölf Monaten vor weit größerem Publikum im Saal der Schule präsentieren werden. Jahresarbeiten gehören seit den sechziger Jahren zum Lehrplan von Waldorfschulen, wobei Schüler frei nach Neigung und Begabung ein Thema wählen dürfen, um es nach praktischer und theoretischer Erarbeitung zu präsentieren. An den Grundbedingungen hat sich auch nichts geändert, aber einhergehend mit den jüngsten Entwicklungen in der Bildungslandschaft seit PISA soll ihnen nun ein anderer Stellenwert zukommen. Denn die Neuerungen in staatlichen Bildungseinrichtungen mit der Einführung zentraler Prüfungen und des Zentralabiturs gehen nicht spurlos an der Gestaltung des Schulalltags der Waldorfschulen in NRW vorüber. Nun werden nicht mehr in der 12., sondern bereits in der 11. Jahrgangsstufe die Mittleren Abschlüsse (HS, Fachoberschulreife) erlangt; das Abitur, weiterhin im 13. Schuljahr, wird in drei Fächern auch mit zentralen Aufgaben gestellt. Dies bietet neue Möglichkeiten zur pädagogischen Gestaltung der 12. Klasse.

Medienkunde: Grüner Mann im Raum
Tatjana Grupp, Sebastian Costantini u.a.

An der Freien Waldorfschule am Kräherwald wird der Wahlkurs Radio angeboten. Für die Schüler eine gute Gelegenheit, sich über Medienberufe zu informieren.
»Wer von euch hat vor, später einmal einen Beruf im Bereich Radio - Medien zu ergreifen?« Drei von zehn Schülern des Wahlkurses Radio melden sich. Schülervater Rolf Zischka will nun von ihnen wissen, welche Richtung sie sich denn vorstellen. »Moderation kann ich mir gut vorstellen«, sagt einer. »Wenn du Moderator werden willst, dann ist es gut, erst einmal das Abitur zu machen. Englisch und PC-Kenntnisse sind Grundvoraussetzungen. Hilfreich ist auch, wenn du Ahnung hast von betriebswirtschaftlichen Dingen«, empfiehlt Zischka dem erstaunten Schüler, der sich das nicht so kompliziert vorgestellt hat.

Im Gespräch  (als Paket)

Englisch lernen - doch ganz easy?
Udo-Michael Wegner

Wenn Sie als mehrjähriger Waldorf-Fremdsprachenlehrer mit den Ergebnissen Ihres Unterrichts ganz zufrieden sind, dann brauchen Sie diesen Artikel gar nicht erst zu lesen.
Sollten Sie allerdings in einer siebten oder gar achten Klasse immer noch über Schülerenglisch wie »I have not my reader« oder den Gebrauch von »she« anstelle von »they« den Kopf schütteln bzw. sollten Ihre Schüler kaum Englisch als Kommunikationsmittel im Unterricht verwenden, dann können wir ins Gespräch kommen.

Es geht weiter mit der Neuen Erziehungskunst
A. Eichenberg, M. Maurer, L. Ravagli

