Ein Wäschetrockner für Herrn Dula

Von Mathias Maurer, Februar 2019

Es gibt einige Glaubenssätze in Bezug auf das, was unser Wirtschaftsleben antreibt. Sie sind allesamt irrational – eine Eigenschaft, die man gemeinhin gerade nicht wirtschaftlichen Entscheidungen unterstellt.

1. Der Glaube an ewiges Wachstum. 2. Der Glaube an die »invisible hand«. 3. Der Glaube an Sinnerfüllung.

Zu 1.) Nichts, was lebt, wächst ohne Unterlass. Irgendwann steht es still und dann vergeht es. Kinder wachsen, entwickeln sich – die Eltern, die Pädagogen »investieren« aus Liebe zum Kind, dessen Zukunft allerdings unberechenbar ist. Bildung ist also nicht quantifizierbar, nur die mit ihr vermittelten Qualitäten bleiben. Die Wissens- und Bildungsindustrie erzeugt dennoch immer neue Bedürfnisse, um sie letztlich in Konsum umzusetzen. – An Waldorfschulen glaubt man allerdings tatsächlich an ewiges Wachstum, nicht im wirtschaftlichen oder materiellen, sondern im Sinne der fortwährenden seelisch-geistigen Entwicklungsfähigkeit jedes einzelnen Menschen.

Zu 2.) Was soll an menschengemachten Verhältnissen unsichtbar sein? – Ein Postulat, das die Gestaltbarkeit des sozialen Lebens und die notwendige Übernahme von Verantwortung für unsere Menschheit, unseren Planeten, ja für den gesamten Kosmos negiert. Der als Triebfeder allen Wirtschaftens unterstellte Egoismus kann nicht als ein religiöses, ja göttliches Motiv durchgehen. Wenn doch müsste man ein Ausmaß an blinder Gefolgschaft und Tatsachenverleugnung konstatieren, das alle historischen Beispiele in den Schatten stellt: Das US-Finanzunternehmen BlackRock ist die »visible hand«, die jeden Staatshaushalt locker in die Tasche steckt: Es verteilt nicht um, sondern konzentriert das Kapital in den Händen weniger. –

Waldorfschulen nehmen Kinder auf, unabhängig vom Einkommen.

Zu 3.) Dass jeder Mensch ein erträgliches Einkommen haben sollte, wird wohl niemand bezweifeln wollen. Nur in der Not, fällt Menschliches auf die schiere Existenzsicherung zurück. – Doch macht das heute noch Sinn? – Paradoxerweise nur das, was nicht diesem egoistischen Selbsterhalt entspricht, ist sinngebend. Wer kennt nicht die Geschichte des reichen unglücklichen Mannes? Geld macht das Leben vielleicht bequemer, das darauf aufgebaute Glück ist jedoch illusionär.

Dazu eine Geschichte: Ich wollte einen kaum benutzten Wäschetrockner für 100 Euro über einen sehr bekannten Online-Marktplatz verkaufen. Herr Dula kam: »Ich gebe Ihnen 30 Euro.« Ich sagte: »Nein, mindestens 50 Euro.« Herr Dula ließ nicht locker. Ich sagte: »50 Euro ist schon fast geschenkt.« Herr Dula bot 40 Euro. Da sagte ich ihm nach weiteren Versuchen: »Ich schenke Ihnen das Gerät.« Herr Dula schaute mich ungläubig an, dann lachte er: »Gut, 50 Euro.« Er hatte irgendwie verstanden, dass mit jedem ausgehandelten Preis ein soziales Verhältnis anerkennend zum Ausdruck gebracht sowie den Menschen und den Dingen eine angemessene Würdigung zugesprochen werden kann. Dabei wurden die drei Glaubensgrundsätze unbemerkt, aber im Ergebnis für Käufer wie Verkäufer höchst zufriedenstellend außer Kraft gesetzt.

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