Wir sind krank – und doch gesund

Von Mathias Maurer, Juli 2010

Liebe Leserin, lieber Leser,­

wie fühlen Sie sich? Gut oder schlecht, fit oder schlapp, lau oder lustig? – Wir merken nicht, wenn wir gesund sind. Erst wenn es zwickt und zwackt, ein Schmerz pocht, die Seele aus dem Gleichgewicht gerät, dann werden wir wach.

Es gibt allerdings auch den Fall, dass wir uns gesund fühlen und ein Arztbesuch bescheinigt uns das Gegenteil – oder umgekehrt. Das heißt, das Gefühl, gesund zu sein, entspringt nicht irgendwelchen Laborergebnissen, sondern einem individuellen Empfinden von Harmonie. Das bestätigt auch die Salutogeneseforschung: Im Einklang und in einem sinnvollen Zusammenhang mit sich und der Welt stehen, sind die Gesundheitsfaktoren schlechthin. Und erst, wenn der Mensch dieses Gleichgewicht nicht mehr aus eigenen Kräften herstellen kann, braucht er externe Hilfe.

Oft spielen sich, tief unbewusst, dramatische Prozesse auf leiblicher, seelischer und geistiger Ebene in uns ab, in denen wir um ein gesundes Gleichgewicht ringen, bevor es zu einer manifesten Erkrankung kommt. Aber jede mögliche Erkrankung schickt ihre Zeichen voraus. Und hier setzt die pädagogische und präventive Arbeit im Elternhaus, in den Kindergärten und Schulen an, denn Erziehen kann heilen, die eigenen Gesundungskräfte aktivieren und die Dynamik des Geschehens beeinflussen.

Was die anthroposophische Pädagogik und Medizin auszeichnet, ist das ganzheitliche Bild des

Menschen. Sie orientieren sich in ihrem erzieherischen und therapeutischen Handeln an dieser Ganzheit, die mehr in einem Menschen sieht als einen Klumpen belebter Materie. Ihre Erfolge grenzen – aus schulmedizinischer Sicht – oft an ein Wunder. Dazu gehört auch die Sichtweise, Krankheit als eine individuelle Entwicklungschance aufzufassen, in der die Gesundung schon angelegt ist. Die Kunst für Pädagogen, Therapeuten und Mediziner ist, ihre Botschaft lesen zu können.

Diese Ausgabe brachten wir in Zusammenarbeit mit dem Dachverband Anthroposophischer Medizin (DAMiD) auf den Weg, für dessen Anregungen wir herzlich danken.

Aus der Redaktion grüßt

Mathias Maurer

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