Heft 3 März 2009

Inhaltsverzeichnis (als PDF zum Download)

Editorial (als PDF zum Download)

Hans-Jürgen Schumacher
Praktische Spiritualität

Was wünschst du dir am dringendsten von deinen Eltern? - Auf diese Frage der Shell-Jugendstudie stand eine Antwort an erster Stelle: »Mehr Zeit für mich!« Nicht das medial vermittelte Wahrnehmen von Menschen im Fernsehen, im Internet, im Radio oder auf der CD hat für junge Menschen die höchste Priorität, sondern die unmittelbare Begegnung von Mensch zu Mensch.
Noch existenzieller ist die menschliche Begegnung für das kleine Kind: Es kann nicht gedeihen, wenn niemand ihm seine Zuwendung schenkt. Die Bedeutung einer echten menschlichen Begegnung für die kindliche Entwicklung belegt auf beeindruckende Weise eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung. »Um Kinder glücklich zu machen, müssen wir ihnen helfen, ein starkes Selbstwertgefühl zu entwickeln«, so das Ergebnis einer Studie der University of Kanada (http://www.springer-sbm.de/).

Christiane von Königslöw
»Bitte … zähme mich!«
Eine Episode in Bildern aus dem Kindergarten

In unserer Kindergartengruppe war ein kleiner Junge, der hatte es sehr schwer, Kontakt zu finden. Er besaß eine große Scheu, berührt zu werden oder gar selbst jemandem nahe zu kommen und ihn zu berühren. Als Pädagogin versuchte ich dies, versuchte ich das, um ihm zu helfen, seine Hemmung zu überwinden. Letzten Endes aber waren es die Kinder, denen es gelang, ihm zu helfen, indem sie ihm immer wieder zart und freilassend ihre Hand entgegenhielten - einmal auch mit einer Rosenblüte. Immer aber war es ein mitfühlendes Kinderherz, das ihm so unverdrossen die Hand entgegenstreckte.

Gabriele Pohl
Lasst die Kinder raus!
Kinder brauchen Erfahrungsräume und mutige Erwachsene

Der »schwer erziehbare« und wilde Tom Sawyer war der Held unserer Kindheit. So wie er wollten wir Kinder die Welt erobern, eine Welt, die mit der der Erwachsenen nichts zu tun hatte. Und das war auch möglich, denn zwischen Mittagessen und Abendessen lebten wir unser eigenes Leben - meist draußen. (Hausaufgaben waren damals ein kleines Intermezzo, das nicht wirklich von wesentlicheren Dingen abgehalten hat.) Für heutige Kinder hören sich die Geschichten der Erwachsenen von unerlaubten Kartoffelfeuern, von geheimen Lagern, von Banden und Schlägereien mit den Nachbarskindern, vom Ausspionieren fremder Gärten wie Geschichten aus einer fernen Vergangenheit an. Begeistert wird ihnen von solchen Abenteuern erzählt und gleichzeitig werden sie von denselben Erwachsenen davor gewarnt, irgendetwas Derartiges auszuprobieren.

Michael Birnthaler
Sehnsucht nach Begegnung

Johannes hat es auch heute nicht geschafft, in die Schule zu gehen. Stattdessen sitzt er in seinem Lieblingslokal im »kleinstädtischen Bahnhofsviertel«. Dort ist er nicht der einzige. Auch andere Oberstufenschüler ziehen das »Café Nirwana« der schulischen Pflicht vor, wo zuweilen bemerkenswert viele Paradiesvögel der Stadt das vormittägliche Publikum bilden.
Wie mancher dort gilt Johannes als etwas »eigen« und »strange«. Früher galt er dagegen als hochbegabt und sensitiv - Lehrer und Psychologen munkelten etwas von ADS und »Indigo«. Seine abgefahrenen Erzählungen über Sagenländer wie »Utopia«, »Mittelerde«, »Shangri La« und von der Mission einer neuen Menschenrasse wurden schon lange nicht mehr ernstgenommen. Er kapselte sich zunehmend ab und begann zu »fremdeln« - was ihm schließlich den Spitznamen »Mr. Nowhere Man« einbrachte. Sein Wunsch nach einem offenen Ohr, nach Menschen, die ihn verstehen und denen er begegnen könnte, blieb unerfüllt. Heute lebt er zurückgezogen in seinen eigenen Fantasiewelten und taucht in die Abgründe der interaktiven Computerspiele ab, programmiert selbst neue und ist ständiger Gast in »Second Life«. Ihm sind die virtuellen Begegnungen vertrauter als die realen, die seine Fantasie kalt und sein Herz unerreicht gelassen haben. Johannes steht damit nicht alleine. Es gibt eine wachsende Zahl junger Menschen, die nach Begegnung dürsten, aber unfähig zu echten Begegnungen sind.

