Thema: Neue Medien zwischen Realität und Fiktion


Editorial

Online ist das Leben spannender

Thema

Medienkompetenz - was ist das eigentlich? 
von Edwin Hübner 

Mit einem Computer umzugehen setzt eine Vielzahl von Kulturtechniken voraus, die am besten dort gelernt werden können, wo Medien keine Rolle spielen – selbst eine Tafel nicht. 

»Ich bin kein Verlierer, sondern ein großer Held«
Computerspielsucht oder wie schnell Jugendliche im Internet verschwinden 

von Ayla Binder 

Ayla Binder ist 18 Jahre alt und spielt seit anderthalb Jahren das Onlinespiel »Guild Wars«. Das Thema ihrer Jahresarbeit in der zwölften Klasse war »Computerspielsucht«. Darin berichtet sie über von ihr durchgeführte Umfragen, erklärt das Computerspiel »Guild Wars« und erzählt, wie sie süchtig wurde. Sie zeigt allgemeine Gefahren von Online-Spielen auf, gibt Tipps für Eltern, worin die ersten Anzeichen einer Sucht bestehen, und Hinweise, was gegen sie getan werden kann. Aus dieser eindrucksvollen Arbeit bringen wir Auszüge. 

Wie Internet und Computer das Verhalten ändern.
Betrachtungen aus klinischer Perspektive 

von Klaus Wölfling 

Diplom-Psychologe Klaus Wölfling ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent für Medizinische Psychologie im Fachbereich Medizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er hat seit 2008 die Psychologische Leitung der Ambulanz für Spielsucht an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie inne. In seinem Beitrag skizziert er die Symptome der Computerspielsucht und beschreibt ihre psycho-sozialen Folgen. 

Projekt Medientag.
Wie eine Schulgemeinschaft medienkompetent wird

Von Uwe Buermann

Die Freie Waldorfschule Westpfalz in Otterberg hat versucht zu zeigen, was Handys und Computer heute können und wie sie die Welt verändern. Eltern, Schüler und Lehrer entwickelten gemeinsam das Konzept für einen Medientag, der Gelegenheit gab, Erfahrungen mit den neuen Medien zu machen. Die Schulen in Backnang und Prien haben inzwischen ebenfalls einen Medientag veranstaltet, der auf große Resonanz stieß. Wir veröffentlichen hier einige Beispiele aus dem Gesamtbericht, den 
Uwe Buermann für uns zusammengestellt hat. Weitere Informationen unter: www.fws-otterberg.de 

Wozu sind soziale Netzwerke gut?
Das Beispiel Facebook 

von Lorenzo Ravagli 

Leiden Sie an einem Mangel an Freundschaften? Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen etwas Entscheidendes in Ihrem Leben fehlt? Dann sind Sie reif für Facebook. Facebook ist das »Buch der Antlitze«, in dem mittlerweile weltweit mehr als 300 Millionen Menschen abgebildet sind, in Deutschland allein etwa 6 Millionen. Täglich kommen 700.000 dazu. 300 Millionen Freunde? Und das alles ohne einen Cent zu bezahlen (von den Kosten für den DSL-Anschluss abgesehen)?

Computer ins Wohnzimmer! 
Praktische Tipps 

von Uwe Buermann

Im Internet ist die Globalisierung längst Realität, es spiegelt den aktuellen Zustand der Menschheit wieder. Das heißt, wir finden alle Perlen und allen »Dreck«, zu dem Menschen in der Lage sind. Beides liegt jeweils nur einen Mausklick voneinander entfernt, und Schutzfunktionen, wie es sie in jedem Supermarkt gibt, wo die Erwachsenenhefte nur in den obersten Regalen zu finden sind, kann es im Internet nicht geben. Wir haben unseren Kindern gegenüber eine pädagogische Verantwortung, der wir uns nicht entziehen können. Der Umgang mit dem Internet setzt neben der Handhabungskompetenz auch eine gewisse seelische und moralische Reife voraus ...

Medium Himmel.
Wenn sich Jupiter und Saturn gegenüberstehen*

von Wolfgang Held

Es ist eine Signatur unserer heimatlosen Zeit, dass alles das, was nicht verstanden wird, Angst verursacht. Wir haben Angst vor fremden Kulturen, vor Krankheiten, vor der Unendlichkeit des Weltalls. Für Wolfgang Held wird das Weltall zu einem Medium, in dem wir uns selbst erkennen können. Statt Angst vor Aliens zu haben, sollten wir versuchen, den Lauf der Wandelsterne als Sprache zu verstehen.

