Das Paradies

Von Michael H.- Froehlich, Oktober 2010

Frode, der Kirmesblut in den Adern hat, lässt sich in Hobro nieder, einer Kleinstadt im nordjütländischen Dänemark. Ruth verliebt sich in Frode und zusammen kaufen sie die lokale Dampfwäscherei. Beide sind nicht mehr ganz jung, und als sie Eltern des kleinen Tom werden, ist die Freude besonders groß.

Der Fokus der Erzählung geht später auf ihren Sohn Tom über, doch wird uns unterdessen weitestgehend die gesamte bunte Personengalerie der klatschsüchtigen Provinzstadt eingehend und schonungslos geschildert. Frode, Ruth und Tom ziehen in die Bahnhofstraße, wo die honorigen Leute der Stadt in ihrem selbsternannten Paradies wohnen. Unter anderem Frau Andersen, deren Mann jede Nacht schreit und Tom nachts böse Träume und morgens nasse Laken beschert. Frau Andersen wurde als junges Mädchen mit dem reizbaren Chemieingenieur Andersen verheiratet, der sie terrorisierte und sie ihre drei Kinder allein in einem verschlossenen Zimmer zur Welt bringen ließ – als jedoch ein Schlaganfall ihn bewegungsunfähig macht, nimmt sie Rache. Und wie so oft wissen die Leute in der Stadt alles, sagen aber nichts. Um die kleine Familie herum wird das tägliche Leben der Provinz gelebt. Hier werden Kindheiten beschrieben und brutales Provinzidyll, die Familiengeheimnisse wuseln förmlich aus den Seiten des Buches heraus.

Lisbeth Bruns Beschreibungen sind üppig fabulierend, wortreich und extrem detailliert, und man spürt, wie sie mit ihrer sprachlichen Lupe aus einem durchschnittlichen dänischen Familienfoto eine Welt bunter Schicksalserzählungen hervorzaubern kann.

Brun war Klassenlehrerin an der Rudolf Steiner Schule Steffisburg/ CH, wo Sie auch heute noch Ihrer Schriftstellertätigkeit nachgeht.                                                         

Lisbeth Brun, Das Paradies. Roman. 288 Seiten. Aus dem Dänischen von Ute Pagerman. AAP Verlag Basel, 288 S. Euro 13,90

Folgen