Das wäre doch gelacht ...

Von Mathias Maurer, Februar 2010

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich hatte eine strenge Französischlehrerin. Sie war ehrgeizig. Ich konnte das nicht von mir behaupten, und so schlidderte ich auf einer vier von Schuljahr zu Schuljahr. Dann kam ein Lehrerwechsel und ich bekam eine zwei. Was war passiert? – Die Neue hatte Humor! Vor allem verstand sie Spaß, und das mochte ich. Plötzlich stimmte die Chemie. Der Stoff konnte schwer genug nicht sein: Ionescos »Les Rhinozéros«. So lernte ich neben der Barberei ideologischen Massenwahns auch die Leistungsideologie des deutschen Bildungssystems kennen.

Mathe war auch nicht mein Lieblingsfach. Notenlage siehe oben. So trocken der Stoff, so trocken der Lehrer. Zwei Jahre später frisch immatrikuliert: Nicht im Traum dachte ich bei Beginn des Studiums, dass vier Semester Statistik zum Fach Soziologie gehörten – wollte ich doch die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern und nicht stupide Wahrscheinlichkeitsrechnungen betreiben – zumal jeder wusste: Traue keiner Statistik. Die höhere Lektion war allerdings: Dem Professor ging es um die Sache, trotzdem hatte er genügend Abstand zu sich und seinem Lehrfach – und konnte auch über sich selbst mal lachen. Auch das lag mir, und die Notenlage änderte sich rapide.

Ich hatte also das Glück, auf meinem Bildungsweg Menschen zu begegnen, die mich motivierten. Es war mir schnell klar: Nur eine humorvolle und lebensbejahende Persönlichkeit kann anderen Menschen etwas beibringen, sie aufschließen, ihr Interesse wecken, sie zu Leistung anspornen. Kein System, kein Curriculum, keine Prüfungsordnung und kein Numerus Clausus kann das.

Humor ist eine Form der Menschenliebe, und ohne die Liebe sollte keiner etwas leisten müssen. Rudolf Steiner wollte »heitere Mienen der Erzieher« und Humor im Unterricht: »Humor ist das Ausatmen der Seele … Der Schwung muß hinein, das braucht die Jugend aller Klassen. Etwas Humor!«

Es wäre doch gelacht, wenn die Waldorfschulen nicht auch in diesem Punkt menschenbildende Akzente setzten.

Aus der Redaktion grüßt

Mathias Maurer

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