Michaela Glöckler
Kinder brauchen Wahrheit
Die Quintessenz jeder menschlichen Beziehung

Wie notwendig Kinder Wahrheit brauchen, wird deutlich, wenn ein Kind schwer krank ist und spürt, dass der Erwachsene etwas verheimlicht. Wenn es merkt, der Erwachsene nimmt es nicht ernst, er traut ihm nicht zu, die Wahrheit zu ertragen, dann wird dem Kind, gleich in welchem Alter, ein großer Schmerz zugefügt. Denn wenn es um die Wahrheit geht, sind Kinder ganz erstaunlich feinfühlig; sie merken sofort, wenn etwas nicht stimmt.
Ich habe das als Kinderärztin schon bei den ganz Kleinen immer und immer wieder erlebt, wenn z.B. ein Säugling brüllend in die Praxis gebracht wird und sich sofort beruhigt, wenn man als Arzt dem Vater oder der Mutter das schreiende Bündel abnimmt. Die Sicherheit des Arztes, dieser Situation gewachsen zu sein, beruhigt das Kind unmittelbar; Vertrauen stellt sich ein. Die besorgte Bezugsperson dagegen hat ihre Ängste direkt auf das Kind übertragen. Da kann die Mutter oder der Vater noch so beruhigend sprechen - das Kind nimmt nicht die Worte wahr, sondern die Unruhe, die Sorge und Angst, die sich dahinter verbergen.

Fulbert Steffensky
Die Schule unserer Enkel 

Meine alte Kinderwelt war eine auf Nachahmung beruhende Welt. Die Leute haben gedacht, gefühlt, geglaubt, gehandelt, wie ihre Vorfahren geglaubt und gehandelt haben. In der Welt meiner Enkel ist die Stimme der Toten leise geworden. Die Tradition ist verblasst, und unsere Kinder werden ihren Glauben und ihre Lebensoptionen neu aushandeln müssen. Das verwirrt sie und lässt sie zugleich zu Subjekten ihres Gewissens und ihres Handelns werden.
Unsere Welten waren voll von kanonischem Wissen, von Lehren und Lehrern. Unsere Schwierigkeit war, dass wir Texte hatten, die sich die Wirklichkeit unterwarfen. Die Schwierigkeit unserer Enkel könnte sein, dass sie keine Texte haben, die ihnen die Welt aufschließen.
In meiner Kinderwelt kannten wir nur einen Lebensentwurf. Meine Enkel stoßen auf eine vielstimmige Welt, in der sich ihnen die verschiedensten Glaubens- und Lebensweisen anbieten. Das irritiert und befreit sie zugleich von der Diktatur der Einzigartigkeit.
In meiner Kinderwelt waren wir nie ohne Zugehörigkeit. Wir gehörten zu einer Großfamilie, einem Dorf (auch in der Stadt!), zu einer Kirche. Wir wurden gesehen und waren nie allein. Meine Enkel leben in hoch individualisierten Welten. Sie sind frei vom Bann der Gruppen, und sind einsamer, als wir es waren.

