Dem Rassismus zum Trotz

Von Michaela Frölich, Januar 2012

Schon der erste Satz elektrisiert und zieht den Leser in die Lebensgeschichte von May Chinn, der ersten farbigen Ärztin in New York (1896-1980). Der biographische Roman schildert, wie sie, eine talentierte Klavierspielerin, das Musikstudium abbrechen muss, weil ihr ein rassistischer Professor die Chance auf eine große Karriere verbaut. Als sie den berühmten Sänger Paul Robeson bei seinen Konzerten begleitet, erhält sie Anerkennung und einen Studienplatz der Medizin. Auch hier trifft sie auf heftigen Widerstand, denn in den 1920er Jahren ist es schwer, sich als Farbige in New York zu behaupten. Nur die innere Kraft, die ihr auch in schlimmsten Krisenzeiten zufließt, ermöglicht es ihr, unterstützt von ihrer Mutter, allen Schicksalsschlägen zum Trotz ihre Ausbildung mit Erfolg zu absolvieren und als erste Farbige eine Arztpraxis in Harlem zu eröffnen. Hier setzt sie alles – auch ihr Leben – aufs Spiel, um den Ärmsten der Armen zu helfen.

Der Roman ist packend geschrieben und ein überzeugendes Beispiel für Selbstüberwindung und Selbstfindung. Kuwana Haulsey, die Autorin, wurde in New York geboren. Sie studierte Journalismus. Die 2004 in New York erschienene Originalausgabe »Angel of Harlem« wurde – ebenso wie ihr Debütroman »The Red Moon« – mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 

Kuwana Haulsey: Der Engel von Harlem. Die Lebensgeschichte der ersten farbigen Ärztin in New York, 414 S., geb., EUR 22,90, Verlag Urachhaus, Stuttgart 2010

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