Standpunkt

Hank und die Bildungspolitiker.
Auf Versprechungen müssen Taten folgen 
von Henning Kullak-Ublick 

Welche Regierung die Beste sey? Diejenige, die uns lehrt, uns selbst zu regieren. 
Johann Wolfgang von Goethe 
Warum haben die freien Schulen eigentlich noch keinen Sitz in der Kultusministerkonferenz? Dort arbeiten die Spitzen der sechzehn deutschen Kultusministerien in einer schwarz-rot-gelb-grünen Jamaica-Ampel zusammen. Zählt man die Schülerinnen und Schüler, die in Deutschland eine nichtstaatliche Schule besuchen, zusammen, bilden sie im Ländervergleich das fünftgrößte Bundesland, Tendenz steigend. 

Frühe Kindheit

Weihnachten mit kleinen Kindern 
von Brigitte Huisinga 

Die Adventszeit hat begonnen und das Weihnachtsfest rückt näher. Vielleicht haben Sie sich bei all dem Lichterglanz in den Straßen, Vorgärten und Kaufhäusern schon gefragt: Wie wollen wir als Familie mit einem oder zwei kleinen Kindern Weihnachten feiern? – Eine wichtige Frage, denn für Kinder sind Rituale von großer Bedeutung. Inhalt und Form müssen aber von den Eltern gefunden werden.

Aus dem Unterricht

Wozu Kunstbetrachtung? 
Das ästhetische Urteil oder Kunstwerke als Erfahrungsorte 
von Gabriele Hiller 

Warum schauen wir uns Kunstwerke an? Was ist an ihnen, jenseits ihres Charakters als biographische und Zeitdokumente, erlebbar? Auf der Antwort auf diese Fragen fußt die Kunstbetrachtung als Unterrichtsfach. Aus vieljähriger Beschäftigung mit dem Thema haben sich für mich Wege und Methoden entwickelt, die den Schülern und mir helfen, zum Wesentlichen des einzelnen Werkes vorzudringen: Das heißt, es durch die Art der Betrachtung zu verstehen – oder auch, um es mit Rudolf Steiners Worten zu sagen, ein ästhetisches Urteil zu bilden.

Erziehungskünstler

Vom Wissen zum Erleben 
Die Waldorflehrerin und Ausbilderin Iris Didwiszus über Vertrauen, Ehrfurcht und die Neue Langsamkeit. 

Schule in Bewegung

Osteuropäische Waldorfschulen im Kampf um Anerkennung 
von Christward Buchholz 

So viele Länder - so unterschiedliche Lebenswelten. Doch zugleich viele ähnliche Erfahrungen. Denn die Waldorfschulen Osteuropas sind noch jung, die ersten werden gerade zwanzig Jahre alt.

Von Galiäa in die Nordheide.
Eine Annäherung an Israel 
von Karl-Heinz Ritzel 

Nach neun vollen Programmtagen verabschiedeten Elftklässler der Rudolf-Steiner-Schule Nordheide ihre Gäste aus den zwei elften Klassen der Waldorfschule Harduf, Israel, tränenreich.

Wende im Land der Han.
Zur Situation der Waldorfschulen in Südkorea 
von Erik Dom 

Das koreanische Schulsystem ist der rigidesten der Welt. Die Schüler verbringen durchschnittlich etwa doppelt so viele Stunden auf den Schulbänken wie in deutschen Schulen. Dazu kommt ein Wettbewerbs-Lernen, das viele Schüler zwingt, am Abend eine zweite Schule zu besuchen.

Turnlehrer-Ausbildung in Südamerika voller Erfolg
von Michael Neu 

In einem Land wie Brasilien läuft manches anders. Wer sich hier als Turnlehrer an einer Waldorfschule weiterbilden will, schwingt sich schon einmal auf sein Fahrrad und fährt dreihundert Kilometer nach Sao Paulo.

Sportunterricht im Jugendalter. 
Internationale Turnlehrertagung in Dänemark
von Michael Neu 

Es ist ein Zeitphänomen, keinen Freiraum zu haben. Unsere jugendlichen Schüler werden und sind pausenlos beschäftigt, sei es in der Schule oder in ihrer Freizeit. 

Lispeln Sie noch oder stottern Sie schon? 
von Ulrike Kretzschmar 

Wie spricht ein Lehrer? Wie kann er seine verschiedenen Botschaften gegenüber den Schülern, aber auch gegenüber Kollegen in Konferenzen, im Zwiegespräch oder der Gruppe am wirkungsvollsten deutlich machen? 

Ist die Waldorfschule noch so revolutionär wie vor 90 Jahren? 
Bildungskongress an der Waldorfschule Uhlandshöhe in Stuttgart 
von Mathias Maurer 

Die Gründung der ersten Waldorfschule im September 1919 war ein Erdbeben in der pädagogischen Landschaft. Seit diesem Datum sind über 1000 Waldorfschulen entstanden, so beschrieb Walter Riethmüller vom Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen zur Eröffnung des Bildungskongresses am 23. Oktober auf der Uhlandshöhe in Stuttgart den Beginn der weltweiten Waldorfschulbewegung.

