Eurythmie, tiefer durchdacht

Von Johannes Roth, Mai 2014

Zu den Kulturimpulsen, die der Anthroposophie Rudolf Steiners zu verdanken sind, zählt die Eurythmie. Wie es sich mit vielen Gründungen verhält, so ist es auch hier: Eine Betrachtung aus dem zeitlichen Abstand ermöglicht, den Kontext und die besondere Qualität dessen zu erkennen und zu würdigen, was als Neues erschienen ist.

Der Stuttgarter Pfarrer der Christengemeinschaft, Michael Debus, hat in den Jahren 2011 und 2012 in Dornach zwei Vorträge zur Eurythmie gehalten, aus denen das nun vorliegende Büchlein entstanden ist. Debus zeigt darin, wie die Eurythmie als ganz junge Kunst ihre Wurzeln in weit zurückliegenden Epochen der Geschichte hat – und wie sie durch die Tatsache, dass und auf welche Weise der Mensch selber zum Kunstwerk wird, in die Zukunft weist. In dieser Zukunft wird (und muss) sich der Mensch aus den Kräften, die in der Eurythmie zur Erscheinung kommen, nähren können.

Anhand zweier Menschheitsströmungen, einer Willensströmung, die von Osten nach Westen, und einer Weisheitsströmung, die von Westen nach Osten verläuft, macht Debus verständlich, wie in der Form T-I-A-O-A-I-T die Evolution des Menschen sichtbar wird. Er schildert auch, in welchem Verhältnis die Eurythmie zur Wiederkunft Christi, zur Wirksamkeit der Widersachermächte und der vom Menschen zu erlangenden Äther-Substanz des Moralischen steht.

Es sind überraschende und wesentliche Perspektiven, welche sich durch diese Gedanken eröffnen; und auch wenn die Lektüre besonders durch die Knappheit der Darstellung für diejenigen Leser, die mit dem Vortragswerk Rudolf Steiners nicht oder nur wenig vertraut sind, anspruchsvoll ist, bleibt doch zu hoffen, dass dies Buch vor allem von Waldorflehrern gut aufgenommen wird.

Michael Debus: Das Wesen der Eurythmie: Vergangenheitswurzeln und Zukunftswirklichkeit, geb., 76 S., EUR 12,–, Verlag am Goetheanum, Dornach 2012

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