Wolfgang Bergmann
Nichtbeachtung und mangelnde Anerkennung
Über die Folgen der seelischen Strafen

Für ein Kind kann nichts schrecklicher sein als die Nichtbeachtung. Das gilt für die ganz kleinen Kinder wie auch für die größeren. Kinder sind darauf angewiesen, dass sie gesehen und erkannt werden. In dem Erkanntwerden durch Andere findet das Kind und überhaupt der Mensch erst seine Sicherheit. Erst dadurch fühlt er sich als ein Wesen, das sozial akzeptiert und als Person geliebt ist. Vom ersten Lebenstag an ist der Mensch ein soziales Wesen, er ist bezogen auf und abhängig von anderen Menschen.
So ist das Nicht-anerkannt-Werden neben Hunger und Durst das ärgste Übel, das einem Menschen zustoßen kann. Wie in allen Dingen, so sind auch hier die Kinder besonders empfindsam. Wenn die Mutter in den ersten Lebensmonaten ihr Kind nicht auf die richtige Weise und nicht innig genug »anerkennt«, dann lernt dieses Kind sich selber nicht »kennen«. Es weiß dann buchstäblich nicht, wer oder was es ist.

Enja Riegel
»Ich glaube an den Urknall«

Eines Tages erschien ein zehnjähriger Junge vor meinem Schreibtisch und sagte mir, er wolle aus dem Religionsunterricht austreten. Er habe bereits seine Eltern gefragt und die seien damit einverstanden. Auf meine Nachfrage, warum er das tun wolle, gab er mir zur Antwort. »Ich glaube an den Urknall.« Nach einigem Nachdenken entgegnete ich ihm, dass dies ein sehr interessanter Gedanke sei. Warum er nicht in seine Klasse gehen würde, um ihn dort mit seinen Mitschülern zu besprechen? Am besten im Religionsunterricht. Daraufhin ist er gegangen, um seine Überzeugung dem Religionslehrer mitzuteilen. Austreten wollte er danach nicht mehr.

Angelika Ludwig-Huber
Mit dem richtigen Kompass
Geographie im Sozialen: Vom Ich zum Du im Wir

Tagtäglich begegnen wir uns in der Schule: von Lehrer zu Lehrer, von Schüler zu Schüler, von Lehrer zu Schüler, von Lehrer zu Eltern. Eine Selbstverständlichkeit, über die nicht weiter nachzudenken oder der nicht weiter nachzuspüren ist?
Mir persönlich würde schon der Hinweis genügen, dass die Qualität unserer Erwachsenenbegegnungen eine Wirkung auf die Begegnungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler hat. Aber es gibt noch ganz andere Aspekte, die eine genauere Betrachtung schulischer Begegnungen nicht nur als hilfreich, sondern auch als notwendig erscheinen lassen.
Gemeint ist nicht das flüchtige Sich-zu-Kenntnis-Nehmen beim Spurt durch das Schulhaus, ebenso wenig das Wahrnehmen, dass alle da sind, die da sein sollen. Gemeint ist Begegnung, die getragen ist von Interesse, von einem wirklichen »Dazwischensein zwischen mir und dem Anderen«. Eine Begegnung im Buberschen Sinne, die dem Kind, dem Jugendlichen, ja auch uns Erwachsenen nicht nur das Staunen ermöglicht, sondern ein Staunen fördert, das uns die Herzen öffnen kann für die Welt, für ihre Geheimnisse und damit auch für den anderen Menschen.

Aus der Schulbewegung  (als Paket)

Trümmer und Traumata
Krisenintervention in Gaza

Bernd Ruf

Die pädagogische Nothilfe für psychotraumatisierte Kinder in Gaza hat begonnen. Ein Team der »Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.« arbeitete vier Tage in den Trümmern von Gaza, um traumatisierten Kindern in einer pädagogischen Akuthilfe mittels waldorfpädagogischer Methoden beizustehen. Die von israelischen Freunden angeregte notfallpädagogische Intervention ist ausschließlich humanitär motiviert.