Junge Autoren

Alles Unsichtbare ist echt 
Philipp Tok im Gespräch mit Friedel Reinhardt  

Wäre Friedel Bauteil einer Betonarchitektur, sie wäre wohl so etwas wie ein Stahlträger. An ihm findet der Bau seinen Halt, in ihm konzentrieren sich alle Kräfte, an ihm bestimmen sich die Grenzen des Machbaren. Der Stahlträger ist unsichtbar, verbirgt sich im Beton und bildet keine Fassade. Der Vergleich hinkt, da menschliche Statik in der Zeit und nicht im Raum geschieht. 2004 wurde am Lehrerseminar Witten »captura« geboren, eine Initiative, die die Grundsatzfrage »Was ist Schule?« bewegte und zur Kultur- wie Gesellschaftsfrage ausweitete.

Zeichen der Zeit

Schenken und Kaufen
von Frank Hörtreiter 

In meiner Kindheit - ich bin mit fünf Geschwistern aufgewachsen - haben alle Familienglieder die Weihnachtsgeschenke gleichzeitig ausgepackt. Kaum einer hatte die Muße, in all dem Geknister der Verpackungen alles recht zu würdigen. Meine Frau und ich haben daraufhin verabredet, dass am Heiligabend nichts ausgepackt wird.

Kolumne K.*

Kinder sind Geschenke, die sich schenkend erfahren wollen
von Henning Köhler 

Ein Kind will einen Beitrag zum Ganzen leisten, den so kein anderer Mensch leisten kann, weil so kein anderer Mensch denkt, fühlt, spricht und sich in der Welt bewegt.

Forum / Gegenlicht

Pädagogik für die Zukunft der Kinder. Eine Antwort auf Heiner Ullrich
von Christoph Hueck und Walter Hutter 

Professor Heiner Ullrich gab in der Erziehungskunst 10/2009 einen Beitrag zur Waldorfpädagogik. »Angesichts der Pluralität heutiger Kindheitsmuster« sei »jede naturalistische Vorstellung eines universal gültigen Modells kindlicher Entwicklung … zurückzuweisen«. Es gebe, so Ullrich weiter, »kaum gesicherte empirische Befunde, auf diesich die anthroposophische Menschenkunde … stützen könnte«. 

Ideologie Klimaschutz
von Michael Kalisch 

Ein vom Menschen verursachter Klimawandel lässt sich nicht nachweisen. Die entsprechende Doktrin ist ein Produkt interessierter Kreise. Sie sollte möglichst schnell aufgegeben und aus unseren Schulen verbannt werden, damit sich Politik und Gesellschaft den tatsächlichen Problemen widmen können. 

Rettet die Weihnachtspiele 
von Wilfried Ogilvie 

Immer wieder hört man aus den verschiedenen Schulen, die Weihnachtspiele würden von den Schülern nicht mehr akzeptiert. Den Lehrern fehle deshalb auch die Motivation. Hinzu kommt die zeitliche Überlastung.

Neue Bücher / Neue Filme

Sprechen lernt man durch Bewegung 
Renate Zimmer: Handbuch Sprachförderung durch Bewegung. 219 S., geb. EUR 22,95. Herder Verlag, Freiburg 2009
Rezensentin: Christa Greshake-Ebding

Unsichtbare Freunde
Norbert Neuß: Unsichtbare Freunde. Warum Kinder Phantasiegefährten erfinden. 184 S., kart. EUR 17,95. Cornelsen Verlag Scriptor, Berlin 2009
Rezensentin: Maike Horstmann

Wie sich Computerspieler in Clans und Gilden organisieren
Martin Geisler: Clans, Gilden und Gamefamilies. Soziale Prozesse in Computerspielgemeinschaften. 295 S., brosch., EUR 23,– Juventa Verlag, Weinheim/ München 2009 
Rezensent: Michael Birnthaler

Kinder sind Kinder und keine Partner
Michael Winterhoff: Tyrannen müssen nicht sein. Warum Erziehung allein nicht reicht – Auswege. 192 S., geb. EUR 17,95. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2009'
Rezensent: Wolfgang-M. Auer

Durch Liebe wird die Welt verwandelt
Edward Burne-Jones: »Das irdische Paradies«, Staatsgalerie Stuttgart, 24.10.2009-7.2.2010. Die Ausstellung ist danach im Kunstmuseum Bern zu sehen. Katalog mit Beiträgen diverser Autoren: 232 S., 274 Abb., Verlag Hatje Cantz Ostfildern. 29,80 Euro im Museumsshop. Die Ausstellung im Internet: www.staatsgalerie.de
Rezensent: Lorenzo Ravagli


*Nicht verlinkte Beiträge erscheinen nur in der Printausgabe

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