Angst vor dem Danach?

Von Michael Busch, Januar 2010

Viele Schüler tun sich schwer mit der Frage, was sie nach ihrem Abschluss machen wollen. Dabei bietet ihnen die Waldorfschule viele Gelegenheiten, bei denen sie das herausfinden können.

Foto: Charlotte Fischer

»Weißt Du schon, was Du nach der Schule machen willst?« Schüler einer 12. oder 13. Klasse berichten oft, wie unangenehm sie diese Frage erleben: Wie ihre Konzentration dem Schulabschluss gilt. Wie sie Druck und Überforderung verspüren,
wenn sie an den anstehenden Übergang denken… An einigen Waldorfschulen gibt es Ansätze, den Übergang von der Schule in Ausbildung oder Studium zu unterstützen, zum Beispiel durch Informationstage mit Eltern oder Ehemaligen, durch Laufbahn-, Lernbegleitgespräche oder Projektwochen. Es wurde sogar von einem dreitägigen »retreat« von Schülern und Lehrern berichtet.Wie aber vermeidet man die naheliegende Gefahr, den Blick nur auf äußere Berufsbilder zu lenken und zu verfestigen? Und vor allem: Wie sieht eine Methoden- und Schlüsselkompetenz aus, die die Schüler stärkt und ihnen Sicherheit gibt?

Für den »Blick nach innen« sind wir häufig um eine Methode verlegen. Die Psychologin Annette Söling-Hotze zeigt, wie eine solche Fragerichtung nicht in vorgefasste Vorstellungen, Spekulationen oder unfruchtbare Selbstbespiegelungen abgleiten muss.

Sie lenkt den Blick auf konkrete Erlebnisse, in denen sich die Schüler als Menschen erleben, die etwas in der Welt bewirken: »Ich habe mich gut gefühlt und war stolz, als ich die Grabrede für meine Oma gehalten habe.« – »Ich war motiviert, als ich einen Power Point Vortrag über Martin Luther King gehalten habe«. Über den Blick auf solche Erlebnisse kann sich der Schüler seine Fähigkeiten, seine Motivation und seine Werte erschließen. Es entsteht eine Wahrnehmung der eigenen Person, aus der Berufsziele aufleuchten können.

Der Lehrplan der Waldorfschule bietet ein reiches Erfahrungsfeld, in dem Schüler reifen und ihre Persönlichkeit entfalten: Jahresarbeiten, Praktika, Klassenspiele, künstlerisches Üben. Vor dem Übergang in die Ausbildung oder das Studium sollten also Methoden vermittelt werden, die den Schüler darin unterstützen, die angelegten Schätze auch selber zu heben und sich damit in die Welt einzubringen. »Weißt Du schon, was Du nach der Schule machen willst?« – »Das ist noch offen. Aber wissen Sie, ich habe auf einige Erlebnisse geschaut, durch die mir meine Interessen und Fähigkeiten klar geworden sind. Und meine Werte und Ziele. Darüber spreche ich gerne mit Ihnen«.

Wäre es nicht an der Zeit, eine überregionale Arbeitsgruppe zu bilden, die sich dieses »Übergangs« annimmt?

Kontakt: Michael Busch, FWS Frankfurt, E-Mail: ra.mbusch(at)web.de; Christoph Liebherr, FWS Berlin-Mitte, E-Mail: christoph.liebherr@web.de. Informationen zum Thema: Annette Söling-Hotze, Gesellschaft für praxisorientierte Berufs- und Studienberatung, www.karriere-gps.de

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