Europa-Konferenz in Lillehammer
Norbert Handwerk

Die Vereinigung der europäischen Waldorfschulen, das »European Council for Steiner Waldorf Education« (ECSWE) war vom 16.-18. Januar Gast der norwegischen Waldorfschulbewegung. In der ersten der dreimal jährlich stattfindenden Konferenzen berieten Delegierte aus 22 europäischen Staaten in der Waldorfschule Lillehammer, umgeben von einer idyllischen, tief verschneiten Winterlandschaft.

captura: Schloss-Kultur-Baustelle
Friedel Reinhardt

Nachdem wir in den Jahren 2004 bis 2006 drei große Tagungen am Institut für Waldorfpädagogik in Witten durchführten, die in einem fortlaufendem Prozess Fragen nach einer zukunftsfähigen Schule bewegten, sind wir (Florian Lück, Maria Veron u. Friedel Reinhardt) mit der captura-Initiative im Oktober 2007 in ein kleines Dorf im Norden von Mecklenburg-Vorpommern gezogen. Unsere Arbeit in Witten mündete in dem großen Thema »Freiraum« - Freiraum als Fundament einer Schule, in der Zukünftiges durch den einzelnen Menschen wachsen kann. Damit arbeiten, leben und forschen wir jetzt in den unterschiedlichsten Bereichen in Hugoldsdorf.

Kongressbericht
Mobbing und Gewalt

Bernhard Steiner

Mobbing und Gewalt sind Themen, die auch in Waldorfschulen an Bedeutung zunehmen. Wo sind die Ursachen zu suchen und welche Wege der Bewältigung und der Prävention gibt es? Kann die anthroposophische Geisteswissenschaft etwas zum Verständnis des Phänomens beitragen? Diese Fragen wurden auf dem 6. Bildungskongress, der vom 16. bis zum 18. Januar 2009 in Stuttgart stattfand, bewegt.

Tausend Liter für eine Jeans
Neue Entdeckungen in einem einwöchigen Wasserprojekt

Eva Tilgner

In einer Oktoberwoche fiel der Unterricht bei einigen Schülern der Freien Waldorfschule am Kräherwald in Stuttgart buchstäblich »ins Wasser«. Unter dem Motto »Ohne Wasser gäbe es kein Leben auf der Erde« entwickelten drei Schüler der Mittelstufe die Fragestellungen des Wasserprojekts. »Wir haben in den drei Wochen vorher im Hauptunterricht Gruppen gebildet und überlegt, was man zum Thema - Wasser - alles untersuchen kann«, erinnert sich eine Siebtklässlerin, und auch ihre Mitschüler waren erstaunt über die Vielzahl der Ideen, die zusammengetragen wurden. Man recherchierte im Internet und wäre fast erschlagen worden, über die Fülle an Informationen. Doch schließlich standen die Themen der einzelnen Arbeitsgruppen fest: Wassermusik, die Einrichtung eines Aquariums, Wasserfotografie, Klimawandel und vieles mehr. Für das Team »Physik mit Wasser« wurden Daten im weltweiten Netz gesammelt, um in der Projektwoche mehrere Versuche zu starten. »Die Schüler stellten sich ihren eigenen Arbeitsplan für die Woche auf. Das war eine große Herausforderung für sie: einige nahmen sich viel zu viel vor für einen Tag, andere zu wenig«, so eine Schülerin aus der achten Klasse.

»Tote Dichter« auf der Bühne
Nina Hellmann

Unter dem Motto »Carpe diem - nütze den Tag« erweckte die 12. Klasse der Freien Waldorfschule Erftstadt in ihrem Klassenspiel den durch den gleichnamigen Kinofilm mit Robin Williams bekannt gewordenen »Club der toten Dichter« zu neuem Leben. Denn darum geht es: Jeden Tag zu nutzen für die schönen, kreativen, sozialen Aufgaben.

Kompetenz entwickeln
Delegiertentagung in Schloss Hamborn
Christian Boettger

Der Arbeitskreis Zukunft der Abschlüsse hat zusammen mit dem Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen eine erweiterte Delegiertentagung zum Thema »Kompetenzentwicklung durch Waldorfpädagogik« vorbereitet. Die Tagung sollte den Delegierten und interessierten Kollegen, Eltern und Schülern Gelegenheit geben, sich mit dem Kompetenzbegriff und den Herausforderungen, denen sich auch die Waldorfpädagogik stellen muss, auseinanderzusetzen. Als Vorbereitung diente der Artikel »Kompetenzen in der Waldorfschule« von Peter Loebell in der »Erziehungskunst« 1/2009 und Material, das den Kollegien der Schulen seit einigen Monaten durch den Arbeitskreis zur Verfügung gestellt wurde, das in Form des Buches »Entwicklungsaufgaben und Kompetenzen« im Verlag Freies Geistesleben im April herauskommen soll. Das Buch ist Ergebnis einer umfangreichen Arbeit vieler engagierter Kollegen unserer Schulen aus allen Fachbereichen und Klassenstufen, die versucht haben, zu beschreiben, welche Kompetenzen die Schüler durch die verschiedenen Unterrichte erlangen können. Dabei wurde besonders auf die Fach-,
Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz eingegangen.

