Traumberuf: Pastoralpädagogischer Narr

Von Markus Stettner-Ruf, Andreas Stohlmann, März 2010

Markus Stettner-Ruff, Geschäftsführer der Freien Waldorfschule Schwäbisch Hall, im Gespräch mit dem Klassenlehrer Andreas Stohlmann, der am liebsten die Schule abschaffen möchte. Die beiden sind seit zwölf Jahren Kollegen.

Stohli in seinen berühmten Stulpenstiefeln

Zum ersten Mal fiel mir Andreas Stohlmann beim Haller Kinderfest auf, als er mit seiner Klasse auf den Marktplatz kam. Eine große, imposante Gestalt, ein Charaktermensch, der unübersehbar ist und in jeder Hinsicht Raum einnimmt. Wo Stohlmann ist, ist etwas los! Und wo er ist, sind Kinder!

Wie es das Schicksal wollte, kam unser ältester Sohn Moritz zu ihm in die Klasse. Eine Eltern-Klassengemeinschaft wie diese Stohlmann-Klasse, mit fünfundvierzig Elternhäusern, wird es so schnell nicht wieder geben. Aus ihr entstand ein Kinderzirkus und sie war der Treibriemen für die Lösung einer der tiefsten Krisen der Haller Waldorfschule. Und mitten drin: Stohli!

An ihm scheiden sich die Geister

»Eigentlich wollte ich Medizin studieren  – jetzt bin ich halt in der Vorsorge aktiv«, meint Stohlmann zu Beginn unseres Gesprächs mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Und fügt dann lachend hinzu: »Pastoralpädagogischer Narr, das wäre mein Traumberuf.« 1983, nach der Klassenlehrerausbildung in Mannheim, fängt er in Schwäbisch Hall als Waldorflehrer an. »Dort landete ich wegen der Menschen, nicht wegen des Ortes«, erinnert er sich. Zusammen mit einigen mutigen, jungen Waldorfpädagogen und einer engagierten Elternschaft gründet er die Haller Waldorfschule. Er übernimmt seine erste Klasse und arbeitet seither, mit einer Freijahrspause, dort als Klassenlehrer.

Aber, was zeichnet ihn aus, diesen Andreas Stohlmann? Er kann begeistern: Kinder, Eltern, Studenten, Kollegen … Kaum jemand kann sich, zumindest im ersten Moment, der Faszination, die von ihm ausgeht, entziehen. Er spricht gerne und viel und mit dem ganzen Körper. Die künstlerische Sprache, das Theater und der Zirkus sind seine Leidenschaft. Sein Humor gibt ihm ein Mittel in die Hand, seinen Mitmenschen in ihrer »wahrhaftigeren Art zu begegnen«.

Er ist frei und offen – und dadurch verletzlich. Er versteckt sich nicht, kann das von seiner Art, seinem Charakter her gar nicht. Er zeigt, wer er ist, was er denkt und fühlt und was er will. Man nennt es wohl authentisch. So führt er seine Klasse und gestaltet sein Lehrersein. Jederzeit kann man bei ihm hospitieren. Sein Klassenzimmer ist offen für jeden, der mit gutem Willen kommt. Doch fühlt er sich angegriffen oder gar verletzt, dann kann er auch eng werden, stur, eigensinnig, fast trotzig. Auch der heilige Zorn ist ihm nicht fremd. Manchen Erwachsenen, auch Jugendlichen, stößt er ab. An ihm scheiden sich die Geister. Aber »seine« Kinder lieben ihn!

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Printausgabe.

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