Dauerbrenner Taschengeld

Von Mathias Maurer, Januar 2012

Das Thema Taschengeld verschont keine Familie mit Kindern – außer man gehört zu jenen, die grundsätzlich nicht über Geld sprechen. Zwei Fragen müssen beantwortet werden: Ab wann und wie viel. Pädagogisches Ziel ist, dass Kinder den (eigen-) verantwortlichen Umgang damit lernen.

Über eigenes Taschengeld verfügen sollten nur Kinder, die auch damit umgehen können. Wenn sie schon öfters alleine Brötchen einkaufen waren zum Beispiel. Wenn sie wissen, wie viel Geld sie mit hatten und was sie an Restgeld mitzubringen haben, samt Kassenzettel. Diese Leistung dürfte erst mit dem Schulalter sicher erbracht werden. Davor ist (eigenes regelmäßiges) Taschengeld nicht sinnvoll. Mit der ersten Klasse könnte der Betrag mit 50 Cent die Woche beginnen und sich bis zur 8. Klasse auf 4 Euro die Woche steigern. Spätestens dann ist eine Zäsur angesagt: Das Taschengeld, über das die Kinder frei verfügen, wird nicht immer sinnvoll angelegt. Je jünger, desto schneller und desto süßer wird Ausgabe und Verzehr folgen. Dennoch ist es ratsam, an dem Konsumverhalten nicht herumzukritteln, denn es ist das Taschengeld der Kinder und sie sollten lernen, dafür Verantwortung zu übernehmen. Es sollte pünktlich und un­ab­hängig von Fehl- oder Wohlverhalten ausgezahlt werden.

Später kommen teurere Wünsche hinzu: Kleider, Schmuck, Schminke, Gels, Accessoires, alle erdenklichen Sorten von Duftstoffen, Spielsachen, Handy. Jetzt muss eine klare Absprache erfolgen, was zu den ganz persönlichen und was zu den »überpersönlichen«, aus der allgemeinen Familienkasse zu bezahlenden Dingen gehört. Schulmaterial, Lebensmittel und Kleidung sollten nicht das Taschengeldkonto belasten. Traut man dem Jugendlichen zu, seine Kleider selbst einzukaufen, kann das Taschengeld entsprechend erhöht werden. Dann ist eine monatliche Zahlung sinnvoll, damit gelernt wird, sein Geld einzuteilen. Es muss allerdings auch hier geklärt sein, wo das Preislimit liegt – man denke nur an das steigende Markenbewusstsein und den sozialen Gruppendruck. An Elternabenden wird immer wieder deutlich, welche nachteiligen sozialen Folgen große Differenzen bei der Taschengeldvergabe haben. Besonders die Handykosten werden zunehmend von den Eltern übernommen. Nicht selten schlittern die jungen Leute schnell in eine Schuldenfalle mit ihren Handys. Medienpädagogen raten davon ab, Kindern unter 14 Jahren überhaupt ein Handy zu kaufen, aber 80 Prozent der Zehn- bis Dreizehnjährigen besitzen eines.

Ist das Taschengeld für Hamburger, wertlosen Fummel oder noch größeren Blödsinn schon nach einer Woche verbraten, sollte man wieder auf den früheren wöchentlichen Auszahlungsmodus zurückfahren. Generell gilt: Konsequent bleiben. Wurde das Geld vergessen oder schon ausgegeben: keine zusätzlichen »Vorschüsse«. Bleibt es beim reinen Taschengeld, kann es mit der Steigerung in Ein-Euro-Schritten weitergehen (6 Euro in der 9. Klasse, bis ungefähr 10 Euro in der 12. Klasse die Woche). Bis Schulende sollte allerdings die 20 Euro-Marke pro Woche nicht überschritten werden. Falls es mehr sein muss: Es winken jede Menge Jobs – vom Babysitten bis zum Zeitung austragen.

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