Sozialassistenz mit Fachhochschulreife in Kassel
»Wer bin ich?«  Was brauchen junge Menschen heute, um sich selbst zu finden?

Ulf Bauer, Jules Brinkmann, Hilmar Kuhle, Johannes Denger

Der Mensch ist ein Nesthocker mit erstaunlich langer Latenzzeit bis zum Erwachsensein! Zwar ist der Jugendliche nach der Pubertät fortpflanzungsfähig und damit im Sinne der Gattungszugehörigkeit erwachsen, aber die Erfahrung lehrt, dass sich an das Pubertätsgeschehen die sogenannte Adoleszenz anschließt, in deren Verlauf sich etwas vollzieht, das die weitere Biographie des Menschen in hohem Maße prägt: Die Geburt des eigenen Ich. Diese lange Latenzzeit ist nicht nur Not, sondern als soziokulturelle Errungenschaft auch Tugend. Wie können wir den Jugendlichen bei seiner Selbstfindung unterstützen?
Verschärft tritt diese Frage auf, wenn der junge Mensch nicht Abitur machen kann oder will und sich ihm die eigentliche Ausbildungsfrage stellt: Was soll ich mit der Zeit meines Lebens machen? Oft wird diese Frage mehr schlecht als recht beantwortet. Hilfreich wäre in dieser Zeit eine Phase der Orientierung, die die Selbstfindung unterstützt und zugleich einen Überblick über spätere Berufsfelder ermöglicht.

Der Mensch selbst soll Methode werden
Zur Oberstufenlehrer-Ausbildung an der Freien Hochschule Stuttgart

W. Götte, A. Schad, W. Hutter, H. Kern

Die Freie Hochschule Stuttgart ermöglicht in einem dreisemestrigen Studiengang (ab 2010 als nicht-konsekutiver Masterstudiengang konzipiert) den postgraduellen Erwerb der pädagogischen Qualifikation für den Unterricht an Freien Waldorfschulen. Die mitgebrachte fachliche Kompetenz wird vor allem durch  eine Vertiefung der jugendpädagogischen Fragestellungen ergänzt, da das erzieherische Handeln den Entwicklungsgesetzmäßigkeiten des Heranwachsenden entspringen muss. Das heißt, der Lehrer gestaltet seinen Unterricht so, dass er die Schüler zu einem eigenaktiven Lernprozess anregt.

Aus der Forschung  

Studierende evaluieren Ganztagsschule
Peter Loebell

Die Freie Waldorfschule Berlin-Kreuzberg wurde 1985 in einem sozialen Umfeld gegründet, das sich durch eine große Bevölkerungsdichte, niedrige Einkommensgruppen und einen hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund auszeichnete. In unmittelbarer Nähe zur Berliner Mauer gelegen, war die Umgebung von einer Mischung aus großen Mietshäusern und kleinen Gewerbebetrieben geprägt. Auch heute unterscheidet sich der nach Öffnung und Abriss der Mauer entstandene Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg durch verschiedene Merkmale deutlich von anderen Stadtteilen.

Zeichen der Zeit  (als Paket)

Janusz Korczak, Herzenspädagoge
Renatus Derbidge

Die Liebe zum Kind ist zum einen selbstverständlich und bedingungslos, zum andern ist sie genau das nicht. Oft ist sie an Eigeninteressen gebunden und mit vielen Forderungen verknüpft. Eigentlich ist die Liebe zum Kind spontan, schön und freiherzig, beim genauen Hinschauen entdeckt man jedoch leicht Abgründe. Dieser »heilige Bezirk«, die Liebe zum Kind, die ja etwa in der Mutter-Kind-Beziehung aufs natürlichste veranlagt ist, ist ein Schatz. Schaut man diese Liebe an, geschieht dies meist mit größter Vorsicht, spürt man doch, dass hier ein letztes Refugium authentischer Gefühle zu wahren ist. So stellt die pädagogische Liebe heute weitestgehend ein No-Go Thema dar. 

