Auf die Veranlagung kommt es an

Von Katia Hornemann, Mai 2014

Aktuell bewegt eine grundlegende Umgestaltung der Unterrichtsinhalte und -methoden in der Schullandschaft die Gemüter. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Beobachtung, dass in den Regelschulklassen die Spanne zwischen leistungsstarken Schülern, jenen, die mehr Zeit brauchen, und jenen mit sonderpädagogischem Förderbedarf immer größer wird. Dies umso mehr, seit das Thema Inklusion auch bildungspolitisch in den Schulen Einzug hält. Zunächst wird ein historischer Blick auf die Anfangszeit der Waldorfschule gerichtet, etwa dass Karl Schubert bereits im zweiten Jahr ihres Bestehens, im April 1920, eine sogenannte Hilfsklasse gründete. Die Idee, »gewisse pathologische Kinder« erst gar nicht aufzunehmen, lehnte Rudolf Steiner aber grundsätzlich ab, da sein Schulmodell ein großes integratives Potenzial habe. Voraussetzung dafür sei, so im Weiteren die Autoren, sich einem auf Anthroposophie gegründeten Menschenbild zu nähern, das kein äußeres, systemisch erfahrbares Wesen im Gegenüber sucht, sondern sein Alles, sein Ganzes, seine Idee erfahren möchte. Denn laut Steiner soll nicht gefragt werden, was der Mensch wissen und können soll, sondern was im Menschen jeweils veranlagt ist, sich aus ihm entwickeln möchte. So kann sich eine soziale Ordnung aus den Kräften der heranwachsenden Generation immer wieder neu gestalten.

Das Buch diskutiert auch die Möglichkeiten und Grenzen einer »Freien Schule«. Außerdem schildern verschiedene Autoren ihre methodischen Erfahrungen in unterschiedlichen Fächern. Mit welchen Profilen bereits bestehende Heilpädagogische Schulen und Schulzweige arbeiten, wird im Anschluss daran vorgestellt. Auch auf spezifische Herausforderungen, die dabei bedacht werden müssen, wie etwa die Aufgabe des Arztes an einer heilpädagogischen Schule, wird eingegangen. So bieten die Beiträge einen höchst informativen Einblick in die Arbeit der anthroposophischen Heilpädagogik. Schulen, die Heilpädagogik in ihr Schulprofil aufnehmen wollen, sollten das Buch als wertvollen Leitfaden beim Entwickeln eines eigenen Profils unbedingt nutzen.

Götz Kaschubowski, Thomas Maschke (Hrsg.): Anthroposophische Heilpädagogik in der Schule. Grundlagen – Methoden – Beispiele, geb., S. 244, EUR 29,90, Kohlhammer, Stuttgart 2013

Folgen