Das kleine gelbe Haus

Von Lola Mercedes Wittstamm, September 2022

»Das kleine gelbe Haus« ist ein Buch zum Vorlesen für die ganze Familie, mit schönen Bildern und einem zuweilen etwas altmodisch belehrenden Ton.

Das Zuhause einer kleinen Familie ist ein kleines gelbes Haus. Die Familie besteht aus Mutter, Vater und Tochter. Aber die Familie ist nicht zufrieden: Es regnet, überall fliegen Gummistiefel herum, im Garten  wuchert Unkraut und es gibt einfach nicht genug Platz. Das kleine gelbe Haus fühlt sich nicht mehr wohl mit seinen meckernden Bewohner:innen und beschließt woanders Zuhause zu sein. 

Das Haus macht sich auf und zieht in den Wald. Dort findet es Hirsche, Mäuse und Wildschweine, die dankbar für die neue Zuflucht sind. Doch bald wird es dem Haus zu voll und zu dreckig. Es zieht weiter unter Wasser, von dort aus in die Wüste, dann in die Berge und schließlich in die Stadt. Nirgends möchte das Haus auf längere Zeit bleiben. In der Stadt angekommen, steht plötzlich die Familie wieder vor ihm und erkennt ihr früheres Zuhause wieder.

Die Familie und das kleine gelbe Haus beschließen es noch einmal miteinander zu versuchen. Nach dem Renovieren des Hauses ziehen alle zusammen ans Meer. Niemand soll sich mehr über Unkraut und Regen beschweren und das Mädchen verspricht, die Gummistiefel zu sortieren. Und einmal im Jahr, wenn die Familie in den Urlaub fährt, zieht auch das Haus los und gönnt sich die freie Zeit an einem anderen Ort.

Die Autorin Leo Hoffmann erweckt das kleine Haus mit direkten Worten und bildhaften Beschreibungen zum Leben. Wir gehen mit ihm auf eine Reise und durchleben gemeinsam verschiedene Welten. Die Illustrationen von Claudia Burmeister machen aus der Geschichte mehr als ein Vorlesebuch und laden ein zum Entdecken und Schauen. Ein bisschen schade ist der pädagogische Zeigefinger, der immer wieder durchscheint. Das Mädchen verspricht am Schluss brav aufzuräumen, in der Stadt muss das Haus sprayende Jugendliche vertreiben. Das entspricht eher dem klassischen Bild eines aufgeräumten, konservativen Zuhauses, wo richtig und falsch klar zu benennen sind. Hier wäre die fantastische Perspektive eines Hauses mit nicht-menschlichen Regeln spannend gewesen. Dass sich Haus und Familie wiederfinden, könnte eine größere Überraschung sein, tatsächlich kommt es zum Schluss zum gut vorbereiteten Happy End.

Ein schönes Buch zum Vorlesen mit großartigen Bildern, das nominiert ist für den Korbinian Paul Maar-Preis. Dennoch ist Familie vielleicht etwas mehr als Vater, Mutter, Kind und die geordneten Gummistiefel in der Garderobe.

Leo Hoffmann: Das kleine gelbe Haus. Illustriert von Claudia Burmeister. 112 Seiten, 16 Euro, Verlag Freies Geistesleben 2022.

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