Schamanen in Stuttgart
Lorenzo Ravagli

Das Linden-Museum in Stuttgart zeigt bis Ende Juni in Zusammenarbeit mit dem russischen Ethnografischen Museum St. Petersburg die Sonderausstellung »Schamanen Sibiriens: Magier, Mittler, Heiler«. Haben die Schamanen uns noch - oder wieder - etwas zu sagen? Ja, gewiss. Je mehr wir durch die Globalisierung wieder zu Jägern und Sammlern, zu Halbnomaden werden, um so mehr kommt uns eine archaische Form der Spiritualität entgegen, die aus einer solchen Lebensform hervorgegangen ist. Viele Bewohner westlicher Städte, spirituell entwurzelt und der Natur entfremdet, begegnen im Schamanentum einem geistigen Realismus, der sie mit ihrer eigenen verdrängten Seelenwelt konfrontiert.

Im Gespräch  (als Paket)

Was reift denn da?
Gerhard Stranz
Zum Beitrag von Renata Wispler in »Erziehungskunst«, Heft 2/2009

Auch wenn ich die anthropologischen Ausführungen von Renata Wispler nachvollziehen kann, die Schlussfolgerung ist fatal: Sie geht implizit davon aus, dass mit dem Erreichen der Schulfähigkeit das Kind erst »in die wirklichen Lernprozesse einsteigt«. Das kann sie doch nicht ernsthaft gemeint haben und damit dem landläufigen Vorurteil Vorschub leisten wollen, als würde Lernen erst in der Schule beginnen.

Neue Bücher  (als Paket)

Kindergesundheitsbuch
Jan Vagedes, Georg Soldner: Das Kindergesundheitsbuch - Ganzheitlich heilen mit anthroposophisch erweiterter Medizin. 416 S., kart. EUR 29,90. Gräfe und Unzer, München 2008
Rezensent: Karl-Reinhard Kummer

Der Mensch und die Kunst
Armin J. Husemann (Hrsg.): Menschenwissenschaft durch Kunst. Die plastisch-musikalisch-sprachliche Menschenkunde. 232 S., geb. EUR 22, - . Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2007
Rezensentin: Christina Meinecke-Bürger

Goethe und die Wissenschaften
Dusan Plestil / Wolfgang Schad (Hrsg.): Naturwissenschaft heute im Ansatz Goethes - ein Prager Symposion. 229 S. kart. EUR 26, - . Johannes Mayer Verlag, Stuttgart 2008
Rezensent: Renatus Derbidge

Auf der Suche nach dem Ich
Andreas Neider: Wo steckt unser Ich? 94 S., kart. EUR 14,90. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2008
Rezensentin: Solveig B. Müller

Kollegiumsfortbildung
Heinz Zimmermann: Impuls und Begegnung. Waldorfpädagogik als Quelle eines freien Geisteslebens. 70 S., kart. EUR 8,50. Menon Verlag, Heidelberg 2007
Rezensentin: Sigrid Zöhrer

Evolutionsgedächtnis
Andreas Neider (Hrsg.): Die Evolution von Gedächtnis und Erinnerung: Lesen in der Akasha-Chronik. 150 S., kart. EUR 16,90. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2008
Rezensent: Karl-Heinz Tritschler

Eulengeheimnis
Béatrice Bottet: Das Zauberbuch mit dem Rubin - Eulengeheimnis. 280 S., geb. EUR 14,90. Verlag Urachhaus, Stuttgart 2008 (ab 12 Jahre)
Rezensentin: Mareike Stutz

Genius of Play
Sally Jenkinson: The Genius of Play. Celebrating the Spirit of Childhood. 181 S., kart. £ 11,99. Haw-thorn Press, Gloucestershire/UK. www.hawthornpress.com
Rezensentin: Agnes Dom-Lauwers

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