In den Iden des März hat im 73. Jahr ihres Bestehens auf der Delegiertentagung des Bundes der Freien Waldorfschulen in Freiburg eine neue Ära für die Erziehungskunst begonnen. Mit einer überwältigenden Zustimmung von über 85% der abgegebenen Stimmen hat sich die Versammlung der Schulträger und Delegierten für das Projekt einer neuen Erziehungskunst ausgesprochen. Herausgeber, Verlag und Redaktion freuen sich über diesen Vertrauensbeweis, den wir als Auftrag und Verpflichtung verstehen. Die Erziehungskunst wird nicht nur ein völlig neues Kleid erhalten, sie wird sich stärker als bisher an die Elternschaft und die an Waldorfpädagogik interessierte Öffentlichkeit wenden und zu einem starken Instrument der Waldorfschulen werden, ihr alternativ pädagogisches Modell zu Gehör zu bringen. Mit einer voraussichtlichen Auflage von 60.000 Exemplaren wird sie nicht nur die größte pädagogische Monatszeitschrift in Deutschland sein, sondern auch die größte Zeitschrift auf dem anthroposophischen Zeitschriftenmarkt.
Doch bevor die neue Erziehungskunst erscheinen kann, sind noch eine ganze Reihe von Fragen zu klären. Die Taskforce-Gruppe, die die Nullnummer entwickelte, wird die vielen Anregungen, die eingegangen sind, aufgreifen, und die neue Zeitschrift optimal den Bedürfnissen ihrer künftigen Leser und Leserinnen anpassen. Wir streben an, noch im Herbst, spätestens zum Jahreswechsel, mit dem neuen Konzept zu beginnen.
Am 15. März hat die Versammlung nicht nur dem Umbau der Erziehungskunst zugestimmt, sondern auch dem Aufbau einer waldorfpädagogischen Fachzeitschrift - Erziehungskunst-Spezial - , die sich stärker an ein wissenschaftlich orientiertes Publikum richtet. Sie wird künftig dreimal im Jahr erscheinen. Darüber hinaus wird eine eigene Online-Redaktion eingerichtet, die täglich aktuell im Internet über die beiden Printmedien hinausgehende Inhalte anbieten wird.


Neue Bücher  (als Paket)

Wie lassen sich Kinder motivieren?
Ischta Lehmann: Motivation. Wie Eltern ihr Kind unterstützen
können. 128 S., kart. EUR 10, - . dtv, München 2008
Rezensentin: Manuela Ziegert

Zum Sehen geboren
Andreas Suchantke: Zum Sehen geboren. Wege zu einem vertieften Natur- und Kulturverständnis. 320 S., zahlr. farb. und s/w-Abb., geb. EUR 39, - . Verlag Freies Geistesleben. Stuttgart 2008
Rezensent: Michael Birnthaler

Kooperative Gene
Joachim Bauer: Das kooperative Gen - Abschied vom Darwinismus. 223 S., geb. EUR 19,95. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008
Rezensent: Helmut Seul

Rassismuskritik
Claus Melter, Paul Mecheril (Hrsg.): Rassismuskritik. Band 1: Rassismustheorie und -forschung. 318 S., EUR 29,80. Wochenschau Verlag, Schwalbach/Taunus 2009
Rezensent: Lorenzo Ravagli

Haus der Weisheit
Christa Spannbauer: Im Haus der Weisheit. Spirituelle Lehrerinnen und Lehrer sprechen über ihre Visionen für unsere Zeit. 160 S., s/w-Abb., kart. EUR 14,95. Kösel-Verlag, München 2008
Rezensent: Dirk Wegner

Verborgene Wirklichkeiten
Rainer Holbe: Verborgene Wirklichkeiten: Rätselhaften Phänomenen auf der Spur. 203 S., geb. EUR 19,95. Verlag Kösel, München 2008
Rezensent: Johannes Roth

Globalisierung verstehen
Wolfgang Korn: Die Weltreise einer roten Fleeceweste. Eine kleine Geschichte über die große Globalisierung. 192 S., geb. EUR 14,90. Berlin Verlag, Berlin 2008
Rezensent: Johannes Roth

Hufspuren
Christa Ludwig: Fliegender Wechsel - Hufspuren. 219 S., geb. EUR 12, - .
Dieselbe: Hufspuren - 136 Hufe zu viel. 220 S. mit s/w-Fotos, geb. EUR 12, - .
Beide im Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2008 (ab 12 Jahren)
Rezensentin: Ulrike Schmoller

Katzenspuk
Béatrice Bottet: Das Zauberbuch mit dem Rubin - Katzenspuk. 288 S., geb. EUR 15,90. Verlag Urachhaus, Stuttgart 2008 (ab 12 Jahren)
Rezensentin: Mareike Stutz

Das Herz am rechten Fleck
Carolyn Jourdan: Das Herz am rechten Fleck - eine Lebenswende. 319 S., geb. EUR 19,90. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2008
Rezensentin: Sigrid Zoehrer

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